Südkoreas Hauptstadt Seoul: Delivery Hero beugt sich den koreanischen Wettbewerbsbehörden und akzeptiert die strengen Auflagen für die Genehmigung der Übernahme von Woowa.

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28.12.20
Deals

M&A: Delivery Hero beugt sich Seoul

Delivery Hero hat eingewilligt, sein Korea-Geschäft zu verkaufen, um die Milliardenakquisition Woowa genehmigt zu bekommen. Die Investoren jubeln, doch das Unbehagen von Konzernchef Niklas Östberg bleibt.

Entgegen erster Aussagen von CEO Niklas Östberg hat sich Delivery Hero nun doch den Kartellauflagen der südkoreanischen Behörden gebeugt. Diese hatten Mitte November angekündigt, die geplante 4 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des koreanischen Essensbringdienstes Woowa durch Delivery Hero nur unter strengen Auflagen zu genehmigen.

Östberg und CFO Emmanuel Thomassin haben nun eingelenkt und zugesagt, als Gegenleistung für die Genehmigung des Woowa-Deals das eigene Korea-Geschäft zu verkaufen. Gemeinsam wären beide Anbieter in Südkorea auf einen Marktanteil von über 97 Prozent im Food-Delivery-Geschäft gekommen. 

Erst Closing, dann Exit

Aufgrund der Einigung rechnet Delivery Hero nun damit, die Woowa-Übernahme im ersten Quartal 2021 abschließen zu können. Anschließend haben die Berliner sechs Monate Zeit, um ihr eigenes Geschäft in Südkorea zu verkaufen.

Delivery Hero muss die bisherige koreanische Tochtergesellschaft betriebsseitig allerdings schon während des Verkaufsprozesses sowohl von Woowa als auch vom Rest des Konzerns abtrennen. Es dürfen auch keine Daten mehr zwischen den verschiedenen Einheiten ausgetauscht werden, ebenso wenig darf der Konzern noch Änderungen an Elementen wie Pricing, Bezahlung oder Benutzeroberfläche vornehmen. 

„Wir sind zutiefst betrübt über die geforderte Auflage, unsere Tochtergesellschaft in Südkorea zu veräußern“, kommentierte Östberg die neueste Entwicklung.„Wir werden intensiv daran arbeiten, dass der Übergang für alle betroffenen Mitarbeiter so reibungslos wie möglich verläuft.“

Marktbereinigung in Korea fällt aus

Ob der Unternehmer einlenkt, war bis zuletzt offen gewesen, da die Konsolidierung des südkoreanischen Marktes und die Beruhigung des Wettbewerbs das zentrale Motiv für die Woowa-Übernahme gewesen sein dürften. Nun könnte durch den Kauf von Delivery Hero Korea ein neuer starker Konkurrent in den Markt eindringen und dadurch eine Wettbewerbskonstellation kreieren, die letztlich jener vor dem Woowa-Deal wieder sehr stark ähnelt. Doch offensichtlich haben Woowas Stärken etwa in der Technologieentwicklung Delivery-Hero-CEO Östberg dazu bewogen, am Deal festzuhalten.

Im Zuge des Verkaufs von Delivery Hero Korea dürfte auch wieder frisches Geld in die Unternehmenskasse fließen, mit dem der Dax-Konzern in anderen Weltregionen zukaufen könnte. Immer wieder werden der Nahe Osten, Lateinamerika und vielleicht sogar China als interessante Märkte für große Zukäufe gehandelt.    

Delivery Hero setzt auf Singapur

In einem nächsten Schritt will der Berliner Dax-Konzern nun ein neues Joint Venture in Singapur aufstellen, in das er Woowa sowie das verbleibende eigene Asiengeschäft einbringen wird. Südostasien ist eine der wenigen Regionen, in denen Delivery Hero noch tiefrote Zahlen schreibt.

Östberg sieht dort jedoch enorme Chancen, insbesondere in dem bevölkerungsreichen und geografisch kompakten Südkorea: „Der Markt befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium und bietet enorme Möglichkeiten, die Kundenbasis zu vergrößern und auch in verwandte On-Demand-Dienste zu expandieren.“ Dazu zählt Delivery Hero zum Beispiel die Lieferung von Alltags- und Hygieneartikeln.

Die Investoren begrüßen offensichtlich das Ende der Hängepartie in Asien. In einer ersten Reaktion sprang der Aktienkurs von Delivery Hero von 118 auf 130 Euro hoch – ein neuer Kursrekord für den Dax-Neuling. Im Lauf des Vormittags gab die Aktie einen Teil ihrer Gewinne wieder ab, blieb aber solide über der 125-Euro-Marke.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de