Harte Sanierung bei Tom Tailor: Das neue Management um CFO Thomas Dressendörfer greift durch.

Tom Tailor

22.02.17
CFO

Nach Covenant-Reset: Tom Tailor sieht Stabilisierung

Das neue Management von Tom Tailor hat den strauchelnden Modekonzern nach eigener Einschätzung stabilisiert. Jetzt rückt das Abtragen des großen Schuldenbergs in den Mittelpunkt. Wie hoch der Leverage tatsächlich ist, lässt sich allerdings nur erahnen.

Mit großer Vehemenz treibt das neu formierte Management um CFO Thomas Dressendörfer die Restrukturierung  des angeschlagenen Modefilialisten Tom Tailor voran. Im vierten Quartal 2016 sei die Schließung von rund 250 Filialen eingeleitet oder sogar schon abgeschlossen worden, verkündeten die Hamburger am gestrigen Dienstag nach Börsenschluss. Zudem wurden die beiden Markenlinien „Polo Team“ und „Contemporary“ eingestellt, bei der Damenmodelinie Bonita sei dank eines „straffen Kostenmanagements“ die Kostenbasis um knapp 10 Prozent gesenkt worden.

„Das vierte Quartal zeigt erste Effekte zur Ertragsstabilisierung“, kommentiert das Management die aktuelle Lage. Die nächsten Einschnitte hat das Modeunternehmen schon angekündigt: In den kommenden Monaten will sich Tom Tailor aus China, Frankreich und den USA zurückziehen.

Das Sparprogramm trägt die Handschrift des Sanierungsspezialisten Thomas Dressendörfer, der im April 2016 den langjährigen CFO Axel Rebien als Finanzchef von Tom Tailor abgelöst hat. Im September ging auch CEO Dieter Holzer von Bord. Interimschef ist seitdem Heiko Schäfer, der zuvor als COO das operative Geschäft gesteuert hatte. Im Oktober verschärften die beiden neuen Vorstände das schon von ihren Vorgängern eingeleitete Sparprogramm noch einmal deutlich.

Dressendörfer hat Kosten für Covenant-Waiver bereits verbucht

Die vorläufigen Zahlen für 2016 belegen die schwierige Lage, in der sich Tom Tailor befindet. Trotz eines um 1,3 Prozent auf 968,5 Millionen Euro gestiegenen Umsatzes brach der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 67,6 auf 10,3 Millionen Euro ein. Einmalkosten von 80,9 Millionen Euro für die Restrukturierung sorgten für einen Jahresverlust von 73 Millionen Euro.

In Folge dieser Talfahrt konnte der Konzern im Jahresverlauf 2016 auch die Zusagen gegenüber den Kreditgebern nicht mehr einhalten. Ein Tom-Tailor-Sprecher bestätigte gegenüber FINANCE, dass die Kreditauflagen (Covenants) neu justiert wurden. Die einmaligen Gebühren für diesen Covenant-Reset habe Tom Tailor im Finanzergebnis bereits verbucht.

Tragende Säule der Konzernfinanzierung sind Bankkredite, die am Ende des dritten Quartals 2016 bei einer Summe von 223 Millionen Euro lagen. Die Verbindlichkeiten gegenüber Schuldscheininvestoren hat CFO Dressendörfer im vierten Quartal durch Tilgungen von 35 auf 15 Millionen Euro gesenkt. „Die Restschuld aus dem Schuldschein wird im Mai 2018 getilgt werden, die Bankenfinanzierung ist bis Mai 2020 sichergestellt“, ließ Dressendörfer eine FINANCE-Anfrage beantworten.

Im Zuge des Covenant-Resets seien nur die Schwellenwerte verändert worden. „Die Covenants selbst wurden beibehalten und beziehen sich auf die Eigenkapitalquote sowie die Verschuldung, zum Beispiel das Verhältnis der Nettoverschuldung zum Ebitda.“

Kapitalerhöhung drückt Nettoschulden unter 200 Millionen Euro

Bei der Eindämmung der Verschuldung ist Dressendörfer im vierten Quartal deutlich vorangekommen. Das ist allerdings nicht überraschend, schließlich erwirtschaftet Tom Tailor in diesem Quartal traditionell den größten Teil seiner Gewinne und Cashflows.

Zum Bilanzstichtag Ende Dezember ist die Nettofinanzverschuldung nach Unternehmensangaben auf 194,7 Millionen Euro zurückgegangen. Ende 2015 betrug sie noch 217,4 Millionen Euro. Rund ein Drittel des Schuldenabbaus geht auf das Konto einer Barkapitalerhöhung über 10 Prozent der Aktien, mit der Tom Tailor im Dezember 12,5 Millionen Euro erlöste. Der chinesische Großaktionär Fosun, der fast 30 Prozent der Anteile hält, beteiligte sich an dieser Transaktion.

Laut Tom Tailor hat auch ein straffes Bestandsmanagement geholfen, den Schuldenberg trotz der schwachen Geschäftslage im Griff zu behalten. Allein im zweiten Halbjahr seien die Lagerbestände um rund ein Viertel auf 159,1 Millionen Euro reduziert worden – auch hier vermutlich vor allem dank umfangreicher Abverkäufe im nachfragestarken Jahresendgeschäft.

CFO Thomas Dressendörfer: „Entschuldung ist übergeordnetes Ziel“

Nach Abschluss der ersten Sofortmaßnahmen auf der Kostenseite richtet das Management nun offenbar seinen Fokus darauf, die Bilanzrelationen zu verbessern: „Unserem übergeordneten Ziel, die Firma zu entschulden, kommen wir näher“, erklärt CFO Dressendörfer. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der frühere Straumann-CFO das Ziel seines Vorgängers Axel Rebien bekräftigt, wonach der Leverage (Net Debt/Ebitda) auf unter 2,0x sinken soll. „Ende 2018 sollte dieses Ziel erreicht werden“, bekräftigte Tom Tailor gegenüber FINANCE.

Wie hoch der Leverage aktuell ist, gab die Modefirma gestern Abend noch nicht bekannt. 2014 und 2015 lag das bereinigte Ebitda bei 87,2 beziehungsweise 76,3 Millionen Euro. Das neue Management gibt bislang nur die unbereinigte Ertragszahl an. Wegen der Fülle an Sonderkosten liefert diese Kennzahl derzeit aber keine sinnvollen Hinweise auf die tatsächlichen Schuldenrelationen von Tom Tailor. Die ausführlichen Geschäftszahlen legen Schäfer und Dressendörfer am 28. März vor.   
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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