M&A-Deals, die die USA betreffen, können dank des berüchtigten Ausschusses CFIUS schnell zur Zitterpartie werden.

Lightstar59/Thinkstock/iStock/Getty Images

01.06.18
Deals

FINANCE-Ratgeber: So können Unternehmen CFIUS beschwichtigen

Der US-Ausschuss CFIUS hat bereits mehrere deutsche Milliardendeals zum Scheitern gebracht. Was M&A-Profis der Unberechenbarkeit des Dealkillers entgegenzusetzen haben und wie der Ausschuss tickt, zeigt der FINANCE-Ratgeber.

Aixtron, Infineon, Biotest – das sind nur drei von mehreren deutschen Konzernen, deren CFOs bereits unliebsame Erfahrungen mit dem Committee on Foreign Investments in the United States (CFIUS) gemacht haben. Der zwölfköpfige Ausschuss, zu dem verschiedene US-Behörden und Vertreter aus dem Weißen Haus gehören, hat sich den Ruf eines Dealkillers erarbeitet. Viele CFOs kritisieren besonders dessen unberechenbare Entscheidungsfindung.

CFIUS überprüft M&A-Deals, die eine potenzielle Gefahr für die Sicherheit der USA darstellen könnten. Senkt das Gremium seinen Daumen über einer Transaktion, ist diese in den meisten Fällen nicht mehr zu retten – so geschehen bei den deutschen Konzernen Aixtron und Infineon. Wie Unternehmen genau diesen Super-GAU im M&A-Prozess vermeiden können und wie sie am besten mit CFIUS umgehen, zeigt der FINANCE-Ratgeber.

CFIUS, die unberechenbare Blackbox

Der US-Ausschuss wird von Unternehmen und Finanzchefs häufig als Blackbox bezeichnet, da es CFIUS an Transparenz mangele. Oft wüssten betroffene Unternehmen nach eigener Aussage nicht, warum ihre Transaktion untersagt wurde, da CFIUS die vertraulichen Informationen für die Entscheidungsgrundlage unter Verschluss halte. CFIUS verweise lediglich auf „Classified Information“, um das Veto gegen die Transkation zu rechtfertigen.

Das macht die Arbeit mit dem Ausschuss kompliziert: „Im heutigen handelspolitischen Umfeld ist es zunehmend schwieriger geworden, mit CFIUS pragmatische Lösungen zu vereinbaren, die einerseits die zu schützenden nationalen Sicherheitsinteressen berücksichtigen und andererseits noch für den Investor wirtschaftlich vernünftig bleiben“, konstatiert Biotest-CFO Michael Ramroth.

Der auf die Produktion von Blutplasma spezialisierte Konzern aus dem hessischen Dreieich musste im Dezember 2017 um die 1,3-Milliarden-Euro schwere Übernahme durch den chinesischen Investor Creat bangen, als CFIUS die Transaktion vorerst untersagte. Dabei hatte Biotest offenbar auch mit der Willkür des US-Ausschusses zu kämpfen, der bis zuletzt eine konkrete Begründung für den Deal-Stopp schuldig blieb.

FINANCE-Köpfe

Dr. Michael Ramroth, Biotest AG

Von 1990 bis 1997 leitet Ramroth das Business Development der Metallgesellschaft. Die folgenden zwei Jahre ist er Vorstandsmitglied bei CeramTec. 1999 wechselt er als CFO zurück zu MG Technologies und leitet das Finanzressort bis 2003. Später wird er Vorstand für Unternehmensentwicklung.

Seit Februar 2004 ist Ramroth Vorstandsmitglied und CFO des hessischen Pharma- und Diagnostikunternehmens Biotest. Außerdem ist er Aufsichtsratsmitglied bei  der Corporate-Finance-Beratung @VISORY Partners. 

zum Profil

Es brauchte neun Nachbesserungsvorschläge von Biotest, damit die US-Amerikaner den Deal doch noch genehmigten – und selbst eine Einschaltung des deutschen US-Botschafters konnte nicht verhindern, dass dem hessischen Unternehmen weitreichende Zugeständnisse abgerungen wurden: Biotest musste sich von seinem gesamten US-Geschäft trennen, um den strategisch wichtigen Deal noch zu retten.

Informelle Vorabstimmung mit CFIUS treffen

Was können Unternehmen also tun, um von einer CFIUS-Intervention nicht überrascht zu werden? In jedem Fall sollten Firmen, die M&A-Aktivitäten in den USA planen, im Vorfeld genau prüfen, ob sie auf dem CFIUS-Radar auftauchen könnten. Zwar ist die Anmeldung einer Transaktion freiwillig („voluntary notice“), jedoch ist der Arm des CFIUS lang.

Der Ausschuss behält sich vor, zu jeder Zeit in einen Transaktionsprozess einzugreifen. Und auch nach Abschluss eines Deals kann CFIUS noch die Rückabwicklung einer Transaktion veranlassen, sollte er Verstöße oder eine Bedrohung der nationalen Sicherheit feststellen. Im Extremfall kann das CFIUS die Entscheidung bis zum US-Präsidenten eskalieren.

„Wir beobachten, dass der Ausschuss einer informellen Vorabstimmung nicht abgeneigt ist und auch mögliche Lösungswege bespricht.“

Tobias Grau, Partner bei CMS

Deshalb empfiehlt Tobias Grau, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS, sich im Vorfeld eines M&A-Deals informell abzustimmen, um mögliche Reibungspunkte mit CFIUS herauszufiltern und zu beseitigen. „Wir beobachten, dass der Ausschuss einer informellen Vorabstimmung nicht abgeneigt ist und auch mögliche Lösungswege bespricht“, merkt der M&A-Experte an.

Carve-outs besänftigen CFIUS

Eine frühzeitige Kontaktaufnahme ist jedoch keine Erfolgsgarantie: „Deshalb fahren Verkäufer von Unternehmen mit US-Bezug oftmals mehrgleisig und gliedern das US-Geschäft in einen operativ eigenständigen Bereich aus“, beobachtet M&A-Anwalt Grau. Das Kaufobjekt soll so für Investoren aller Regionen interessant bleiben und notfalls durch Carve-outs mögliche Diskussionen mit CFIUS vermieden werden.

Es scheint beinahe unumgänglich, die US-Komponente aus der Transaktion zu entfernen. Das musste auch Michael Ramroth feststellen: „Abschirmmaßnahmen wie das Ringfencing, also das „Abtrennen“ bestimmter Geschäftsteile vom Kerngeschäft, sind kaum noch mit CFIUS vereinbar. Es bleibt dann nur ein Carve-Out der amerikanischen Vermögenswerte vor der Übernahme, sodass CFIUS gar nicht mehr zuständig ist“, erklärt der Finanzvorstand.

CFIUS prüft vermeintlich unkritische Fälle

Für zuständig hält sich CFIUS häufiger als gedacht. Biotest habe im Vorfeld nicht damit gerechnet, überhaupt in das Fadenkreuz von CFIUS zu geraten, da man lediglich Blutplasma und damit ein für die nationale Sicherheit vermeintlich unkritisches Produkt produziere. Deshalb trafen die Auflagen des Ausschusses das hessische Unternehmen auch nahezu unvorbereitet.

Fälle wie dieser zeigen, dass selbst M&A-Deals, die auf den ersten Blick keine konkrete Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen, ein Fall für CFIUS sein können. Experten raten Unternehmen deshalb davon ab, auf die freiwillige Anzeige ihrer Transaktion bei CFIUS zu verzichten. Denn der Einsatz bei diesem Pokerspiel ist hoch und nichts Geringeres als der Vollzug der Transaktion.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Sie finden noch zahlreiche weitere Texte zu Themen wie Ratings, Cybercrime oder Hedging auf unserer Themenseite FINANCE-Ratgeber.

Sie wollen mehr über die Vita des Biotest-CFOs erfahren? Auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil erfahren Sie mehr über Michael Ramroth.