Nach zwei Jahren ist Bayer nun am Ziel. Der Leverkusener Konzern kann die hoch umstrittene Übernahme des Saatgutriesen Monsanto abschließen.

Bayer AG

08.06.18
Deals

M&A-Deals: Bayer, Dürr, Concardis

Bayer schließt mit der Monsanto-Übernahme den größten Deal eines deutschen Unternehmens ab, Dürr überrascht mit einer riskanten Übernahme in den USA und Concardis fusioniert mit Nets. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Bayer schließt Monsanto-Übernahme ab

Der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer hat die Übernahme des US-Saatgutproduzenten Monsanto abgeschlossen. Zu Wochenbeginn hatten die mexikanischen Behörden dem größten M&A-Deal eines deutschen Unternehmens zugestimmt. Damit hat Bayer alle nötigen Freigaben erhalten, um die gut 54 Milliarden Euro schwere Übernahme abzuschließen. Erst vergangene Woche hatte Bayer grünes Licht von der US-Justiz erhalten.

Um grünes Licht für den Zukauf zu erhalten, mussten die Leverkusener weitreichende Zugeständnisse machen. Um den Kartellauflagen zu entsprechen, muss sich Bayer von einem Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Euro trennen. Käufer der Geschäftsteile ist der Ludwigshafener Konkurrent BASF.

Dürr übernimmt kriselnde B&W-Töchter

Der schwäbische Anlagenbauer Dürr hat für 110 Millionen Euro das industrielle Umwelttechnikgeschäft des US-Konzerns Babcock & Wilcox (B&W) übernommen. Die Sparte umfasst die beiden Kernmarken Megtec und Universal. Den Kaufpreis kann Dürr aus der bestehenden Mitteln bezahlen. Die Nettofinanzposition des Unternehmens lag Ende 2017 bei 200 Millionen Euro. Laut eigenen Angaben soll der Deal im dritten Quartal abgeschlossen werden.

Zur Zeit kämpfen die B&W-Töchter jedoch mit einer Ertragskrise. Schwache Endmärkte in gleich mehreren Kundengruppen haben 2017 zu einem Umsatzeinbruch von 15 Prozent auf umgerechnet 198 Millionen Euro geführt. Das Management des Anlagenbauers um CFO Carlo Crosetto sieht jedoch das Potenzial für einen Turnaround der Unternehmen: Bis 2021 soll der Umsatz auf bis zu 500 Millionen Euro steigen.

Zahlungsdienstleister Concardis und Nets fusionieren

Der Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis und sein dänischer Konkurrent Nets fusionieren. Wie die Unternehmen mitteilen, erfolgt das Zusammengehen im Rahmen eines Aktienaustauschs. Im Zuge des Deals bringen die Anteilseigner von Concardis ihre Aktien in Nets ein und im Gegenzug erhalten sie wiederum Anteile an den Dänen. Eigenen Angaben zufolge soll das kombinierte Unternehmen einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von rund 500 Millionen Euro erwirtschaften. Die beiden Unternehmen werden ihre jeweiligen Markennamen beibehalten. Der Abschluss der Transaktion soll im vierten Quartal 2018 erfolgen.

Anfang 2017 hatten die beiden Private-Equity-Häuser Advent und Bain den deutschen Zahlungsdienstleister Concardis für 600 Millionen Euro gekauft. Hinter Nets wieerum steht die PE-Gesellschaft Hellman & Friedman, die das dänische Unternehmen im September 2017 übernommen hatte. 

DBAG steigt bei Wohnungsmakler von Poll ein

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) ist bei dem Frankfurter Maklerunternehmen von Poll Immobilien eingestiegen. Wie das Unternehmen mitteilt, beteiligt sich der Private-Equity-Investor über den kleineren seiner beiden Fonds namens „ECF“, welcher Investments in kleinere Mittelständler tätigt. Details zur Höhe der Beteiligung sind nicht bekannt. Die DBAG wurde bei der Transaktion von den Kanzleien Latham & Watkins (Federführung: Rainer Traugott) und Gleiss Lutz (Federführung: Eike Bicker) beraten. Von Poll wurde von der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher (Federführung: Axel Wahl) unterstützt.

Wie die DBAG bekanntgab, investiert sie aus ihrer Konzernbilanz für ein Co-Investment 11,7 Millionen Euro. Von Poll würde demnach ein Unternehmenswert von etwa 50 bis 100 Millionen Euro zugeschrieben werden. Der Edelmakler erwirtschaftete eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2017 mit 120 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro. 

Starwood scheitert bei CA Immo und Immofinanz

Der US-Investor Starwood Capital ist mit seinen Offerten für die österreichischen Immobilienunternehmen CA Immo und Immofinanz weitestgehend abgeblitzt. Starwood wollte mit 26 Prozent bei CA Immo einsteigen, jedoch wurden dem Investor nur 0,16 Prozent der Aktien angedient. Die US-Investmentgesellschaft hatte 27,50 Euro je Aktie geboten. Ein ähnliches Resultat zeigte sich auch bei dem Angebot für die Immofinanz-Aktionäre. Starwood wollte sich 5 Prozent an Immofinanz sichern und erhielt letztendlich nur 0,21 Prozent der Anteile. Geboten hatte der US-Investor in diesem Fall 2,10 Euro je Aktie.

Die Angebotsfrist läuft noch bis Mittwoch. Darunter befinden sich auch vier Namensaktien, mit denen Entsendungsrechte in den CA-Immo-Aufsichtsrat verbunden sind. Anfang Mai hatte Starwood Capital die Annahmefrist für CA Immo noch um zwei Wochen verlängert

Weitere Meldungen

Die Gründerfamilie des Autovermieters Sixt hat ihre Beteiligung an dem Unternehmen mit Sitz in Pullach von 61,6 Prozent auf 58,3 Prozent gesenkt. Dies geht aus einer Stimmrechtsmitteilung des  SDax-Konzerns hervor. Institutionelle Investoren haben demnach 102 Euro je Aktie bezahlt. Durch den Anteilsverkauf fließen der Vermögensverwaltung des Firmengründers Erich Sixt insgesamt 103 Millionen Euro zu.

Der Private-Equity-Investor Silverfleet verkauft den Fondsverwalter Ipes. Bei dem Käufer handelt es sich um die Apex Group. Apex investiert zusammen mit dem US-Finanzinvestor Genstar Capital. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Laut eigenen Angaben will Apex mit dem Zukauf seine Position in Europa stärken.

Die niederländische Bank ING hat sich an einem weiteren B2B-Fintech beteiligt. Über ihren Venture-Capital-Arm ING Ventures steigt die Bank bei dem Firmenkunden-Fintech und Vergleichsportal Fincompare ein. Im Zuge einer Serie-A-Finanzierung hat das Berliner Unternehmen insgesamt 10 Millionen Euro eingesammelt, wovon 7 Millionen Euro von der ING kommen. Das übrige Kapital stammt von den Altinvestoren, darunter der österreichische Versicherer Uniqa und der Wagniskapitalinvestor Speedinvest. Das bisher eingesammelte Wachstumskapital des Fintechs steigt damit auf 14 Millionen Euro. Die Beteiligung ist Teil der Fintech-Strategie der ING. Erst im Februar hatte die Bank das Firmenkunden-Fintech Lendico übernommen.

Das Landesparlament in Hamburg stimmt am 13. Juni über den Verkauf der krisengebeutelten HSH Nordbank an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers ab. Verschiedene Ausschüsse hätten sich bei einer gemeinsamen Sitzung für die Privatisierung der Bank ausgesprochen, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“, der sich auf Aussagen eines Sprechers der Hamburger Finanzbehörde bezieht. Aktuell stockt der Verkaufsprozess der HSH Nordbank, nachdem in den vergangen Wochen Zweifel an der milliardenschwere Übernahme durch die US-Finanzinvestoren aufgekommen waren.

Die Alliance Automotive Group kauft das Essener Familienunternehmen Hennig Fahrzeugteile. Die Unternehmensgruppe umfasst insgesamt 13 operative Gesellschaften. Eigenen Angaben zufolge betreibt Hennig 31 Standorte und erwirtschaftet einen Umsatz von über 160 Millionen Euro. Die Transaktion muss noch den Behörden freigegeben werden. Ein Team der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz hat Alliance Automotive bei der Transaktion beraten.

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat die Lederwarenmarke Lancel an den italienischen Aktentaschenproduzenten Piquadro verkauft. Der Kaufpreis beläuft sich auf maximal 35 Millionen Euro, heißt es in einem Bericht des „Handelsblatt“. Bereits Mitte März hatte Richemont mitgeteilt, der Konzern stehe mit der Piquadro-Gruppe in Verhandlungen über den Verkauf der Marke.

Die neu gegründete The Fish Experts GmbH (TFE) hat die Product Trade Centre Germany (PTC), einen Importeur von hochwertigem Fisch und Meeresfrüchten, im Zuge einer Sanierung übernommen. Der Standort in Serbien wird an die neu gegründete The Supplychain Experts Holding GmbH (TSE) veräußert. Die Kanzlei White & Case (Federführung: Jan-Philipp Hoos) und die M&A-Beratung Saxenhammer & Co. Corporate Finance (Federführung: Christian Saxenhammer) haben PTC Germany bei der Sanierung beraten. Der Verkauf der PTC Germany wurde auf Seiten des Insolvenzverwalters von der Kanzlei Görg (Federführung: Christian Wolf) begleitet.

Die Geschäftsbetriebe der größten deutschen Dunkin‘ Donuts Franchisenehmer, die S&C International Deutschland und die Will Coffee, wurden von der Shahia Food Gruppe gekauft. Das saudi-arabische Unternehmen hat Ende Mai alle rund 220 Mitarbeiter und die Filialstandorte übernommen. Bei den Kaufvertragsverhandlungen wurde die Verkäuferseite von White & Case (Federführung: Christoph Schulte-Kaubrügger), von den Restrukturierungspartnern (Federführung: Robert Tobias) und von der Kanzlei Heublein Müller (Federführung: Gerrit Heublein) unterstützt. Die Shahia Food Gruppe wurde von der Taylor Wessing Partnerschaftsgesellschaft beraten. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner hat den Qualitätssicherungskonzern Vohtec an den britischen Materialprüfungsspezialisten Element Materials Technology veräußert. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. VR Equitypartner hatte Vohtec 2013 übernommen. VR Equitypartner und Vohtec wurden bei der Transaktion von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Rainer Herschlein) beraten.

Der Finanzdienstleister EOS plant den Verkauf des Hamburger Dental-Factoring-Unternehmens Health sowie der Schweizer Zahnärztekasse. Der Verkauf wird über ein strukturiertes Auktionsverfahren gesteuert, Interessenten können bis Anfang September ein unverbindliches Angebot abgeben. Der Abschluss der Transaktion ist für Februar 2019 geplant. Mit einem Factoring-Volumen von rund 1 Milliarde Euro erwirtschaften Health und die Zahnärztekasse eigenen Angaben zufolge zusammen einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. EOS hat im Zuge der Transaktion die Investmentbank Lazard mandatiert.

Der börsennotierte Verbindungstechnikspezialist Norma Group hat seinen Geschäftspartner Statek Stanzereitechnik übernommen. Durch den Zukauf will das Unternehmen mit Sitz in Maintal sein Know-how in der Stanzbiege- und Umformtechnik für alle gängigen Metalle erweitern. Statek erzielte im Geschäftsjahr 2017 Umsatzerlöse von rund 17,2 Millionen Euro, davon rund 70 Prozent mit der Norma Group als größtem Kunden.

Die PE-Gesellschaft Capvis hat die Lista Gruppe, einen Anbieter von Betriebs- und Lagereinrichtungen, an die Greatstar Gruppe, einen chinesischen Hersteller von Werkzeugen und Gabelstapler, verkauft. Die Chinesen wollen mit dem Zukauf ihr Markt- und Produktportfolio auf dem europäischen Markt weiter ausbauen. Capvis hatte 2006 die Mehrheit an der Lista Gruppe übernommen. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Die insolvente Traditionsmanufaktur Höchster Porzellan wurde von einem unbekannten Investor aus Hong Kong, zu dem unter anderem die Zeva Life mit Sitz in Darmstadt gehört, erworben. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Der Investor plant mit dem Unternehmen einen Neustart durch neue Designs und die Einbindung von Kunst am bisherigen Standort in Höchst. Die Insolvenzberatung Schultze & Braun (Federführung: Frank Schmitt) und die M&A-Beratung Falkensteg haben die Höchster Porzellan-Manufaktur bei der Transaktion beraten.

CIC Capital ist mit einer Minderheitsbeteiligung bei der Health Care-Gruppe Auxilium eingestiegen. CIC Capital hat die Beteiligung von der Venture-Capital-Gesellschaft Btov Partners gekauft, welches jedoch über das eigene Privatinvestorennetzwerk mit dem Unternehmen verbunden bleibt. Die Wirtschaftskanzlei Baker Tilly (Federführung: Thomas Gemmeke, Bernhard Rehbein und Janine Lanfermann) hat Btov Partners bei dem Verkauf beraten.

Die Mediengruppe DuMont Business Information hat den Deutschen Auftragsdienst (DTAD) übernommen. DuMont wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Martin Neuhaus) beraten. Mit dem Zukauf will die Mediengruppe seine Digitalisierungsstrategie weiter vorantreiben.

GUS Holding, eine Tochterfirma des Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Spezialisten GUS Deutschland, hat die GUS Finanz und das Softwareunternehmen K+H übernommen. Die GUS Holding wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Beiten Burkhardt (Federführung: Jack Schiffer) unterstützt. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Die Beteiligungsgesellschaft Palero hat den Arbeitskleidungsproduzenten Krähe an den PE-Investor HBB Holding aus Stuttgart verkauft. Palero wurde bei der Transaktion von Clearwater International (Federführung: Markus Otto) und White & Case (Federführung: Hendrik Röhricht) beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.