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M&A-Deals: Bayer, HP Pelzer, Armacell

Bayer übernimmt Conceptus und verkauft das Geschäft mit Polyesterharzen.
Bayer AG

Bayer übernimmt Conceptus, verkauft Polyesterharze

Gleich zwei M&A-Deals hatte der Konzern Bayer in dieser Woche zu vermelden. Im Markt mit Verhütungsmitteln gab es einen strategischen Zukauf: Das Unternehmen will den US-Verhütungsmittelhersteller Conceptus (Umsatz 2012 etwa 110 Mio. Euro) übernehmen. Bayer bietet den Conceptus-Aktionären die Übernahme sämtlicher Anteile für 31 US-Dollar pro Aktie in bar an, damit hat der M&A-Deal ein Gesamtvolumen von 1,1 Mrd. Dollar (rund 852 Mio. Euro). Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden, der Leverkusener Konzern erwartet Mitte 2013 grünes Licht für den Vollzug. Mit dem M&A-Deal möchte Bayer seine Produktpalette im Verhütungsmittelbereich erweitern. Bayer hatte zuletzt im November mit einer Übernahme des US-Unternehmens Schiff Nutrition geliebäugelt, war dann aber vom britischen Konkurrenten Reckitt Benckiser auf der Zielgeraden überboten worden. Unterdessen möchte Bayer Material Science das Polyester-Pulverharz-Geschäft sowie das in den USA angesiedelte Geschäft mit flüssigen Polyester-Harzen an die Stepan Company in Illinois verkaufen. Der M&A-Deal soll bis zum 1. Juni 2013 abgeschlossen sein, über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart. Das Geschäft gehört nicht mehr zum Kerngeschäft. Bayer wird jedoch den Handelsnamen Desmophen behalten.

Adler Plastic übernimmt HP Pelzer vollständig

Das italienische Unternehmen Adler Plastic hat den Automobilzulieferer HP Pelzer in dieser Woche ganz übernommen. Der strategische Investor hat die verbliebenen 48 Prozent der Anteile von den drei ehemaligen Management-Gesellschaftern Klaus Schumann, Frank Sandfort und Luca Warnke übernommen. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt. Die damaligen Geschäftsführer und Adler haben das Unternehmen 2009/2010 im Rahmen eines MBO/MBI-Prozesses von einer Investorengruppe um Goldman Sachs übernommen. HP Pelzer hatte zuvor eine Landesbürgschaft in Anspruch genommen. Nach Angaben der jetzigen Verkäufer ist der Umsatz der Gruppe seit der Übernahme durch Goldman Sachs von 470 auf mehr als 800 Mio. Euro gewachsen. Die drei ehemaligen Gesellschafter aus dem Management halten über die SSW Industries noch zwei Beteiligungen im Automobilzuliefersegment.

Investcorp verkauft Armacell an Charterhouse

Der PE-Investor Investcorp hat den deutschen Dämmstoffproduzenten Armacell im Rahmen eines Secondary Buy-outs an Charterhouse verkauft. Der M&A-Deal hat ein Volumen von mehr als 500 Mio. Euro. Investcorp hatte Armacell 2007 von den Beteiligungsgesellschaften Gilde und CVC Capital Partnersfür 400 Mio. Euro übernommen und den Umsatz nach eigenen Angaben in dieser Zeit um 30 Prozent auf 430 Mio. Euro gesteigert. Investcorp wurde bei dem M&A-Deal von Barclays beraten. Weil, Gotshal & Manges hat Charterhouse bei dem M&A-Deal mit einem Team unter Federführung der Frankfurter Corporate-Partner Gerhard Schmidt und Christian Tappeiner beraten.

Rückschlag für PE-Investor Hg Capital bei Schleich-Verkauf

Der PE-Investor Hg Capital ist mit dem Verkauf des Spielfigurenherstellers Schleich gescheitert, wie FINANCE exklusiv erfahren hat. Der PE-Investor soll zu hohe Preisvorstellungen gehabt haben, zudem war das Interesse der Banken an dem M&A-Deal gering, wie aus dem Umfeld der Transaktion zu erfahren war. Hg Capital habe für das Unternehmen keine Wachstumsstory präsentieren können. Der PE-Investor hat das Unternehmen mittlerweile seit mehr als sechs Jahren im Portfolio. Bereits 2006 hatte Hg Capital den Spielzeugproduzenten für rund 200 Mio. Euro übernommen.

PE-Investor Permira reduziert Anteil an Hugo Boss

Die Red & Black Holding, eine Gesellschaft im Mehrheitsbesitz des PE-Investors Permira, platziert 7 Mio. Stammaktien des Modekonzerns Hugo Boss im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens. Das entspricht rund 10 Prozent des Grundkapitals. Der Streubesitz von Hugo Boss erhöht sich dadurch auf 42 Prozent. Permira war 2007 bei Hugo Boss eingestiegen und hatte seine Anteile zuletzt Ende 2011 reduziert. Die Permira-Gesellschaft Red & Black hält zurzeit noch insgesamt rund 66 Prozent an Hugo Boss und ist damit größter Einzelaktionär. Für die nach einem Verkauf verbleibenden 56 Prozent der Anteile hat Red & Black sich zu einer sechsmonatigen Haltefrist verpflichtet.

Qiagen übernimmt Ingenuity

Das Biotechunternehmen Qiagen hat das US-amerikanische Softwareunternehmen Ingenuity Systems für 105 Millionen US-Dollar übernommen. Das kalifornische Unternehmen erzielte nach Qiagen-Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 20 Millionen US-Dollar, im laufenden Geschäftsjahr erwartet Qiagen durch den Zukauf zusätzliche Umsätze von 15 Millionen Dollar.

Management-Buy-Out bei Balda in Malaysia

Der Kunststoffteilehersteller Balda hat sein Werk im Malaysia losgeschlagen. Sämtliche Anteile an der dortigen Tochtergesellschaft Balda Solutions Malaysia (BSM) am Standort Ipoh seien im Rahmen eines Management-Buy-Outs von Blue Ocean Genius übernommen worden. Der Käufer gehört mehrheitlich James Lin, dem bisherigen Geschäftsführer von BSM. Für BSM sei lediglich ein symbolischer Preis gezahlt worden, heißt es bei Balda. Das deutsche Unternehmen muss aufgrund des M&A-Deals einen Verlust von 7 Millionen Euro hinnehmen, der allerdings nicht zu zahlungswirksamen Ergebniseffekten führen soll. Anfang des Jahres hatte Balda sich mit zwei Zukäufen in den USA im Healthcare-Bereich verstärkt.

Lekkerland will Osteuropageschäft losschlagen

Der Convenience-Händler Lekkerland will sich von seinem Geschäft in Osteuropa trennen. Das Unternehmen, das in diesen Tagen auch einen Wechsel auf dem CFO-Posten von Michael Gerlif zu Edgar Lange bewerkstelligt, will sich im Rahmen einer neuen Strategie auf das Kerngeschäft mit dem Großhandel von Produkten für die Unterwegsversorgung konzentrieren. Lekkerland hatte vor wenigen Wochen erst einen Großhändler in Spanien übernommen. In den Landesgesellschaften in Osteuropa lasse sich das Kerngeschäft aufgrund struktureller Gegebenheiten langfristig nicht erfolgreich umsetzen, teilte das Unternehmen mit. Die Landesgesellschaften in Rumänien wurden bereits geschlossen, die Aktivitäten in Tschechien und Polenstehen zum Verkauf. Zuletzt lieferte das Segment Osteuropa negative Ergebnisbeiträge. Lekkerland erzielte im Geschäftsjahr 2012 ein Ergebnis nach Steuern von 80,3 Mio. Euro (Vorjahr 50,8 Mio. Euro). Der Gewinn ist auf das gute Ergebnis in Deutschland zurückzuführen, das vom Sondereffekt aus dem Verkauf der Tochtergesellschaft Convenience Concept im vergangenen Jahr profitierte.

M&A-News: Personalie

Der M&A-Anwalt David Walker verstärkt künftig das Corporate Department im Londoner Büro von Latham & Watkins. Walker berät im Schwerpunkt PE-Investoren bei Fundraisings, M&A-Deals und gesellschaftsrechtlichen Fragen. Er wechselt von Clifford Chance in London, wo er seit 2000 Partner war.

Die Kanzlei Gibson, Dunn & Crutcher nimmt Lutz Englisch als Partner im Bereich Corporate/M&A im Münchener Büro auf. Englisch war zuletzt Praxisgruppenleiter der deutschen Corporate Praxis von Ashurst. Vor seinem Wechsel zu der Kanzlei 2007 leitete er die Corporate Legal M&A Group beim Münchener Konzern Siemens.

Weitere M&A-Deals der Woche

Die Steilmann-Gruppe darf an den Adler Modemärktenwie geplant insgesamt 49,96 Prozent übernehmen. Das Bundeskartellamt habe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gesehen und daher den M&A-Deal nun genehmigt, teilte ein Sprecher mit.

Bertelsmann hat Details zum Verkauf seines RTL-Aktienpakets festgelegt: Der Konzern will die Anteile für 55,50 Euro pro Stück verkaufen und bewegt sich damit am unteren Ende der ursprünglich angepeilten Preisspanne. Das Angebot umfasst 25,5 Millionen Aktien und könnte Bertelsmann damit einen Bruttoerlös von 1,4 Milliarden Euro einbringen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat gemeinsam mit seinem Gesellschafterstamm den Automobilzulieferer Allgaier Werke (Umsatz 2012 ca. 340 Mio. Euro) vollständig übernommen. Er war zuvor bereits mit 50 Prozent an der Unternehmensgruppe beteiligt, nun hat er die verbleibenden Anteile von Ulrike Allgaier-Wagner gekauft. Gleichzeitig stellte Hundt dem Unternehmen 5,5 Mio. Euro für eine Kapitalerhöhung zur Verfügung.

Die Stadt Offenbach hat das Angebot der Sana Kliniken zum Kauf von 90 Prozent der Anteile am Klinikum Offenbach für einen symbolischen Euro angenommen. Die Transaktion gilt als eine der größten Krankenhausprivatsierungen der vergangenen Jahre. Die Klinik musste im November 2012 nur knapp der Insolvenz und ist defizitär. Die Altschulden in dreistelliger Millionenhöhe muss die Stadt tragen. Die Luther Rechtsanwaltsgesellschaft hat die Stadt Offenbach beraten, in wirtschaftlichen Fragen wurde sie unterstützt von SynCap Management.

Auch für die im März angekündigte Übernahme der regionalen Supermarktkette Wasgau durch den Rewe-Konzern hat das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben. Rewe hatte 51 Prozent der Anteile an Wasgau von der Unternehmerfamilie Hornbach und der Hornbach-Stiftung gekauft.

Allianz Real Estate hat das Bürohaus Skyper an der Frankfurter Taunusanlage von einem Fonds der UBS übernommen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 300 Mio. Euro. Im Allianz-Immobilienportfolio ist Skyper das erste Hochhaus in Frankfurt. Der Käufer wurde von CBRE und Berwin Leighton Paisner beraten, der Verkäufer von Jones Lang LaSalle und Clifford Chance (Federführung Partner Jörn Stobbe).

Die Deutsche Wohnen hat für rund 369 Mio. Euro ein Immobilienportfolio mit 6.900 Wohneinheiten in Berlin von Blackstone übernommen. Die Transaktion hat eine Barkomponente über 260 Mio. Euro und eine Aktienkomponente, so dass Blackstone nach Abschluss des M&A-Deals etwa 5 Prozent an der Deutschen Wohnen halten wird. Der M&A-Deal soll nach einer Kapitalerhöhung und der kartellbehördlichen Zustimmung in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.

Die US-amerikanische Ranir-Gruppe übernimmt den Zahnbürstenproduzenten Frisetta. Frisetta hatte im Dezember Insolvenzantrag gestellt, als vorläufigen Insolvenzverwalter hatte das Gericht den Freiburger Anwalt Thilo Braun bestellt.

Funkwerk hat die bayerische Tochter Microsyst Systemelectronic im Wege eines Management Buy-outs an den bisherigen Prokuristen der Gesellschaft verkauft. Die externen Finanzierungsgeber von Funkwerk müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Das Unternehmen soll rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres übertragen werden, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. CMS Hasche Sigle (Lead Partner Eckhart Braun) hat Funkwerk beraten. Funkwerk treibt seit einiger Zeit seine Restrukturierung über Verkäufe voran.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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