Die Krise bei Beate Uhse eskaliert. CFO Kees Vlasblom reagiert, indem er die historischen Wurzeln des Unternehmens kappt, das Kataloggeschäft einstellt und jeden vierten Arbeitsplatz streicht.

Beate Uhse

02.02.16
CFO

Krise bei Beate Uhse eskaliert

Schwere Krise bei Beate Uhse: Neuerliche Abschreibungen und Sonderkosten sorgen für einen zweistelligen Millionenverlust. Auch der Umsatz geht stark zurück. Das Management reagiert radikal.

Die Führung des Wäsche- und Erotikhändlers Beate Uhse reagiert mit tiefen Einschnitten auf eine nochmalige Verschlechterung der Geschäftslage. Mit sofortiger Wirkung stellt Beate Uhse das Kataloggeschäft komplett ein – der letzte Katalog wird zum Valentinstag erscheinen. Damit kappt das Unternehmen, das als Katalogversandhändler begann, seine historischen Wurzeln.

Die dadurch frei werdenden Mittel pumpt das Unternehmen in eine weitere TV-Werbekampagne, mit der die Marke Beate Uhse als Wäsche- und Soft-Toy-Marke neu positioniert werden soll. Damit will der seit September als Alleinvorstand amtierende CFO Kees Vlasblom das Einzelhandel- und E-Commerce-Geschäft voranbringen. Trotzdem schließt Beate Uhse 16 seiner 78 Shops, 13 davon in den Niederlanden.

Im Zuge dessen werden 90 Mitarbeiter ihre Stelle verlieren. Durch zusätzliche Streichungen in den Bereichen Logistik und Administration müssen insgesamt sogar 150 Angestellte Beate Uhse verlassen – das entspricht jedem vierten Mitarbeiter. Dieses Sanierungskonzept ist wesentlich radikaler als vom Markt erwartet. Ursprünglich wollte Beate Uhse das Maßnahmenpaket bereits Mitte Januar vorlegen.

Beate Uhse erwartet 13 bis 15 Millionen Euro Verlust, Aktie bricht ein

Das scharfe Gegensteuern treibt den zu erwartenden Jahresverlust noch weiter in die Höhe als ohnehin schon befürchtet. Bereits nach neun Monaten war ein Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 7,2 Millionen Euro aufgelaufen. Für das Gesamtjahr stellt Beate Uhse nun einen Ebit-Verlust von 13 bis 15 Millionen Euro in Aussicht.

Der Umsatz wird von 142,9 auf 128 Millionen Euro zurückgehen. Ursprünglich hatte Beate Uhse für 2015 einen Umsatz von 134 bis 139 Millionen Euro und ein positives Ebit zwischen 2 und 5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Verantwortlich für die noch höher als befürchtet ausfallenden Verluste sind die Kosten für Abfindungen, Drohverluste für bestehende Mietverträge der zu schließenden Filialen sowie Wertberichtigungen auf Forderungen und Vorräte.

Der Kapitalmarkt reagiert heftig: Die Aktie verliert umgehend nochmals rund 10 Prozent und notiert nur noch bei 16 Cents. Die erst im Juli 2014 platzierte Mittelstandsanleihe im Volumen von 30 Millionen Euro stürzt auf nur noch 23 Prozent vom Nennwert ab. Dabei hatten die Beate-Uhse-Papiere schon 2015 eine äußerst schwache Kursperformance gezeigt: Der Aktienkurs war um 70 Prozent gesunken, die Anleihe stürzte von über 100 auf nur noch rund 40 Prozent ab.

Beate-Uhse-Management hat FX-Hedging vernachlässigt

Beate Uhse ist aus zwei Gründen in die Krise gerutscht: Zum einen wurde das Management von der Stärke des US-Dollars überrascht, nach drei Quartalen summierten sich die Währungsverluste auf 4,4 Millionen Euro. „Inzwischen sind zwei Drittel unserer Währungsgeschäfte auf US-Dollar-Basis für zunächst 12 Monate abgesichert“, hatte CFO Kees Vlasblom Anfang Januar auf eine Anfrage von FINANCE geantwortet.

Zum anderen stockt die Repositionierung von Beate Uhse. Obwohl das Unternehmen schon in den beiden zurückliegenden Jahren mehrere Millionen Euro in eine Werbekampagne investiert und parallel dazu auch Vorratsbestände aufgebaut hat, geht der Umsatz nun mit einer nahezu zweistelligen Prozentrate zurück.

Die Liquidität scheint gemäß der aktuellen Finanzberichte kurzfristig jedoch nicht gefährdet zu sein. Der Bond ist die einzige größere Finanzverbindlichkeit und läuft noch bis Sommer 2019. Wie sehr die Sonderkosten und das Abschreiben von Forderungen kurzfristig die Finanzlage belasten, ist derzeit noch nicht abzusehen. Den Jahresabschluss wird Beate Uhse im Frühjahr vorlegen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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