Der börsennotierte Finanzdienstleister Hypoport bezeichnet seine Übernahme von REM Capital als „Initialzündung für den Ausbau des Corporate-Finance-Geschäfts“.

Hypoport

05.07.19
Deals

M&A-Deals: Hypoport, Bayer, Osram

Der Finanzdienstleister Hypoport kauft REM Capital, Bayer steigt bei dem US-Krebsspezialisten Century Therapeutics ein, und Bain und Carlyle haben ein Angebot für Osram abgegeben – diese und weitere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Hypoport übernimmt REM Capital

Die börsennotierte Finanzdienstleistungsholding Hypoport ergänzt ihr noch junges Geschäftsfeld Corporate Finance mit der Übernahme von REM Capital. Die Stuttgarter beraten insbesondere Mittelständler bei der Erschließung von Fördermitteln. „Die Übernahme von REM Capital ist für uns die Initialzündung für den weiteren Ausbau des Corporate-Finance-Geschäfts“, erklärte Hypoport-CEO Ronald Slabke die Motivation für den Zukauf. REM-Capital-Gründer Karsten Helber hofft, dass „die Kapitalstärke von Hypoport uns die Möglichkeit gibt, unser Geschäftsmodell weiter zu skalieren.“

Helber sowie der zweite REM-Capital-Gründer Dominic D’Andreamatteo sollen auch nach der Übernahme Vorstände von REM Capital bleiben. Als dritten Vorstand entsendet Hypoport den bisherigen Corporate-Finance-Chef der Tochter Dr. Klein, Jan Bewarder. Für 2020 erwartet Hypoport, mit dem um REM Capital vergrößerten Corporate-Finance-Geschäft Umsätze von mehr als 10 Millionen Euro zu erwirtschaften. Zum Kaufpreis für REM Capital macht Hypoport keine Angaben.

Bayer steigt bei US-Biotechfirma ein

Der Pharmakonzern Bayer investiert 215 Millionen US-Dollar in den US-Krebsspezialisten Century Therapeutics: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bekommt er dafür einen nicht näher erläuterten Minderheitsanteil und die Investitionsrechte an vier Forschungsmodellen, die sich noch in der präklinischen Entwicklung befinden.

Gegründet wurde Century Therapeutics im vergangenen Jahr von der Investmentgesellschaft Versant Ventures und der Fujifilm-Tochter Cellular Dynamics, die der aktuellen Finanzierungsrunde zusammen 35 Millionen Euro beisteuerten.

Private-Equity-Investoren legen Offerte für Osram vor

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle haben Osram ein verbindliches Übernahmeangebot unterbreitet: Wie der MDax-Konzern bestätigte, bieten die Investoren 35 Euro je Aktie. Inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen wird der Konzern mit 4 Milliarden Euro bewertet. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 70 Prozent. Damit könnte der Osram-Deal einer der größten Public-to-Private-Transaktionen in Deutschland werden. Der gebotene Preis entspricht basierend auf dem prognostizierten bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen des laufenden Geschäftsjahrs in Höhe von 314 Millionen Euro einem Ebitda-Multiple von 12,5-13x.

Zudem haben die Finanzinvestoren und Osram dem „Handelsblatt“ zufolge auch schon eine Investorenvereinbarung ausgehandelt, die Garantien für Standorte und Mitarbeiter enthalten soll. Auch hätten Bain und Carlyle zugesichert, den Konzern nicht zerschlagen zu wollen. Bei der Transaktion agierte die Schweizer Großbank Credit Suisse als Lead Financial Advisor. Osram wurde von den US-Investmentbanken Perella Weinberg und Lazard sowie von den Kanzleien Hengeler Mueller und Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. Die beiden Finanzinvestoren wurden rechtlich von Kirkland & Ellis (Federführung: Benjamin Leyendecker und Jörg Kirchner) sowie nach Angaben der FAZ zusätzlich von Goldman Sachs, JP Morgan sowie Macquarie beraten.

X+bricks und SCP grätschen in Metros Real-Verkauf

Die beiden Investoren X+bricks und SCP haben ein neues, erhöhtes Angebot für Real angegeben: Sie bieten der Mutter Metro jetzt „deutlich“ mehr als 500 Millionen Euro für ihre kriselnde Supermarkt-Tochter. Welchen genauen Betrag die Investoren für Real bieten, gaben sie jedoch nicht bekannt. Für ihr Angebot wollen sie allerdings sowohl das operative Geschäft als auch die Immobilien der Supermarktkette übernehmen.

Mit ihrem Angebot treffen die Investoren einen wunden Punkt: Erst vor wenigen Wochen hatte der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky ein Übernahmeangebot für die Real-Mutter Metro abgegeben. Metro befindet sich ebenfalls erst seit Kurzem in ursprünglich exklusiven Real-Verkaufsverhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos. Kretinsky sieht den Deal mit Redos kritisch, hält den Verkaufspreis für zu niedrig. Doch auch das Metro-Management ist von Kretinskys Offerte für Metro wenig angetan: Es hält die Bewertung des Tschechen mit 5,8 Milliarden Euro für „erheblich unterbewertet“.

Management-Buy-out bei Schaeffler-Werk

Schaeffler treibt den Umbau seiner Autozuliefersparte voran: Der Auto- und Industriezulieferer hat sein Werk in Hamm (Sieg) im Rahmen eines Management-Buy-outs an das Management der Schaeffler Friction Products verkauft. Wie die Herzogenauracher mitteilten, werde das Management mit sofortiger Wirkung der neue Eigentümer des Werks. Die Parteien vereinbarten Stillschweigen über den Kaufpreis. Alle 110 Arbeitsplätze am Standort sollen erhalten bleiben, die neue Gesellschaft heißt künftig Inno Friction.

Berater-News

Die M&A-Beratung Lincoln hat sich einen neuen Director ins Boot geholt: Felix Prinzenberg verstärkt seit dem 1. Juli das Frankfurter Büro und soll das weitere Wachstum von Lincolns Healthcare-Gruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorantreiben. Prinzenberg kam von Ernst & Young zu Lincoln. Davor arbeitete er sieben Jahre in der zentralen M&A-Abteilung von Siemens.

Thorsten Zwiener ist neuer Partner bei BDO: Bei dem WP- und Beratungshaus ist der 48-Jährige künftig für den Bereich Corporate Finance und Transaction Advisory Services tätig. Der ehemalige CFO des Automobilherstellers Borgward soll bei dem Next-Ten-Haus seine internationale Erfahrung sowie seine M&A-Kenntnis in den Branchen Automotive, Maschinenbau, Diversified Industries, Natural Resources & Energy sowie Healthcare & Pharma im Frankfurter Büro einbringen.

Der M&A-Chef der Berenberg Bank wechselt zu MCF Corporate Finance: Spätestens zum Jahreswechsel wird Christoph Bregulla Partner bei der M&A-Beratung. Bei der Privatbank hat Bregulla – zuletzt als Leiter M&A-Advisory – unter anderem die Übernahme von Swisslog durch Kuka und den Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz bei dem Softwareunternehmen Corporate Planning begleitet. Bei MCF wil Bregulla „internationaler und unternehmerischer“ arbeiten.

Weitere Meldungen

Paragon Partners kauft Duo Plast: VR Equitypartners verkauft gemeinsam mit dem Co-Investor Süd Beteiligungen (SüdBG) den den Mehrheitsanteil am Lauterbacher Folienhersteller an den Private-Equity-Investor Paragon. Die beiden Investoren VR und SüdBG waren vor sechs Jahren mehrheitlich bei Duo Plast im Zuge einer Nachfolgelösung eingestiegen. Weitere Details zur Transaktion, wie in etwa die genaue Höhe der Mehrheitsbeteiligung, gaben die Unternehmen nicht bekannt. Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörden. VR wurde bei der Transaktion von der Investmentbank William Blair International (M&A), PwC (Financial, Tax, Commercial), McDermott Will & Emery (Legal) sowie von der Nachhaltigkeitsberatung ERM (Environmental) beraten.

ThyssenKrupp baut sein Aufzug-Geschäft in den USA um: Hierfür übernimmt der Industrie- und Stahlkonzern die Firma O’Keefe Elevator mit Sitz in Omaha, Nebraska. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die beiden Unternehmen führen bereits seit 1947 eine Vertriebspartnerschaft in Nebraska und Iowa. Die Aufzugssparte von ThyssenKrupp wird derzeit als Kandidat für einen Börsengang gehandelt.

Der Energiekonzern E.on kauft über seine Bioerdgas-Tochter das Bioerdgas-Geschäft seines Wettbewerbers Wingas. Das gaben die Essener am Montag bekannt. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Wingas trenne sich von der Sparte, um sich künftig auf das Kerngeschäft, den Verkauf von konventionellem Erdgas, zu konzentrieren. Dieser Schritt solle zudem der weiteren Integration in den Gazprom-Konzern, der hinter Wingas steht, dienen.

Die Schweizer Konsumkreditbank Cembra Money Bank übernimmt den Konkurrenten Cashgate von Aduno. Für den Konsumkreditanbieter legen die Schweizer 277 Millionen Franken (rund 249 Millionen Euro) auf den Tisch. Die Transaktion soll im dritten Quartal dieses Jahres vollzogen werden. Cembra erwartet aus der Übernahme Synergien, die ab 2021 jährlich zu einem um 25 bis 30 Millionen Schweizer Franken höheren Reingewinn führen sollen.

Der Softwareanbieter RIB Software sichert sich 70 Prozent der Anteile an der südafrikanischen Construction Computer Software (CCS), einem Anbieter von Softwarelösungen für die Bau- und Ingenieurbranche. Wie die Stuttgarter bekanntgaben, beträgt der Kaufpreis 31,5 Millionen US-Dollar (rund 28 Millionen Euro), was einem Ebitda-Multiple von 8,5x entspricht. Das Johannisburger Unternehmen wurde 1982 gegründet, beschäftigt 160 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 13,6 Millionen US-Dollar.

Das kanadische Immobilienberatungsunternehmen Avison Young übernimmt nach eigenen Angaben den Hamburger Makler Völckers & Cie. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Völckers & Cie wird künftig unter der Marke Avison Young firmieren. Gründer Jochen Völkers wird die gemeinsame Hamburger Niederlassung leiten.

Der Tüv-Süd-Konzern verkauft alle Anteile an dem Wiener IT-Dienstleister Signon an die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner. Das Signon-Management bleibt „signifikant beteiligt.“ Die Transaktion soll im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörden. Über weitere Details vereinbarten die Unternehmen Stillschweigen. VR Equitypartner wurde von Civity Management Consultants (Commercial Due Diligence), FAS (Financial Due Diligence), ICON Wirtschaftstreuhand (Tax Due Diligence), Willis Towers Watson (Insurance Due Diligence) sowie rechtlich von Heuking Kühn Lüer Wojtek und Dorda beraten.

Der Softwareanbieter Beta Systems kauft über seine Tochtergesellschaft Proxess die Habel/Akzentum-Gruppe. Verkäufer des Weilheimer Dokumentenmanagers ist der der Private-Equity-Investor Elvaston, der die Habel-Gruppe 2016 erworben und 2018 um Akzentum erweitert hatte. Der Kaufpreis für die nunmehr 85-prozentige Beteiligung beträgt über 10 Millionen Euro. Bei der Transaktion wurde Beta Systems von Oppenhoff & Partner (Federführung: Markus Rasner) beraten.

Der deutsche Softwarehersteller Nemetschek verkauft seine 22,4-prozentige Beteiligung an dem Dokumenten-Manager Docuware. Käufer ist der japanische Technologiekonzern Ricoh, der neben Nemetscheck auch die Docuware-Gründer und namentlich nicht genannte Finanzinvestoren ausbezahlt hat. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky hat über sein Investmentvehikel EPH das Frankreich-Geschäft von Uniper erworben. Wie Uniper mitteilte, ist der Vertrag bereits unterzeichnet und die notwendigen Freigaben für die Transaktion liegen vor. Wie viel Kretinsky für den Uniper-Geschäftsteil bezahlt, ist nicht bekannt.

Der Verkehrssicherungsdienstleister AVS erwirbt das Bauunternehmen Lorenz. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Lorenz hat seinen Sitz in Wittstock und beschäftigt über 30 Mitarbeiter. AVS, hinter dem der Private-Equity-Investor Triton steht, wurde bei dem Kauf von der Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Jörn-Christian Schulze) unterstützt.

Nächstes Add-on von Waterland: Der Private-Equity-Investor kauft für sein Portfoliounternehmen Coeo Inkasso die österreichische KNP Financial Services. Verkäufer sind die beiden KNP-Gründer und Geschäftsführer Anton Moser und Wolfgang Hetlinger, die nach dem Verkauf im Management bleiben werden. Mit diesem Zukauf steigt der Forderungsmanagement-Dienstleister Coeo in den österreichischen Markt ein. Details der Transaktion, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörden steht, sind nicht bekannt. Waterland beteiligte sich im Februar 2018 mehrheitlich an Coeo.

Qixxit geht an die schweizerische Im-Gruppe: Deutsche Bahn Digital Ventures verkauft die Reiseplattform an den Online-Anbieter für Reisen und Freizeit, der unter anderem Portale wie Lastminute.com betreibt. Die Im-Gruppe wurde bei dem Deal von Linklaters (Federführung: Florian Harder und Korel Kaplan) beraten.

Die Serafin Unternehmensgruppe übernimmt die RCR Industrial Flooring. Der spanische Industriebodenanbieter erwartet im laufenden Geschäftsjahr 2019 Umsatzerlöse in Höhe von 170 Millionen Euro. Nach der abgeschlossenen Akquisition von RCR erwarten die Münchener einen Gruppenumsatz von 800 Millionen Euro. Transaktionsdetails nannten die Unternehmen nicht, der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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