Nach anfänglichem Widerstand des USG-Managements übernimmt Knauf den US-Konkurrenten in einem Milliarden-Deal.

Knauf

15.06.18
Deals

M&A-Deals: Knauf, FMC, Linde

Knauf übernimmt im Zuge eines Milliarden-Deals den US-Konkurrenten USG, Fresenius Medical Care sichert sich fast ein Fünftel an Humacyte und ein japanischer Investor könnte für gut 3 Milliarden Euro Teile von Linde und Praxair übernehmen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Knauf übernimmt USG für 7 Milliarden Dollar

Der unterfränkische Baustoffkonzern Knauf hat die milliardenschwere Übernahme des Gipsherstellers USG abgeschlossen und den US-Konzern für rund 7 Milliarden US-Dollar (umgerechnet knapp 6 Milliarden Euro) gekauft. Knauf zahlt den USG-Aktionären 43,50 je Aktie plus eine Sonderdividende über 50 Cent, wie die Unternehmen in einer gemeinsamen Stellungnahme mitteilten. Der Abschluss der Transaktion ist für Anfang 2019 geplant. Knauf wird bei dem Deal von Morgan Stanley, Baker McKenzie (Federführung: Craig A. Roeder, Oliver Socher und Kathrin Marchant) und Freshfields beraten. USG wird von JP Morgan, Goldman Sachs sowie Jones Day unterstützt.

Seit 2000 hält Knauf etwas mehr als 10 Prozent der USG-Anteile. Im März dieses Jahres wurden die Übernahmepläne des Familienunternehmens bekannt. Ursprünglich wollte Knauf nur 5,9 Milliarden Dollar für den US-Konkurrenten zahlen. Der mit 30,8 Prozent größte USG-Anteilseigner, die Investmentfirma Berkshire Hathaway von Warren Buffett, hatte sich zuletzt für die Offerte ausgesprochen

Fresenius Medical Care steigt bei Humacyte ein

Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) beteiligt sich an der US-Medizinfirma Humacyte. Insgesamt sichert sich FMC einen Anteil von 19 Prozent. Der Kaufpreis für die Beteiligung beläuft sich auf 150 Millionen Dollar (rund 127,5 Millionen Euro).

Durch den Kauf sichert sich der Dialysekonzern die weltweiten Vermarktungsrechte an einem Produkt von Humacyte, das auf Basis menschlichen Gewebes biotechnologisch hergestellt wird. Die Transaktion soll im Juli 2018 abgeschlossen werden.

Linde und Praxair verkaufen offenbar Geschäftsteile

Kurz vor der geplanten Fusion der beiden Industriegasehersteller Linde und Praxair wollen die Unternehmen offenbar Geschäftsteile an strategische Investoren verkaufen. Bei dem Käufer soll es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur „Reuters“ um den japanischen Konzern Taiyo Nippon Sanso handeln. Demnach sollen die Japaner mehr als 4 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 3,4 Milliarden Euro) für die Geschäftsteile geboten haben. 

Ein Verkauf von Geschäftsteilen von Linde und Praxair käme nicht überraschend. Die beiden Wettbewerber gehen davon aus, dass sie sich von großen Teilen ihres Geschäfts trennen müssen, um die Freigabe der Kartellbehörden zu erhalten. Den „Reuters“-Informationen zufolge zählen auch der Finanzinvestor CVC Capital und die hessische Gasfirma Messer zu den potenziellen Käufern der Linde-Sparte. Die Finanzinvestoren Carlyle, Onex und Blackstone kämen demnach für die US-Geschäfte infrage. 

René Benko kauft Steinhoff-Tochter Kika/Leiner

Der Immobilieninvestor und Karstadt-Eigentümer, René Benko, übernimmt die angeschlagene österreichische Möbelhauskette Kika/Leiner. Bei dem Verkäufer handelt es sich um den ebenfalls kriselnden Mutterkonzern Steinhoff. Offiziell wurden keine Angaben zu den Transaktionsdetails gemacht. Jedoch ist in übereinstimmenden Medienberichten von einem Kaufpreis von rund 500 Millionen Euro die Rede. 

Das Geld kann Steinhoff gut gebrauchen. Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern musste sich in den vergangenen Monaten bereits von zwei weiteren seiner Beteiligungen trennen, um sein eigenes Überleben zu sichern. So trennte sich Steinhoff im Januar von seiner Beteiligung an der PSG-Gruppe. Im April folgte dann der Verkauf der Poco-Anteile.

Weitere Meldungen

Das Landesparlament in Hamburg hat dem Verkauf der krisengebeutelten HSH Nordbank an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers grünes Licht gegeben. Vergangenen Mittwoch stimmte die Mehrheit des Parlaments für die Privatisierung des Instituts. Der schleswig-holsteinische Landtag stimmte dem Deal bereits Ende April zu. Nun fehlt noch die Genehmigung der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission. Vergangene Woche hatten sich bereits verschiedene Ausschüsse des Hamburger Parlaments für den Verkauf der HSH Nordbank ausgesprochen.

Der im TecDax gelistete schwäbisch-englische Chiphersteller Dialog Semiconductor plant offenbar eine Fusion mit dem US-amerikanischen Technologieunternehmen Synaptics. Die Gespräche befänden sich aber noch in einem frühen Stadium, berichtete die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. An der Börse ist Dialog derzeit 1,15 Milliarden Euro wert, Synaptics 1,36 Milliarden Euro.

Die Beteiligungsgesellschaft Advent International hat die Deutsche Fachpflege Gruppe, einen deutschen Anbieter für außerklinische Intensivpflege, von dem PE-Investor Chequers Capital übernommen. Advent hatte in der Vergangenheit eigenen Angaben zufolge bereits in knapp 40 Unternehmen der Gesundheitsbranche investiert. Zur Deutschen Fachpflege Gruppe zählen derzeit 18 ambulante Pflegedienste. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmungen. Die Anwaltskanzlei Freshfields berät Advent bei der Transaktion. Die Anwaltskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Burc Hesse) unterstützt Chequers. Die Kanzlei P+P Pöllath + Partners hat das Management der Deutschen Fachpflege Gruppe beraten.

Die EU-Kommission hat den milliardenschweren Verkauf Unipers an den finnischen Energieversorger Fortum offenbar genehmigt. Die Wettbewerbshüter stünden davor, den Kauf ohne Auflagen zu genehmigen, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“. Offiziell will die Kommission bis zum 15. Juni über den Deal entscheiden. Die Finnen wollen für 3,76 Milliarden Euro 46,65 Prozent der Uniper-Aktien von E.on übernehmen. Neben der Erlaubnis der EU-Kommission steht unter anderem noch die Kartellgenehmigung aus Russland aus.

Der Finanzinvestor Equistone hat den Maschinenanlagenbauer Karl Eugen Fischer an die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) verkauft. Equistone hatte Karl Eugen Fischer im August 2013 erworben. Der Mittelstandsinvestor wurde bei der Transaktion von Ashurst, PwC und EY beraten. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Die DBAG wurde von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Eicke Bicker) unterstützt. Equistone wurde von der Kanzeli Ashurst beraten (Federführung: Benedikt von Schorlemer) beraten.

S&E Kapital, ein Joint Venture des Textilunternehmens Steilmann und des Finanzinvestors Excalibur, plant den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an dem Modehaus Adler Modemärkte. Eigenen Angaben zufolge will S&E seine komplette 52,8-Prozent-Beteiligung bei einem neuen, langfristig orientierten Investor platzieren. S&E wird bei der Transaktion von Rothschild & Co und Hengeler Mueller beraten.

Die Private-Equity-Gesellschaft Andlinger & Company verkauft den Gasfedernproduzenten Suspa. Bei dem Käufer handelt es sich um den privaten Investmentarm des belgischen Unternehmers Pascal Vanhalst. Die Transaktion soll bis Ende Juni abgeschlossen werden. Bis dahin wird mit der Freigabe der Kartellbehörden gerechnet. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die M&A-Beratung Alantra hat Andlinger & Company beim Verkauf unterstützt. Für Suspa war die Kanzlei Shearman & Sterling (Federführung: Alfred Kossmann) beratend tätig.

Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger hat sich eigenen Angaben zufolge von sämtlichen unprofitablen Randaktivitäten getrennt. Insgesamt habe das Mannheimer Unternehmen 13 Firmen verkauft, die aktuell Verluste einfahren würden. Zusätzlich habe sich Bilfinger auch von fünf weiteren Firmen getrennt, die zwar ertragreich waren, jedoch nicht mehr zur Strategie von Bilfinger passen würden.

Das IT-Unternehmen Allgeier hat den US-Softwarekonzern Objectiva Software Solutions übernommen. Der Kaufpreis beläuft sich im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Allgeier will mit dem M&A-Deal seine Internationalisierung vorantreiben und verfügt durch den Zukauf laut eigenen Angaben über Zugänge zum US-amerikanischen sowie dem chinesischen Markt. Objectiva Software Solutions erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 24 Millionen Dollar (rund 20,4 Millionen Euro). Allgeier wurde bei der Transaktion von der M&A-Beratung Rautenberg & Company unterstützt.

Die Buy & Build-Plattform Lavatio der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Ufenau Capital übernimmt die Mehrheit an dem Hotel-Mietwäsche-Service Kruppert. Die M&A-Beratung IMAP (Federführung: Torsten Denker, Simon Borst und Tim Buttelmann) hat Kruppert bei der Transaktion beraten. Juristisch wurde das Familienunternehmen mit 115 Mitarbeitern von der Frankfurter Kanzlei Möller Theobald Jung Zenger (Federführung: Oliver Lorenz) unterstützt.

Das Bregal Unternehmerkapital ist bei der Medizinfirma Murnauer Markenvertrieb eingestiegen. Bregal ist Teil des Beteiligungsgeschäfts der Cofra Holding, hinter der die C&A Gründerfamilie Brenninkmeijer steht. Verkäufer der Anteile ist die Kölner Fette Pharma AG, die auch weiterhin am Unternehmen beteiligt bleibt. Murnauer Markenvertrieb gehört seit 2012 zur Fette Pharma Group. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Das Mainzer Medienhaus VRM hat sich an dem Verlagshaus Wetzlardruck beteiligt. Die Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Detlef Bauer) hat VRM bei der Transaktion beraten. Über die Höhe der Beteiligung und den Kaufpreis sind keine Details bekannt.

Die EU-Kommission überprüft die geplante Übernahme der niederländischen Tele 2 durch die Telekom. Es gebe Bedenken seitens der Behörde, dass der geplante Zusammenschluss der beiden Telekommunikationskonzerne zu höheren Preisen für die Verbraucher führen könne. Bis zum 17. Oktober will Brüssel eine Entscheidung treffen, heißt es in einer Mitteilung der Kommission. Die Telekom-Tochter T-Mobile NL will die niederländische Tele 2 für 190 Millionen Euro übernehmen.

Die im TecDax gelistete Software AG hat die Analyseplattform Trendminer übernommen. Nach dem Erwerb der KI-Unternehmen Cumulocity IoT und Zementis in den vergangenen beiden Jahren treibt die Software AG durch den Zukauf ihr Produktportfolio im Bereich Internet of Things weiter voran. Das 2008 gegründete Softwareunternehmen Trendminer verfügt neben dem Hauptsitz in Belgien über Niederlassungen in den Niederlanden, Deutschland sowie den USA. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Die Software AG wurde bei der Transaktion von Clifford Chance (Federführung: Christof-Ulrich Goldschmidt) beraten.

Die Halder Beteiligungsberatung hat den Medizintechnikspezialisten Klingel-Gruppe an IK Investment verkauft. 2012 hatte die Beteiligungsgesellschaft die Klingel-Gruppe im Rahmen eines Management-Buy-outs übernommen. Inzwischen beschäftigt der Medizintechnikspezialist eigenen Angaben zufolge über 300 Mitarbeiter. Die Kanzlei GvW Graf von Westphalen hat Halder bei dem Verkauf beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft HQ Equita hat die Steindl-Gruppe, die aus den Verpackungsmaschinenherstellern Fawema und HDG besteht, übernommen. Die Unternehmen sollen künftig als The Packaging Group firmieren. Das Closing der Transaktion wird für die zweite Juni-Hälfte erwartet. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Die Steindl-Gruppe wurde bei der Transaktion von Hake Consulting, Rentrop & Partner und Fritsch Graf Horsten beraten. HQ Equita wurde von Munich Strategy, Ebner Stolz, ERM und Watson, Farley & Williams unterstützt.

Die deutsche M&A-Beratung Catcap hat das schwedische Unternehmen Jarl Securities erworben. Laut eigenen Angaben will Catcap mit dem Zukauf sein Position bei Beratungen in Skandinavien stärken. Das Beratungshaus beschäftigt in Deutschland 38 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern vertreten. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Der Londoner Reifenhändler Fintyre übernimmt den deutschen Wettbewerber Reifen Krieg mit Sitz in Neuhof. Holger Krieg und Tobias Fink, die bisherigen Anteilseigner von Reifen Krieg, werden nach eigenen Angaben Geschäftsführer des Unternehmens bleiben. Reifen Krieg wurde 2007 gegründet und konnte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 330 Millionen erwirtschaften. Die Kartellbehörden müssen den Deal noch freigeben. PwC, Hengeler Mueller und BCG beraten Fintyre bei der Transaktion. Reifen Krieg wird von Jones Day und der Steuerberatungsgesellschaft Solida unterstützt. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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