Herkulesaufgabe für Klaus Patzak: Der Osram-CFO muss ein Fünftel des Umsatz einsparen. Sonst wird die Siemens-Tochter dem Preiskrieg am LED-Markt nicht standhalten können.

Osram

30.11.12
CFO

Sparprogramm: Osram-CFO Patzak muss den IPO retten

Mit dem heute verkündeten radikalen Sparprogramm wird aus der Wachstumsstory Osram ein veritables Turnaroundprojekt. Osram-CFO Klaus Patzak muss den Einkauf umkrempeln, um Spielraum für den Bau neuer Fabriken in Asien zu gewinnen. Der Finanzchef wird zur Schlüsselfigur, denn auf frisches Geld aus dem IPO kann Osram nicht hoffen.

Mit einem harten Sparprogramm versucht der Leuchtmittelhersteller Osram den angepeilten Börsengang im Frühjahr zu retten. An das gerade erst abgeschlossene Restrukturierungsprojekt mit dem Abbau von 1.900 Stellen folgt direkt ein neues, mit dem die Osram-Führung um CEO Wolfgang Dehen und Finanzchef Klaus Patzak bis Ende 2014 insgesamt 4.700 Jobs abbauen will, die meisten davon im Ausland. Dafür muss Osram einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zurücklegen, von 2015 an sollen die Kosten im Gegenzug um 1 Milliarde Euro jährlich sinken. Damit zählt das Osram-Programm zu den ambitioniertesten Cost-Cutting-Vorhaben der vergangenen Monate – und zu den größten: Die geplanten Einsparungen summieren sich auf fast 20 Prozent des aktuellen Osram-Umsatzes von 5,2 Milliarden Euro. Auch andere große Industriekonzerne wie Siemens, Daimler und SMA Solar sind zuletzt in den Sparmodus gegangen.

Die erhofften Einsparungen sind so hoch, weil das Management um CFO Patzak neben den Stellenkürzungen auch noch ein Programm zur Einkaufsoptimierung aufgelegt hat. Über dessen genaues Volumen schweigt Osram sich aus. Das aktuelle Sparprogramm des Osram-Mutterkonzerns Siemens liefert jedoch einen Hinweis: Dort will Finanzchef Joe Kaeser bis 2014 insgesamt 6 Milliarden Euro einsparen, die Hälfte davon im Einkauf.

CFO Patzak hat Schlüsselrolle

Damit schlüpft Osram-CFO Klaus Patzak in eine Schlüsselrolle, um Siemens den Rückzug aus dem Osram-Kapital zu ermöglichen. Schon bei der Roadshow zum Börsengang in wenigen Monaten wird Patzak, der seit April 2011 die Osram-Finanzen managt, den Investoren erste Erfolge des laufenden Sparprogramms vorweisen müssen. Der jetzt angekündigte große Wurf erscheint sonst unglaubwürdig.

Wie überzeugend der Finanzchef, der sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht hat, dabei auftritt, wird entscheidend für den Erfolg des Börsengangs sein. Es ist nicht der erste Versuch des Mutterkonzerns, die Tochter loszuwerden. Die neuesten Pläne für den Spin-off hat Siemens in dieser Woche vorgelegt.

Osram leidet unter dem erheblichen Preisrutsch am Lichtmarkt. Wegen des Aufkommens der LED-Technologie hat sich der jährliche Preisverfall auf 20 Prozent beschleunigt – die traditionellen Leuchtmittel verlieren an Zugkraft, während sich am stark wachsenden LED-Markt die Großkonzerne Philips, Osram und General Electric mit einer wachsenden Zahl asiatischer Hersteller um Markanteile streiten.

Um im Wettbewerb zu bestehen, baut Osram ein großes LED-Montagewerk in China auf, wo bis 2017 rund 1.700 neue Jobs entstehen sollen. Im Gegenzug will das Management Fertigungsstätten in reifen Märkten verkaufen, vor allem dort, wo im kommenden Jahr kräftig Personal abgebaut werden soll.

Siemens-CFO Joe Kaeser will Osram entkonsolidieren

Mit dem verschärften Sparprogramm muss das Management die Equity Story endgültig umschreiben. Aus der Wachstumsstory LED ist ein Turnaround- und Cost-Cutting-Projekt geworden. In den nächsten Jahren wird Osram hohe Summen für neue Fabriken in Asien mobilisieren müssen, was einen Großteil der erzielten Einsparungen wieder auffressen wird.

Dass sich die Finanzausstattung durch den Börsengang nennenswert verbessern wird, ist nicht zu erwarten. Aktuelle Analysen beziffern den potentiellen Börsenwert von Osram auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro, weniger als die Hälfte der 6 bis 7 Milliarden Euro, die ursprünglich kolportiert wurden. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da bei der Bewertung des Eigenkapitals viel davon abhängen wird, wie viele Schulden und Pensionsverpflichtungen Siemens-CFO Joe Kaeser Osram vor dem Spin-off auf Osram übertragen wird.

Siemens ist derweil von dem Plan abgerückt, auch nach dem Spin-off eine qualifizierte Minderheitsbeteiligung an Osram zu halten. Jetzt will der Dax-Konzern seine Beteiligung auf unter 20 Prozent reduzieren, damit Kaeser die Osram-Zahlen nicht mehr bilanzieren muss. Viel Raum für eine große Kapitalerhöhung bleibt da nicht – Osram-CFO Patzak muss liefern, sonst droht das Unternehmen in schweres Fahrwasser zu geraten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de