In der Automobilbranche wird der Einstieg der Familie Hastor bei Grammer mit Sorge gesehen. Der weiße Ritter Ningbo Jifeng kann allerdings vorerst nicht eingreifen.

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10.04.17
CFO

Hastor-Angriff: Heftiger Rückschlag für Grammer

Der aktivistische Investor Hastor wird für den Autozulieferer Grammer immer mehr zur Bedrohung: Ein Gerichtsentscheid hat den weißen Ritter Ningbo Jifeng vorerst ausgebremst.

Wenige Wochen vor der Hauptversammlung am 24. Mai spitzt sich die Lage bei dem oberpfälzischen Automobilzulieferer Grammer weiter zu: Die bosnische Investorenfamilie Hastor, die derzeit über zwei verschiedene Vehikel mit mindestens 20 Prozent bei Grammer investiert ist und weitreichenden Einfluss auf Management und Aufsichtsrat fordert, hat die Abwehrstrategie Grammers durchkreuzt. 

Hastor bremst Ningbo Jifeng bei Grammer vorerst aus

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat Grammer per einstweiliger Verfügung vorläufig untersagt, die Wandlung einer Wandelanleihe zu vollziehen, über die sich der chinesische Investor Ningbo-Jifeng mit 9,2 Prozent an Grammer beteiligen sollte. Erst müsse das Bundeskartellamt die Beteiligung freigeben, so das Gericht. „Von außen betrachtet ist es ungewöhnlich, dass das Kartellamt bei einer Beteiligung von gut 9 Prozent bemüht wird“, sagt Jörn-Christian Schulze, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Arqis. Für die Freigabe hat das Bundeskartellamt in der Regel vier Wochen Zeit. „Um Zeit zu sparen, kann man grundsätzlich auch bei Zeichnung der Wandelanleihe schon die Anmeldung für den Wandlungsfall beim Bundeskartellamt vornehmen“, sagt er.

Die Entscheidung hatte die Zulieferergruppe Prevent beantragt, hinter der ebenfalls die Investorenfamilie Hastor steht. Ein Grammer-Sprecher sagte gegenüber FINANCE, das Unternehmen werde Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen. Bis der Widerspruch verhandelt ist,  darf Ningbo Jifeng keine neuen Aktien an Grammer beziehen. 

Stimmen von Ningbo Jifeng sind für Grammer enorm wichtig

Der Zulieferer Prevent, der im vergangenen Jahr durch einen Lieferstopp tagelang die Produktion bei Volkswagen zum Stillstand gebracht hat, zieht VW in seinem Antrag in die Causa Grammer mit hinein. Prevent werfe dem Autoriesen vor, der Konzern orchestriere und finanziere vermutlich auch die Abwehrschlacht von Grammer, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. VW entgegnete, man nehme grundsätzlich keinen Einfluss auf Geschäfte der Lieferanten.

Allerdings ist bekannt, dass das Engagement der Hastors bei Grammer in der Automobilbranche mit Besorgnis gesehen wird. Das Grammer-Management fürchtet daher den Verlust von Aufträgen, sollten die Hastors ihren Einfluss weiter ausbauen können.

Allianz mit Ningbo Jifeng: Grammer läuft die Zeit davon

Die jetzige Gerichtsentscheidung für die aktivistischen Investoren aus Bosnien setzt Grammer weiter unter Zeitdruck. „Die Entscheidung über den Widerspruch von Grammer kann zwei bis drei Wochen dauern“, sagt Rechtsanwalt Schulze. Die Grammer-HV soll in rund sechs Wochen, am 24. Mai, stattfinden.

Grammer braucht Ningbo Jifeng dringend als Verbündeten auf der Hauptversammlung. Die beiden Vehikel der Familie Hastor könnten derzeit mindestens 20,2 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen, wenn sie auf der Hauptversammlung gleich abstimmen. Da beide Vehikel getrennt gewertet werden, erreichen sie aber jeweils erst bei 15 Prozent die nächste Meldeschwelle. Damit könnten sie ihren Anteil inzwischen schon auf fast 30 Prozent ausgebaut haben, ohne dass eine weitere Stimmrechtsmitteilung erforderlich wäre.

Könnte Grammer Ningbo Jifeng wie geplant mit einem Anteil von 9,2 Prozent ins Gefecht führen, wäre zumindest eine Sperrminorität gegen gewisse Beschlüsse denkbar. Die Präsenz auf den Grammer-Hauptversammlungen lag in den vergangenen Jahren im Schnitt bei 40 bis 50 Prozent.

Ursprünglich wollten die Hastors sogar eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen – auch damit hätten sie Ningbo Jifeng ausgehebelt. Dieses Ansinnen hatte Grammer allrdings erfolgreich abgewehrt und eine außerordentliche Hauptversammlung abgewendet. Mit dem neuen Winkelzug der Hastors steht der Einsatz des weißen Ritters nun aber erneut infrage.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de