Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch steigt der Wohnungskonzern Vonovia bei seinem Konkurrenten Deutsche Wohnen aus.

Simon Bierwald, Vonovia SE

08.02.19
Deals

M&A-Deals: Vonovia, Uniper, Aurubis

Der Wohnungskonzern Vonovia steigt bei Deutsche Wohnen aus, Uniper öffnet sich Fortum und Aurubis darf nicht an Wieland verkaufen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Vonovia gibt Deutsche Wohnen-Beteiligung ab

Vonovia hat seine rund 700 Millionen Euro schwere Beteiligung an dem Wettbewerber Deutsche Wohnen verkauft. Wie der Wohnungskonzern mitteilte, wurden die rund 16,8 Millionen Aktien der Deutsche Wohnen für 41,50 Euro je Aktie bei institutionellen Investoren platziert. Beraten wurde Vonovia von Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Gregor von Bonin, Rick van Aerssen, Timo Piller, Nikolaus Bunting, Mark Strauch und Kyle Miller).

Vonovia hatte das Aktienpaket Ende 2015 und Anfang 2016 im Zuge einer geplanten Übernahme der Deutsche Wohnen für etwa 405 Millionen Euro erworben. Die Übernahme scheiterte zwar, dennoch hielt Vonovia seitdem 4,7 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien und war damit viertgrößter Aktionär des Rivalen. Den Erlös aus dem Aktienverkauf möchte Vonovia zur „Stärkung der Bilanz“ verwenden, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Im April könnte eine Hybridanleihe gekündigt werden, außerdem seien in diesem Jahr noch einige Schuldtitel fällig.

EU stoppt Deals von Siemens, Aurubis und Wieland

Die EU-Kommission hat diese Woche gleich mehrere M&A-Deals mit deutscher Beteiligung gestoppt. Der geplante Bahntechnik-Zusammenschluss von Siemens und dem französischen Wettbewerber Alstom kommt nicht zustande. Trotz Nachbesserungen hatte die EU-Kommission Bedenken geäußert, dass die geplante Zugfusion eine zu große Marktmacht in Europa bilden könnte.

Auch der geplante Kauf des Geschäftsbereichs für Flachwalzprodukte von Aurubis durch den Konkurrenten Wieland-Werke wurde von der EU-Kommission vereitelt. Zusätzlich zu dem Flachwalzengeschäft, das einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet, wollte Wieland das aktuelle Gemeinschaftsunternehmen Schwermetall komplett übernehmen. Sowohl Siemens als auch Aurubis bedauern den Entschluss der EU-Kommission und prüfen nach den gescheiterten M&A-Deals nun strategische Alternativen für die betroffenen Geschäftsbereiche.

Fortum will Mehrheit an Uniper, Elliott will aufstocken

Der Energiekonzern Uniper könnte nun doch mit dem finnischen Versorger Fortum zusammenarbeiten. Wie Uniper mitteilte, werde geprüft, wie die künftige Zusammenarbeit beider Unternehmen neu aufgesetzt werden könnte. E.on hatte vor rund einem Jahr seine 46,65 Prozent an Uniper an Fortum verkauft. Seit Dezember mischt zudem der US-Hedgefonds Elliott bei Uniper mit.

Das Uniper-Management um CEO Klaus Schäfer und CFO Christopher Delbrück hatte sich lange gegen eine Übernahme gewehrt. Nun haben beide jedoch das Handtuch geworfen. Beide werden Uniper Ende August verlassen, wie das Unternehmen mitteilte.

Es gab Gerüchte, laut denen der Stromversorger Fortum seinen Anteil an Uniper zu Mehrheitsanteilen aufstocken wolle, indem er die Anteile des US-Hedgefonds Elliott übernimmt. Zugleich soll ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters allerdings verraten haben, Elliot wolle seine 16,51 Prozent ebenfalls vergrößern. Von Seiten Unipers gibt es dazu noch keine Stellungnahme.

Gerry Weber könnte Hallhuber verkaufen

Die insolvente Bekleidungskette Gerry Weber hat mit einem Investor über einen möglichen Verkauf der Tochter Hallhuber verhandelt. Nach FINANCE-Informationen handelt es sich dabei um Robus Capital. Der High-Yield-Investor stellt Hallhuber 10 Millionen Euro als Brückenfinanzierung zur Verfügung und hat sich eine Kaufoption für die Gerry-Weber-Tochter gesichert. 

Mit dem Geld „soll der fortlaufende Geschäftsbetrieb von Hallhuber bis auf Weiteres sichergestellt werden“, heißt es bei Gerry Weber. Das Unternehmen war nach gescheiterten Finanzierungsverhandlungen Ende Januar in die Insolvenz gerutscht.

Personalien

Die Investmentbank Rothschild lockt Oliver Schiller von der Deutschen Bank weg. Wie Rothschild bekannt gab, wechselt Schiller als Managing Director zu der Boutique wo er den Bereich Industrials im deutschsprachigen Raum verantworten wird.

Die Corporate-Finance-Beratung Freitag & Co befördert Alexander Prüfer zum Managing Director. Der 33-Jährige arbeitet seit acht Jahren für Freitag & Co und berät Unternehmen und Finanzinvestoren unter anderem bei M&A-Deals.

Die M&A-Beratung Acxit eröffnet ein Büro in New York. Wie das Unternehmen mitteilte, übernimmt Michael Ernestus als Managing Director die Leitung des Büros um internationale Kunden besser bedienen zu können. In Deutschland hatte es zuletzt mehrere Abgänge im Mittelbau der Boutique gegeben.

Der Private-Equity-Investor H.I.G Capital macht Markus Noe-Nordberg zum Managing Director. Er soll künftig von London aus das europäische Midcap-Geschäft leiten. H.I.G will damit künftig in Europa auch größere Transaktionen zwischen 250 Millionen und 750 Millionen Euro stemmen.

Weitere Meldungen

Die IT-Gesellschaft Allgeier und der Prothesenhersteller Otto Bock beenden ihre Fusionsgespräche mit Blick auf einen Zusammenschluss der Töchter Allgeier Enterprise Services und dem Digitalisierungsdiensleister Sycor unter einer neuen Holding. Es seien „unterschiedliche Auffassungen über die Organisation und Unternehmensführung der Holding, das Branding der fusionierten Unternehmen und das Ziel eines Börsengangs aufgetreten“, wie aus einer Unternehmensmeldung von Allgeier hervorgeht.

Rocket Internet
hat seine Home24-Beteiligung aus dem gemeinsamen Pool mit dem schwedischen Finanzinvestor Kinnevik herausgelöst und gleichzeitig im großen Stil Aktien verkauft. Dies bestätigte eine Rocket-Sprecherin auf Nachfrage. Die Hintergründe dieses Manövers sind unklar.

Der Private-Equity-Investor HG kauft den Ulmer Logistik-Software-Anbieter Transporeon von der Beteiligungsgesellschaft TPG. Über weitere Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Transporeon ist eine cloudbasierte Transportlogistikplattform und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Beim Verkauf wurde TPG von Freshfields (Federführung: Arend von Riegen) unterstützt. HG wurde von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) beraten.

H.C. Starck
verkauft seine Tochter H.C. Starck Ceramics an Kyocera Fineceramics, eine deutsche Tochter der japanischen Kyocera-Gruppe. Hinter H.C. Starck stehen die beiden Finanzinvestoren Advent und Carlyle. Beim Verkauf wurde H.C. Stark von der Wirtschaftskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy (Federführung: Andrea Eggenstein) beraten. Kyocera wurde von Arqis (Federführung: Shigeo Yamaguchi, Meiko Dillmann) unterstützt.

Der Technologieinvestor Alpina übernimmt das Software- und Beratungshaus Orsoft von der Eigentümerfamilie. Christian von Stengel, CEO des Alpina-Portfoliounternehms Germanedge, soll künftig die Unternehmensführung von Orsoft verstärken. Winfried Jänicke, Gründer und ehemaliger CEO von Orsoft, wechselt in den Beirat. Die Wirtschaftskanzlei Watson Farley & Williams (Federführung: Dirk Janssen) hat Alpina bei der Investition begleitet.

Das auf die Zell- und Gentherapie spezialisierte Unternehmen Apceth Biopharma wurde von dem japanischen Mischkonzern Hitachi Chemical übernommen. Über die Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht. Der Abschluss des Deals wird für April 2019 erwartet. Apceth Biopharma wurde 2007 gegründet und hat seinen Hauptsitz in München und Ottobrunn. Hitachi Chemical wurde beim Kauf von der Kanzlei Baker McKenzie unterstützt.

Der Finanzinvestor Halder verkauft seine Beteiligung an der deutschen Großbäckerei Wback-Gruppe. Käufer ist der in San Antonio, Texas, ansässige Lebensmittelhersteller C.H. Guenther & Son. Nach Angaben von Halder habe sich der Umsatz von Wback mit Sitz in Bönen seit seinem Einstieg 2013 verdoppelt. Der Verkauf war bereits der fünfte Exit von Halder innerhalb von einem halben Jahr. CHG wurde dabei von Kirkland & Ellis beraten.

Die schwedische Dellner-Gruppe kauft weitere 50 Prozent der Anteile am Anbieter hochbelastbarer Industrie- und Marine-Bremssysteme Pintsch Bubenzer. Verkäufer ist der luxemburgische Finanzinvestor Active Ownership Capital (AOC). Dellner hält seit dem Frühjahr 2018 bereits 50 Prozent an Pintsch Bubenzer, wodurch die Gruppe mit dem Kauf der Anteile von AOC zum Alleingesellschafter wird. Bei der Transaktion wurde Dellner von SKW Schwarz (Federführung: Sebastian Graf von Wallwitz) unterstützt.

AVS Verkehrssicherung
, ein Anbieter für Verkehrssicherheitsdienstleistungen in Deutschland, erwirbt das Fürther Unternehmen Schötz Verkehrs- und Arbeitsstellensicherung. Hinter AVS steht der Private-Equity-Investor Triton. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Deal benötigt noch die Zustimmung der Kartellbehörden. Die Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Jörn-Christian Schulze) hat AVS beraten.

Volkswagen Financial Services beteiligt mit 60 Prozent an der Flottenmanagementgesellschaft FleetCompany aus Oberhaching. Die restlichen 40 Prozent der Unternehmensanteile werden von der bisherigen Alleingesellschafterin TÜV SÜD Auto Service mit Sitz in München, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von TÜV SÜD, gehalten.

Der Autobauer Mercedes-Benz beteiligt sich an der eSports-Organisation SK Gaming. Die Höhe der Beteiligung und weitere Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Die Mercedes-Benz-Mutter Daimler wurde bei dem Deal von der Kanzlei White & Case (Federführung: Matthias Kiesewetter) begleitet.

Der Autozulieferer Continental hat nach der Genehmigung der Kartellbehörden die Fahrzeugantennen-Sparte von Kathrein übernommen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Anfang November 2018 gaben die Unternehmen den Kathrein Automotive-Deal bekannt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.