Der stark wachsende Oberflächenspezialist Nanogate gehört zu den Pionieren des neuen Börsensegments Scale. CFO Daniel Seibert sieht dort viele Vorteile gegenüber dem Entry Standard.

Nanogate

21.03.17
CFO

Nanogate-CFO Seibert: „Scale kann nur der Anfang sein“

Mit großer Überzeugung hat CFO Daniel Seibert sein Unternehmen Nanogate in das neue Börsensegment Scale geführt. Scale hält er aus vielen Gründen für gelungen. Trotzdem sieht er die Deutsche Börse in der Pflicht, noch mehr zu liefern.

Herr Seibert, warum haben Sie sich für einen Wechsel in Scale entschieden?
Scale ist für Wachstumsunternehmen wie Nanogate ideal, weil es uns zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft. Auch die Investoren profitieren von Scale, weil die Zulassungsvoraussetzungen verschärft worden sind und es dort dank der verpflichtenden Research-Coverage jetzt auch mehr Transparenz gibt. Als CFO erkenne ich an, dass die Deutsche Börse durchaus Anstrengungen übernimmt, bei den Investoren mehr Vertrauen in den Kapitalmarkt zu wecken. Aber der Start von Scale kann nur der Anfang sein.

Was wünschen Sie sich noch?
Dass es auf Scale auch schon einen Index gibt, begrüße ich sehr. Außerdem hoffe ich darauf, dass die Deutsche Börse auch aktiv daran arbeiten wird, Investoren und Emittenten zusammenzubringen, zum Beispiel indem sie Kapitalmarktkonferenzen im Ausland veranstaltet, bei denen sich Scale-Mitglieder präsentieren können.

Nanogate-CFO Daniel Seibert wartet noch auf neue Investoren

Halten Sie die Zugangsvoraussetzungen zu Scale für angemessen?
Für meinen persönlichen Geschmack hätten die Hürden noch ein wenig anspruchsvoller ausfallen dürfen, aber ich muss auch anerkennen, dass nur ein Drittel der Entry-Standard-Unternehmen bislang die Aufnahme in Scale geschafft hat. Das zeigt, dass die Zulassungsvoraussetzungen schon deutlich verschärft worden sind.

Wenn für Sie der Zugang zu Scale keine große Hürde war, können Sie ja eigentlich auch gleich in den Prime Standard weiterziehen.
Wir werden im Jahresverlauf prüfen, ob und wann ein Wechsel in den General beziehungsweise Prime Standard der Frankfurter Wertpapierböse sinnvoll erscheint. Aber Scale ist schon deutlich näher am Prime Standard als der Entry Standard. Das macht dieses Segment für uns wesentlich interessanter als den Entry Standard.  

Haben Ihre Investoren Ihnen schon Feedback zu Ihrem Wechsel in Scale gegeben, oder haben Sie sogar schon neue Investoren gefunden?

Nein, beides noch nicht. Aber dafür ist es auch noch zu früh. Scale gibt es ja erst seit ein paar Wochen.

„Reputationsrisiko in Scale geringer als im Entry Standard“

Eine zentrale Neuerung von Scale ist, dass alle Emittenten obligatorisch von den Research-Häusern Morningstar und Edison begleitet werden. Es gibt aber schon vier Research-Häuser, die Nanogate bewerten. Ist das für Sie dann noch ein Mehrwert?
Begrenzt. Wir hätten uns gewünscht, dass wir die zwei zusätzlichen Research-Häuser zumindest selbst hätten auswählen dürfen, wenn nicht gar darauf verzichten, weil wir bereits eine größere Research-Abdeckung haben. Aber andererseits schadet mehr Research auch nicht. Und für jene Unternehmen, die bisher noch kein Research hatten, ist das von der Deutschen Börse bestellte Research ein großer Schritt nach vorne.

Über Scale wird wesentlich stärker als über den Entry Standard berichtet. Das kann ein Vorteil sein. Man kann aber auch schnell in Sippenhaft geraten, wenn es zu Skandalen kommt, wie man es bei den Mittelstandsanleihen gesehen hat. Viele der dort aufgefallenen Skandalemittenten hätten es auch in Scale geschafft, und da ist jetzt auch Nanogate. Beunruhigt Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin überzeugt, dass unser Reputationsrisiko in Scale geringer ist als vorher – nicht nur wegen der strengeren Qualitätsprüfungen, die dort gelten, sondern auch weil die Zulassungspartner die Unternehmen, die sie an den Markt bringen, genau prüfen werden. Das hoffe ich zumindest.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Daniel Seibert ist seit 2012 CFO von Nanogate und war davor unter anderem CFO der Scout-Gruppe und des Biotech-Unternehmens Geneart. Mehr über seine Vita und seine Kariere-Highlights finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Daniel Seibert.

Nanogate ist ein Spezialist für hochmoderne Oberflächenbeschichtungen. 2016 hat Nanogate bei einem Umsatz von 110 Millionen Euro einen operativen Gewinn (Ebitda) von über 12 Millionen Euro erzielt. Im laufenden Jahr sollen der Umsatz auf über 160 und das Ebitda auf mindestens 18 Millionen Euro ansteigen.

Mehr Infos zu dem neuen Börsensegment für Wachstumsunternehmen bietet unsere Themenseite zu Scale.