Fortum-Kraftwerk in Finnland: Wagt der unerwünschte neue Großaktionär den schnellen Durchmarsch bei Uniper? Die UBS glaubt ja.

Fortum

05.01.18
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Neue Übernahmespekulationen um Uniper

Eine Studie der UBS sorgt für neuen Wirbel in der Causa Uniper/Fortum. Wagen die Finnen tatsächlich den Durchmarsch und bieten in Kürze 30 Euro je Aktie, um Uniper beherrschen zu können? Das Feld dafür ist bereitet.

Ein erneutes Aufflammen von Übernahmespekulationen heizt den Höhenflug der Uniper-Aktie weiter an. Im Blickpunkt steht ein neues Research-Papier der UBS. Darin schreibt Analyst Sam Arie, dass die UBS es für sehr wahrscheinlich hält, dass Fortum im Lauf des Jahres nicht nur den 47-prozentigen Uniper-Anteil von E.on, sondern auch noch im großen Stil weitere Aktien übernehmen wird.

Der finnische Stromkonzern Fortum hat sich mit der früheren Uniper-Mutter E.on auf einen Kaufpreis von 22 Euro je Aktie geeinigt. Das Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre läuft gerade, aber kaum jemand dürfte es annehmen, da das Uniper-Papier bereits klar über der 25-Euro-Marke notiert.

22 Euro sind zu wenig: Die Uniper-Aktie steigt und steigt

Lanciert Fortum ein neues Uniper-Angebot zu 30 Euro?

Die UBS skizziert nun folgendes Szenario: Nach Abschluss des laufenden Übernahmeangebots könnte Fortum versuchen, einen Beherrschungsvertrag über Uniper zu erlangen. Dafür müssten die Finnen auf einer Hauptversammlung aber mehr als 75 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Um das zu schaffen, dürfte das 47-Prozent-Paket von E.on allein nicht ganz reichen. UBS-Analyst Arie hält es daher für denkbar, dass Fortum den übrigen Uniper-Aktionären 30 Euro je Aktie bieten könnte, um die Kontrollschwelle zu überwinden. Im Schnitt würden die Finnen damit 26,20 Euro je Uniper-Aktie bezahlen, was nach den Berechnungen der UBS für Fortum immer noch wertschaffend wäre – vor allem auf Grund der zu erwartenden Synergien.

Die Uniper-Aktie reagiert mit Kursgewinnen auf das UBS-Papier. Am frühen Morgen ging es um fast 3 Prozent auf über 26 Euro nach oben. Im Lauf des Vormittags gab die Uniper-Aktie nur einen kleinen Teil dieser frühen Gewinne wieder ab.

US-Hedgefonds bauen ihre Machtposition aus

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Christopher Delbrück, Uniper SE

Christopher Delbrück beginnt seine Karriere 1995 als Berater und Projektleiter bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Nach einer Zeit als Managing Director bei Decision Warehouse Softwareunternehmen wechselt er 2002 zu E.on nach Düsseldorf. Dort ist er zunächst als Vice President Corporate Development für Zentraleuropa und European Gas tätig.

Von 2005 bis 2010 ist Delbrück als Managing Director, CFO und stellvertretender CEO bei E.on Sverige in Malmö tätig. 2010 kommt er als CFO von E.on Energy Trading zurück nach Deutschland. 2011 wird er in Personalunion auch CFO von E.on Ruhrgas und begleitet die Fusion der E.on Energy Trading mit E.on Ruhrgas zur E.on Global Commodities, wo er bis Oktober 2013 als CFO fungiert und 2013 zum CEO befördert wird.

Seit Anfang  2016 ist Delbrück CFO von Uniper. In dieser von E.on abgespaltenen Gesellschaft hat E.on die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel gebündelt. Uniper ist seit September 2016 als unabhängiges Energie-Unternehmen an der Börse gelistet.

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Die jüngsten Veränderungen in Unipers Aktionärsstruktur sprechen für ein solches Szenario. Im Dezember sind die beiden US-Hedgefonds Elliott und Knight Vinke bei Uniper eingestiegen. Gemeinsam halten sie inzwischen schon über 12,5 Prozent. Beide sind spezialisiert darauf, in laufende Übernahmeprozesse zu intervenieren, um höhere Übernahmeangebote zu erwirken. Bei Stada ist Elliott dies gelungen. Der Hedgefonds setzte dort gegenüber den Private-Equity-Häusern Cinven und Bain seine Forderung durch, das Übernahmeangebot von 66,25 auf 74,70 Euro je Aktie zu erhöhen. 

Für Fortum wäre ein derart hochpreisiger Durchmarsch bei Uniper jedoch ein finanzielles Wagnis. Schon die 3,7 Milliarden Euro, die die Finnen in Kürze an E.on zahlen müssen, sind ein großer Brocken: Sie entsprechen in etwa der Höhe des Jahresumsatzes, den Fortum derzeit erwirtschaftet. 

Teure Übernahme erhöht Zerschlagungsrisiko für Uniper

Die jüngsten Entwicklungen dürften die Sorgen bei Uniper wachsen lassen. Management und Belegschaft wehren sich bereits seit Monaten vehement gegen eine Übernahme durch Fortum. Erst vor wenigen Tagen hatte Uniper-Chef Klaus Schäfer kritisiert, dass Fortum nach wie vor nicht dazu bereit sei, die gemachte Zusage, Uniper nicht zu zerschlagen, schriftlich zu garantieren.

Im Fall einer zügigen Komplettübernahme wäre eine solche Verpflichtung auch kaum in Fortums Interesse. Spartenverkäufe wären ein wichtiges Mittel, um einen Teil des Kaufpreises zu refinanzieren. So spricht einiges dafür, dass der Essener Stromkonzern RWE als Käufer für den deutschen Kraftwerkspark von Uniper bereitstünde: RWE will explizit durch Übernahmen bestehender Kraftwerke wachsen und hat inzwischen auch wieder die nötige Schlagkraft dafür.

Uniper-CFO Delbrück ärgert sich über Fortum

„Wir verlangen Klarheit von Fortum.“

Christopher Delbrück, Uniper-CFO

Um eine Komplettübernahme durch Fortum abzuwehren, versucht die Uniper-Führung um CEO Schäfer und Finanzchef Christopher Delbrück, den Börsenwert ihres Konzerns so schnell wie möglich in die Höhe zu treiben. Anfang Dezember versprach Delbrück den Aktionären in einem FINANCE-Interview deutlich steigende Dividenden, ein besseres Kreditrating und die Prüfung von wertsteigernden Zukäufen.  

Zudem verschärfte Delbrück den Ton gegenüber dem künftigen Großaktionär: „Wir verlangen Klarheit von Fortum über die Strategie für das Szenario eines beherrschenden Einflusses.“ Zudem kritisierte er, dass Fortums Verhalten für so viel Ungewissheit im Unternehmen und unter seinen Investoren sorge, dass beispielsweise ein im Raum stehendes Rating-Upgrade auf sich warten lasse. „Das ist sehr ärgerlich“, sagte Delbrück. 

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Viele Infos über den Uniper-CFO und mehr Hintergründe zum Übernahmeprozess bei Uniper finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Christopher Delbrück.