Beugt sich die Aareal Bank dem Druck des aktivistischen Investors Teleios?

Aareal Bank

20.05.20
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Aareal Bank will Finanzinvestoren an IT-Tochter beteiligen

Der Immobilienfinanzierer Aareal hat sich lange geweigert, will seine IT-Tochter Aareon jetzt aber doch verkaufen – zumindest einen Teil davon. Der aktivistische Investor Teleios fordert aber mehr.

Schlägt Private Equity bei der Aareal Bank zu? Wie der Immobilienfinanzierer mitteilte, sei man bereit, eine signifikante Minderheitsbeteiligung der IT-Tochter Aareon an Finanzinvestoren abzugeben. Wie viele Anteile Aareal dabei abgeben möchte, wollte die Bank auf Nachfrage nicht kommentieren. Die Analysten von Warburg rechnen mit 20 bis 30 Prozent.

Die Aareal Bank hat nach eigener Aussage den auf den IT-Sektor spezialisierten Unternehmensberater Arma Partners damit beauftragt, einen strukturierten Prozess mit „ausgewählten, langfristig orientierten Finanzinvestoren“ aufzusetzen. Die Aareal Bank „beabsichtigt“ nach eigener Aussage, die Mehrheit an Aareon zu behalten. Aareon sei integraler Bestandteil der im Januar veröffentlichten neuen Strategie „Aareal Next Level“, wie CEO Hermann Merkens nochmals betonte. 

Aareal Bank Aareon-Anteil will „zügig“ verkaufen

Die Aareal Bank begründet den Schritt damit, dass sich mit einem Finanzinvestor die stark M&A-getriebenen Wachstumspläne von Aareon besser und schneller umsetzen ließen. Die IT-Tochter erwirtschaftete zuletzt eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent. Den Vorsteuergewinn von Aareon will CEO Merkens mittelfristig verdoppeln.

Allzu viel Zeit will die Bank offenbar nicht verstreichen lassen: Der Prozess solle „ergebnisoffen und zügig, aber mit der gebotenen Sorgfalt" durchgeführt werden. Dass der M&A-Markt inmitten der Coronavirus-Pandemie derzeit faktisch brach liegt, sieht das Management nicht als Problem an, sondern betont vielmehr, „dass die Aareal Bank Gruppe auch inmitten der Covid-19-Pandemie ihre strategischen Ziele konsequent weiterverfolgt“.

Aktivist Teleios pocht auf Komplettverkauf

Der Aareal-Vorstand war in den vergangenen Monaten immer wieder Forderungen nach einem Aareon-Verkauf von Aktionären – etwa dem aktivistischen Investor Teleios – entgegengetreten. Zuletzt zeigte sich CEO Merkens aber nicht mehr ganz so abgeneigt.

Teleios gefällt die Entscheidung, einen Minderheitsinvestor zu suchen, nun aber trotzdem nicht. Der Hedgefonds war im November 2019 bei dem Spezialfinanzierer eingestiegen und hält derzeit nach eigener Aussage 6,5 Prozent. Teleios hatte bereits in der Vergangenheit in einem offenen Brief vehement auf einen Komplettverkauf von Aareon gedrängt. 

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge fordert Teleios von dem Aareal-Management jetzt einen zweigleisigen Prozess sowohl für einen Mehrheits- als auch einen Minderheitsverkauf. Ein Komplettverkauf würde mehr Bieter auf den Plan rufen und könne „beträchtlich mehr Geld in die Kassen des Immobilienfinanzierers spülen“ argumentiert der Hedgefonds laut Reuters. 

M&A-Gerüchte geben Aareal-Aktie Auftrieb

Auch Petrus Advisers findet Trennung sinnvoll

Mit Petrus Advisors ist zudem ein weiterer Aktivist bei der Aareal Bank an Bord. Er dürfte mit der Ankündigung etwas zufriedener sein. Im Februar dieses Jahres sagte Petrus-Gründer Klaus Umek in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass er keine sofortige Abspaltung fordere. Die Aareal müsse nicht komplett aussteigen.

„Man könnte aber einen Partner an Bord holen, etwa aus dem Software-Bereich“, so Umek. Er machte in dem Bloomberg-Interview allerdings auch deutlich, dass ein Komplettverkauf von Aareon nicht endgültig vom Tisch ist. „Mittelfristig macht eine Trennung Sinn, schon weil der Software-Bereich sehr wahrscheinlich bald mehr Wert sein wird als die Bank“, so Umek im Februar.

Aareal-Aktie bricht in Coronakrise um 60 Prozent ein

Konglomerate werden am Kapitalmarkt von Investoren für gewöhnlich mit einem Abschlag versehen. Der Verkauf könnte nun den echten Wert der IT-Tochter aufdecken, so die Hoffnung der Investoren. Verschiedenen Medienberichten zufolge wird der Wert der IT-Tochter auf immerhin eine halbe Million bis 750 Millionen Euro geschätzt. CEO Hermann Merkens zufolge sei das Marktumfeld für Tech-Unternehmen wie die Aareon derzeit gut.

Der Aktienkurs der Aareal Bank geriet in der Coronakrise stark unter Druck. Er brach im Zuge des Corona-Schocks in der Spitze um fast 60 Prozent auf 12,50 Euro ein und erholte sich seitdem nur leicht. Nach Bekanntgabe des geplanten Aareon-Verkaufs legte der Kurs aber um knapp 10 Prozent auf 16,50 Euro zu – von Teleios Einstiegskurs ist die Aktie allerdings noch weit entfernt.