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25.01.19
Wirtschaft

Gerry Weber rutscht in die Insolvenz

Die Rettung von Gerry Weber ist nicht geglückt. Gespräche mit den Finanzierungspartnern sind geplatzt, das Modehaus muss Insolvenz beantragen.

Der Modehersteller Gerry Weber ist insolvent. Wie das Unternehmen mitteilte, hat es beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf die Anordnung eines vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Dem wurde inzwischen stattgegeben. Der Antrag bezieht sich lediglich auf die Muttergesellschaft Gerry Weber International. Für die Tochtergesellschaften, zu denen auch die Modekette Hallhuber zählt, wurden keine Anträge gestellt.

Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens könne im Rahmen dieses Verfahrens in vollen Umfang fortgeführt werden, wirbt der Konzern für sein Sanierungskonzept. Die Finanzierung des Geschäftsbetriebs sei zudem nach derzeitigem Stand bis ins Jahr 2020 gesichert, und auch der Vorstand bliebe im Amt.

An welchen Finanzierungspartnern lag es?

Dass sich das börsennotierte Familienunternehmen in einer prekären Lage befindet, ist seit Monaten sichtbar. Das Unternehmen erwirtschaftet hohe Verluste (fast 200 Millionen Euro vor Steuern im abgelaufenen Geschäftsjahr), ein erstes großes Restrukturierungsprogramm verpuffte. Tatsächlich ausgelöst wurde der heutige Insolvenzantrag aber durch das Scheitern der Gespräche mit Finanzierungspartnern.
 
Mit welchen Finanzierungspartner genau sich Gerry Weber nicht einigen konnte, hat das Unternehmen nicht bekanntgegeben. FINANCE-Informationen zufolge liegt der Grund für das Scheitern jedoch nicht im Kreis der Schuldscheingläubiger, sondern bei einer Gruppe von Banken, die dem Konzern Kontokorrentlinien stellen. Das Unternehmen hat sich dazu auf Anfrage von FINANCE zunächst nicht geäußert.

Noch im November hatte sich Gerry Weber mit seinen Gläubigern auf eine Atempause einigen können. Die Schuldscheingläubiger hatten damals einer Stundung ihrer Ansprüche bis Ende Januar 2019 zugestimmt. Konkret ging es um zwei Tranchen eines damals fällig gewordenen Schuldscheins über 31 Millionen Euro. Zudem hatten sich die finanzierenden Banken bereit erklärt, ihre Kreditlinien für den Konzern offen zu halten.

Gerry Weber wollte weitere Maßnahmen abstimmen

Diese Zeit wollte Gerry Weber nutzen, um weitere „wesentlich umfassendere Restrukturierungsmaßnahmen und Einschnitte im Rahmen eines Zukunftskonzepts“ vorzubereiten und mit allen Verhandlungspartnern abzustimmen. Zu den Kernmaßnahmen gehörten unter anderem Standortschließungen und der Abbau einer „signifikanten Zahl“ von Arbeitsplätzen im gesamten Unternehmen.

Von dem Antrag auf Insolvenz bei Gerry Weber International sind 580 Mitarbeiter betroffen, insgesamt stehen aber bis zu 1.000 der aktuell noch 6.500 Arbeitsplätze in der Gruppe zur Disposition, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. Demnach sollen auch mindestens 230 der aktuell noch 1.230 Filialen der Marken Gerry Weber und Hallhuber geschlossen werden. 

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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