Die Restrukturierung wird ein Marathon und kein Sprint: CFO Maria Ferraro, hier bei der Bilanzpressekonferenz von Siemens Energy im November 2020.

Siemens Energy

FINANCE+ 15.03.21
CFO

Siemens-Energy-CFO: „Der Weg ist zäh“

Maria Ferraro hat viel vor: Die Finanzchefin von Siemens Energy muss die Kosten massiv senken und die frühere Siemens-Tochter zugleich für die Energiewende rüsten. Wie sie diesen Spagat bewältigen will, berichtet sie im FINANCE-Interview.

Frau Ferraro, Siemens Energy hat kürzlich angekündigt, bis 2025 rund 7.800 Jobs abzubauen, davon 3.000 in Deutschland. Gleichzeitig haben Sie für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2021, das seit Oktober läuft, bessere Zahlen vorgestellt, als von Analysten erwartet. Das war vermutlich nicht das beste Timing, um einen so massiven Jobabbau anzukündigen, oder?
Das war ja keine kurzfristige Entscheidung. Das solide erste Quartal war ein wichtiger Schritt, um unsere Jahresziele zu erreichen, mehr aber auch nicht. Wir haben bereits im vergangenen September bei unserem Kapitalmarkttag angekündigt, dass wir ein weiteres Sparprogramm über mehr als 300 Millionen Euro für das Segment Gas und Power auflegen werden. Andernfalls würden wir unser Mittelfristziel nicht erreichen, die Ebita-Marge vor Sondereffekten bis 2023 auf 6,5 bis 8,5 Prozent zu steigern. Die bisherigen Kostensenkungsprogramme über 1 Milliarde Euro reichen dafür leider nicht aus.

Warum ist das so?

Positive Ergebniseffekte von rund 500 Millionen Euro Einsparungen hatten nicht den nachhaltigen Effekt, den wir uns gewünscht haben. Ein Grund dafür ist die Entwicklung im Gasturbinengeschäft, die schwächer verlief als vor Jahren gedacht. Deshalb mussten wir nachschärfen.

Der Gegenwind aus der Belegschaft ließ nicht lange auf sich warten: Gesamtbetriebsratschef Robert Kensbock kündigte an, Gegenkonzepte zu denen des Managements zu entwerfen. Droht da ernsthafte Gefahr für Ihre Sparpläne?

Der Dialog mit den Arbeitnehmervertretern war bisher sehr konstruktiv. Die Diskussionen sind offen und gemeinschaftlich. Der Abbau von Jobs ist nichts, was wir leichtfertig machen, im Gegenteil. Der Schritt ist aber notwendig, um die Profitabilität zu verbessern. Wir mussten im Geschäftsjahr 2020 einen Nettoverlust von 1,9 Milliarden Euro verzeichnen. Im ersten Quartal 2021 haben wir zwar gute Fortschritte erzielt, aber der Weg ist noch lang und zäh. Dessen sind sich alle bewusst, auch die Arbeitnehmervertretung.

CFO Maria Ferraro muss Links zu Siemens kappen

Ihrem CEO Christian Bruch zufolge machen die Stellenstreichungen 20 Prozent der Kosteneinsparungen aus. Woher kommen die restlichen 80 Prozent?
Das Programm umfasst diverse Maßnahmen. Wir müssen die Komplexität, die wir zum Teil von Siemens geerbt haben, herausnehmen. Das geht von Einkauf und Logistik bis hin zur IT-Landschaft. Wir sind seit der Eigenständigkeit ein deutlich kleinerer und fokussierterer Konzern, daher muss unsere Verwaltung schlanker werden.

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