Rewe kauft Commercetools, den Münchener Anbieter für eCommerce.

Rewe

26.09.14
Deals

M&A-Deals: Tele Columbus, Siemens, Rewe

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus geht auf Einkaufstour, Siemens treibt mit großen Schritten seine Umstrukturierung voran und Rewe übernimmt den Münchener Anbieter für eCommerce Commercetools. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Tele Columbus übernimmt alle Anteile an BMB

Der deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus hat alle restlichen Anteile am Kabelnetzbetreiber BMB mit Sitz in Gelsenkirchen erworben. Bislang wurde das Unternehmen gemeinsam von Tele Columbus und der Marienfeld Multimedia Gruppe, einem Unternehmen der Vivawest Dienstleistungen-Gruppe, geführt. Im Gegenzug baut Marienfeld Multimedia künftig die Geschäftsaktivitäten im Bereich von Montage- und Serviceleistungen der weiter aus. Dazu wurde mit Tele Columbus eine strategische Partnerschaft vereinbart. Beraten wurde der Käufer von Morrison & Foerster unter der Federführung von Christoph Wagner. Erst vergangene Woche hatte Tele Columbus die Übernahme der BIG Medienversorgung bekannt gegeben.

Rewe kauft Commercetools

Die Rewe Group hat die Münchener Commercetools erworben, einen Anbieter für eCommerce, der sich auf Cloud-Software spezialisiert hat. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Red Bull, Brita oder Koffer24. Im Rahmen des Deals kauft Rewe alle Anteile der Altgesellschafter, darunter BayBG, Astutia Ventures und das Schweizer Family Office Wecken & Cie. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Berater wurde Rewe Inhouse sowie  von einem Team um Ernst-Albrecht von Beauvais von Taylor Wessing. Die Altgesellschafter wurden von Motion Capital (Götz Kühne) sowie von Rödl & Partner unterstützt, federführend war Gerhard Wacker.

Siemens treibt Umstrukturierung voran

Siemens-Chef Joe Kaeser und CFO Ralf Thomas treiben den Konzernumbau massiv voran: Die Münchener wollen im Rahmen eines Milliarden-Deals den US-Ölindustrieausrüster Dresser-Rand erwerben. Im Zuge eines freundlichen Übernahmeangebots bietet Siemens den Aktionären 83 US-Dollar je Aktie in bar an, das entspricht insgesamt umgerechnet 5,8 Milliarden Euro. Das Board of Directors von Dresser-Rand hat den Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot von Siemens anzunehmen. Beraten wurde Siemens bei dem Deal von einem Inhouse-Team sowie von Latham & Watkins. Dresser Rand wurde von Wachtell Lipton Rosen & Katz sowie Gibson Dunn & Crutcher unterstützt. Gleichzeitig kündigte Siemens den erwarteten Ausstieg aus dem Hausgerätesegment an: Das Joint Venture zwischen Bosch und Siemens wird beendet, Siemens gibt die restlichen 50 Prozent am gemeinsamen Hausgerätehersteller BSH an Bosch ab. Der Kaufpreis liegt bei 3 Milliarden Euro. BSH darf weiterhin Hausgeräte unter der Marke Siemens weiter produzieren und vertreiben. Bosch wurde bei diesem Deal von Gleiss Lutz (Federführung: Matthias Karl) sowie von Gibson Dunn (Federführung: Lutz Englisch) unterstützt. Erst vergangene Woche hatte Bosch einen Deal im Wert von 4 Milliarden Euro getätigt, als das Unternehmen die restlichen Anteile an der ZF Lenksysteme gekauft hat.

Telefónica rüstet sich für E-Plus-Kauf

Telefónica Deutschland treibt den Kauf von E-Plus voran: Die Telefongesellschaft hat mit einer Kapitalerhöhung 3,6 Milliarden Euro zur Teilfinanzierung des Deals eingesammelt. Die Bezugsquote lag bei 99,92 Prozent und damit bei gut 1,116 Milliarden neuen Aktien, der Bezugspreis lag bei 3,24 Euro je Aktie. Im Zuge des Erwerbs ist außerdem noch die Ausgabe weiterer knapp 740,7 Millionen neuer Aktien im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre geplant. Diese Aktien werden als Teil der Kaufpreisleistung für E-Plus an die niederländische Telefongesellschaft KPN übertragen.

Bertelsmann investiert in Bildungsgeschäft

Bertelsmann weitet seine Aktivitäten im Bildungsgeschäft aus: Das Medienunternehmen beteiligt sich an einer Finanzierungsrunde des US-Online-Bildungsanbieter Udacity. Bei der Höhe handelt es sich um einen „signifikanten Anteil“. Ingesamt bringen alle Investoren 35 Millionen Euro ein, heißt es in Medienberichten. „Die Beteiligung an Udacity ist ein wichtiger Schritt für Bertelsmann, denn sie bietet uns Zugang zu einem der innovativsten und bekanntesten E-Learning-Anbieter des Silicon Valley“, sagt Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Udacity wurde 2011 vom deutschen Informatiker Sebastian Thrun im Silicon Valley gegründet und bietet Onlinekurse zur beruflichen Weiterbildung mit den Schwerpunkten Technologie und IT an.

SAP kauft Concur

SAP hat den größten Deal seiner Konzerngeschichte angekündigt: Der Softwarekonzern will den auf Reisekostenmanagement spezialisierten US-Softwareanbieters Concur kaufen und damit seine Ausrichtung auf das Cloud-Geschäft vorantreiben. Der Unternehmenswert von Concur wird auf 8,3 Milliarden US-Dollar beziffert, SAP will 129 US-Dollar je Aktie bieten. Concur ist nicht profitabel, im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen Vorsteuerverluste von 22 Millionen Dollar – SAP kauft sich damit nicht zuletzt Erwartungen ein. SAP-CFO Luka Mucic will den M&A-Deal mit einer Kreditfazilität im Volumen von bis zu 7 Milliarden Euro finanzieren. Der Abschluss der Transalktion wird für das vierte Quartal 2014 oder für das erste Quartal 2015 erwartet.

Merck vor größten M&A-Deal

Und auch der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck steht vor dem größten Zukauf der Unternehmensgeschichte: Für 17 Milliarden US-Dollar (13,1 Milliarden Euro) will Familienunternehmen den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich kaufen. Den Aktionären wird eine Übernahmeprämie von 37 Prozent angeboten. Die von Merck gebotenen Bewertungsmultiples haben es in sich: Sigma-Aldrich plant im laufenden Jahr einen Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar – Merck bietet damit den 5,9-fachen Umsatz. Finanziert wird der Kaufpreis zu 2 Milliarden Euro aus liquiden Mitteln und aus einer Brückenfinanzierung, die von JP Morgan, der Deutschen Bank und der Société Générale arrangiert und unterschrieben wurde.  Beraten wurde  Merck bei dem Mega-Deal von JP Morgan und Guggenheim Securities, Sigma-Aldrich von Morgan Stanley. Mercks Rechtberater war die Kanzlei Skadden (Federführend: Hilary Foulkes, Peter Atkins, Neil P. Stronski), Arps, Slate, Meagher & Flom. Sigma-Aldrich wurde von Sidley Austin beraten.

KircherBurkhardt und BurdaCreative fusionieren

Die beiden Content-Marketing-Unternehmen KircherBurkhardt und BurdaCreative schließen sich zusammen und gründen die Agentur C3. Die beiden Unternehmen halten je 50 Prozent der Anteile. Die neue Arbeitsgruppe C3 hat knapp 60 Millionen Euro Umsatz und 400 Mitarbeiter.  Die Führung übernehmen die beiden Gründer Rainer Burkhardt und Lukas Kircher sowie der derzeitige BurdaCreative Geschäftsführer Gregor Vogelsang. Financial Advisor von KircherBurkhardt war die Investment Banking Group IEG.

MVV-Interesse an Juwi scheint sich zu bestätigen

Der Übernahme-Poker um den krieselnden Windparkbauer Juwi könnte in die nächste Runde gehen: Wie das Handelsblatt berichtet, kristallisiert sich der Energieversorger MVV als ernsthafter Interessent heraus. In der Branche würden bereits erste Zahlen kursieren. Demnach könnte sich MVV über eine Kapitalerhöhung mit 100 bis 200 Millionen Euro an Juwi beteiligen. Anfang September kamen erste Gerüchte auf, dass MVV an Juwi interssiert sein soll. 

Schaltbau stockt bei Albatros auf

Die Schaltbau Gruppe, Anbieter von Komponenten und Systemen für die Verkaufstechnik und die Investitionsgüterindustrie, erhöht ihren an der spanischen Albatros von bisher 5,6 Prozent auf 40 Prozent. Albatros mit Sitz in Madrid erwirtschaftet seinen Umsatz mit Hochspannungs-Stromrichtern für Schienenfahrzeuge sowie mit Systemen für die Information und Kommunikation an Bord. Die Schaltbau Gruppe hat im vergangenen Jahr mit rund 2.600 Mitarbeitern einen Umsatz von 425 Millionen Euro erwirtschaftet. Weitere Details zur Transaktion sind nicht bekannt.

Fortec Elektronik will bei Data Display einsteigen

Die börsennotierte Fortec Elektronik mit Sitz in Landsberg am Lech will zum 1. Oktober einen Beteiligung von 50 Prozent an der Data Display erwerben. Außerdem erhält das Unternehmen die Option, die restlichen 50 Prozent im Zeitraum Januar 2016 bis Dezember 2020 zu erwerben. Data Display hat im vergangenen Geschäftsjahr 23,4 Millionen Euro umgesetzt und einen Jahresüberschuss von 0,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Fortec konnte im Geschäftsjahr 2013/14 einen Umsatz von 45,4 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 1,5 Millionen Euro aufweisen.

EnBW und Steag kaufen Bexbach

Die EnBW Energie Baden-Württemberg und Steag haben die Übernahme des EnBW-Anteils am Kraftwerk Bexbach beschlossen. EnBW ist derzeit zu 75 Prozent am Kraftwerk Bexbach beteiligt. STEAG besitzt die restlichen 25 Prozent und ist Betreiber des Kraftwerks. Der Übergang der EnBW- Anteile an STEAG ist zum 1. Januar 2015 geplant. Über den Kaufpreis wurde zwischen den beiden Partnern Stillschweigen vereinbart.

Thyssen-Krupp will VDM wieder loswerden

Thyssen-Krupp hat einen neuen Versuch gestartet, seine Edelstahltochter VDM Metals zu verkaufen. Dem Handelsblatt zufolge würden bereits potenzielle Interessenten angesprochen, darunter sowohl strategische Käufer als auch PE-Berater wie Lindsay Goldberg, Triton, KPS Capital und Advent. Als Kaufpreis wurden 250 Millionen Euro kolportiert. M&A-Berater ist die Deutsche Bank. Ende 2013 hatte der Stahlkonzern Teile seiner Edelstahltochter Inoxum zurücknehmen müssen, die er 2012 an die finnische Outukumpu verkauft hatte – davon war auch die frühere Tochter VDM betroffen. Schon damals wurde mit einem erneuten Verkaufsversuch gerechnet.

Bostik sucht Käufer

Der französische Spezialchemiekonzern Arkema will offenbar den Klebstoffspezialisten Bostik mit Sitz in Borgholzhausen erwerben. Der Unternehmenswert der Tochter des französischen Ölkonzerns Total soll Medienberichten zufolge auf 1,74 Milliarden Euro geschätzt werden. Bostik ist mit etwa 4.800 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,53 Milliarden Euro im Jahr 2013 nach eigenen Angaben die weltweite Nummer drei bei Klebstoffen und gehört zum französischen Ölkonzern Total.

Julius Bär schielt auf Coutts

Medienberichten zufolge hat die Schweizer Bank Julius Bär Interesse an der britischen Privatbank Coutts, Tochter der Royal Bank of Scotland. sagte Bär-Chef Boris Collardi der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“. Konkrete Gespräche mit der Royal Bank of Scotland hätten noch nicht stattgefunden, sagte Bär-Chef Boris Collardi der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“. „Wir sind in der komfortablen Position, dass wir warten können“, hieß es. An einer Auktion wolle man nicht teilnehmen, um den Preis nicht in die Höhe zu treiben.

Weitere M&A-Deals

Die Deutsche Rohstoff hat den Verkauf der Wolfram Camp Mine in Queensland (Australien) abgeschlossen. Käufer ist die kanadische Gesellschaft Almonty Industries. Der Verkaufserlös beträgt 18 Millionen kanadische Dollar (CAD), das sind umgerechnet 12,7 Millionen Euro.


Das Schweizer Unternehmen Arnold, eine Tochter der BKW Energie, übernimmt 100 Prozent der Aktien an Cabcon. Arnold beschäftigt mehr als 700 Mitarbeiter und ist auf Bau, Service und Unterhalt von Energie- und Telecomnetzen sowie Anlagen der Verkehrsinfrastruktur spezialisiert. Cabcon, tätig im Bereich Planung und Montage von Kabelanlagen, beschäftigt 30 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 6 Millionen Franken. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Das mittelständische Milchverarbeitungsunternehmen Uckermärker Milch ändert zum 1. Januar 2015 der Gesellschafterkreis: 60 Prozent der Anteile, die bislang von zwei regionalen und einem polnischen Milcherzeugungs- und -verarbeitungsbetrieben gehalten wurden, wird die schweizerische Hochdorf-Gruppe übernehmen. 40 Prozent der Anteile verbleiben bei der Ostmilch Handels GmbH, die auch bisher zu den Gesellschaftern gehörte. Hochdorf wiederum beteiligt sich mit 26 Prozent an der Ostmilch-Gruppe. Über die Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Team unter der Federführung von Wolf-Georg Freiherr von Rechenberg von CMS Hasche Sigle hat bei der Transaktion beraten.

Das Darmstädter Unternehmen Software investiert gemeinsam mit der von der Commerzbank gegründeten Main Incubator 15 Millionen Euro in Traxpay, einem Betreiber von B2B-Handelsnetzwerken. Unterstützt wurden die Investoren von einem Beratungsteam von Clifford Chance unter der Federführung von Christof-Ulrich Goldschmidt.

Lifebrain hat einen neue Investor: Die Luxemburger Investmentfirma BIP Investment Partners steigt bei der Wiener Laborkette ein.

Der Betreiber von Online-Games Gamigo hat den Betreiber für Casual Games Intentium vollständig übernommen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Die RAG-Stiftung zur Abdeckung der künftigen Steinkohlelasten hat „mehr als zehn Prozent“ an dem Münchner Online-Tierbedarfshändler Zooplus übernommen, wie Reuters berichtet.  Das börsennotierte Unternehmen hatte 2013 rund 427 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben.

Das Brüsseler Chemieunternehmen Solvay (Umsatz: 9,94 Milliarden Euro) hat sämtliche Anteile an der Flux Schweiß- und Lötstoffe mit Sitz in Garbsen (Niedersachsen) erworben. Beraten wurde Solvay Deutschland Inhouse sowie von der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft unter der Führung von Hans-Georg Hahn.

Die Süd Beteiligungen (SüdBG) aus Stuttgart, Beteiligungstochter der LBBW, und der Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS) beteiligen sich an der HAP Handhabungs-, Automatisierungs- und Präzisionstechnik in Dresden. Ein Team um Jörg Lips und Jochen Lux von CMS Hasche Sigle hat SüdBG beraten.

Der Anbieter für Marketing Resource Management-Systemen BrandMaker hat sich Investoren an Bord geholt: Der PE-Investor Pinova Capital und ein auf Technologieunternehmen spezialisierter Fonds der L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg, investieren 23 Millionen Euro in das Unternehmen. Weitere Details sind nicht bekannt.

Die Kötter Unternehmensgruppe hat den Erwerb des Sicherheitsdienstleisters OSD Schäfer mit Hauptsitz in Karlsruhe von der EnBW abgeschlossen. Der Systemdienstleister Kötter hat mit 15.500 Mitarbeitern einen Gruppenumsatz von 383 Millionen Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Der Personaldienstleister TimePartner hat neue Gesellschafter: Im Rahmen eines Management Buyouts übernehmen CEO Sven Kilian sowie CFO Thorsten Droste 50 Prozent der Anteile. Die andere Hälfte des Unternehmens halten von AUCTUS Capital Partners verwaltete Fonds.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.