Uniper

04.12.17
CFO

Uniper-CFO Delbrück: „Härteste Entschuldungsphase liegt hinter uns“

Unmittelbar vor dem wahrscheinlichen Einstieg des Großaktionärs Fortum hat Uniper ein Strategie- und Finanz-Update angekündigt. CFO Christopher Delbrück sprach mit FINANCE über die Finanzlage und offene Fragen zum Fortum-Einstieg.

Seit der Trennung von der früheren Mutter E.on und dem Börsengang im Herbst 2016 ist das Energieunternehmen Uniper kaum zur Ruhe gekommen. Das Management musste nicht nur die Verschuldung deutlich senken, sondern wehrt sich derzeit auch gegen eine mögliche Kontrollübernahme durch den finnischen Wettbewerber Fortum, der E.on im Januar ein 47 Prozent schweres Uniper-Aktienpaket abkaufen möchte

Für Donnerstag haben die Düsseldorfer nun ein „Financial and Strategic Update“ angekündigt, auf dem das Management „eine Aktualisierung der finanziellen Parameter und Pläne des Konzerns“ vorstellen will. CFO Christopher Delbrück gibt im FINANCE-Interview vorab einen Einblick, wie es um Uniper finanziell steht, und wo die strategische Reise hingehen soll – ob mit oder ohne neuen Großaktionär. 

Sie haben für Donnerstag ein strategisches und finanzielles Update angekündigt. Auch wenn Sie Details noch nicht verraten können: Haben Sie gute oder schlechte Neuigkeiten? 
Es sind gute Nachrichten: Wir haben die erste Phase unserer Strategie, in der wir insbesondere die Schuldenlast senken wollten, erfolgreich abgeschlossen. Da die härteste Entschuldungsphase nun hinter uns liegt, vergrößert sich unser Spielraum für strategische Investments. Uniper wird auch weiterhin nicht mit Milliardendeals von sich reden machen. Wir wollen uns Schritt für Schritt entwickeln. Neben organischem Wachstum sind aber auch M&A-Transaktionen im unteren dreistelligen Millionenbereich vorstellbar.

Den größeren finanziellen Spielraum verdanken Sie vor allem dem im Frühjahr angekündigten Verkauf Ihrer 25-Prozent-Beteiligung an dem sibirischen Gasfeld Yushno Russkoje, der am Freitag abgeschlossen wurde. Auf welches Niveau können Sie die Nettoverschuldung mit den frischen Mitteln senken? 
Uns sind durch den Verkauf rund 1,72 Milliarden Euro netto zugeflossen. Diese setzen sich zusammen aus dem Kaufpreis von rund 1,75 Milliarden Euro, bereinigt um Cash-Bestände und bereits gezahlte Dividenden. Unser Ziel, den Verschuldungsgrad komfortabel unter das Zweifache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zu senken, haben wir damit erreicht – und gewinnen dadurch in vielerlei Hinsicht Flexibilität. Die Angabe der Nettoverschuldung beinhaltet immer auch stichtagsbezogene Effekte und lässt sich daher nicht genau vorhersagen. Wir gehen aber derzeit davon aus, dass wir zum Jahressende unsere wirtschaftliche Nettoverschuldung auf rund 2,5 Milliarden Euro gesenkt haben werden. 

Uniper hat im August seine Prognose für das Jahr 2017 leicht erhöht: Das um nicht-operative Effekte bereinigte Ergebnis des Konzerns vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll am Jahresende bei 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro liegen. Sind Sie auf Kurs?

Wir haben in den vergangenen Monaten nicht nur die Verschuldung abgebaut, sondern auch unsere Kostenstruktur verbessert. Ich sehe Uniper auf einem guten Weg. Die Zielvorgabe zum Ebit für dieses Jahr werden wir erreichen. 

Christopher Delbrück, Uniper SE

Christopher Delbrück beginnt seine Karriere 1995 als Berater und Projektleiter bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Nach einer Zeit als Managing Director bei Decision Warehouse Softwareunternehmen wechselt er 2002 zu E.on nach Düsseldorf. Dort ist er zunächst als Vice President Corporate Development für Zentraleuropa und European Gas tätig.

Von 2005 bis 2010 ist Delbrück als Managing Director, CFO und stellvertretender CEO bei E.on Sverige in Malmö tätig. 2010 kommt er als CFO von E.on Energy Trading zurück nach Deutschland. 2011 wird er in Personalunion auch CFO von E.on Ruhrgas und begleitet die Fusion der E.on Energy Trading mit E.on Ruhrgas zur E.on Global Commodities, wo er bis Oktober 2013 als CFO fungiert und 2013 zum CEO befördert wird.

Seit Anfang  2016 ist Delbrück CFO von Uniper. In dieser von E.on abgespaltenen Gesellschaft hat E.on die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel gebündelt. Uniper ist seit September 2016 als unabhängiges Energie-Unternehmen an der Börse gelistet.

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Uniper-Management lehnt Fortum-Angebot ab

Sie und Ihre Management-Kollegen wehren Sie sich derzeit gegen den Einstieg der finnischen Fortum, die den E.on-Aktienanteil an Uniper übernehmen möchte. Ein Scheitern gilt als unwahrscheinlich, da E.on den Finnen dann eine stattliche Break-up-Fee von mindestens 750 Millionen Euro zahlen müsste. Ihren weiteren Aktionären empfehlen Sie aber, das Angebot abzulehnen. Was spricht aus der Uniper-Perspektive gegen den Deal?
Unser Aktienkurs liegt derzeit deutlich über dem Fortum-Angebot von 21,31 Euro. Zum 1. Dezember ist unsere Aktie in den Deutschland-Index des Anbieters MSCI aufgenommen worden, was dem Aktienkurs einen weiteren Schub auf Werte um 25 Euro gegeben hat, da viele institutionelle Investoren sich an diesem Index orientieren. Das Angebot von Fortum ist aus unserer Sicht finanziell nicht attraktiv und spiegelt das langfristige Potential der Uniper nicht wider. Fortum bietet keinen überzeugenden strategischen Nutzen für Uniper und keine bessere Alternative zur geplanten eigenständigen Weiterentwicklung. In Bereichen wie unserem starken globalen Handelsgeschäft ist Fortum nicht präsent. Zudem ist das Risiko einer möglichen Beherrschung durch Fortum im Übernahmeangebot nicht eingepreist - erfahrungsgemäß liegen derartige Kontrollprämien bei 25 bis 30 Prozent Aufschlag und mehr.

Fortum muss nach der Übernahme des E.on-Anteils nicht zwingend Mehrheitsaktionär werden, wird aber die Mehrheit auf der Hauptversammlung stellen. Mit welchen Auswirkungen für Ihre Unternehmensstrategie rechnen Sie durch den Fortum-Einstieg?
Fortum selbst bezeichnet sich als strategischer Investor. Den Angaben in den Angebotsunterlagen zufolge wollen sie Strategie und Management unterstützen und an der Dividendenentwicklung von Uniper partizipieren. Über einen Platz im Aufsichtsrat könnte Fortum sich ebenfalls einbringen. Offen ist aber, was passiert, wenn Fortum einen beherrschenden Einfluss erlangen sollte. Hierzu gibt es keinerlei Aussagen im Übernahmeangebot.

Für diesen Fall müssten die Finnen so viele Aktien einsammeln, dass sie auf der Hauptversammlung auf eine Dreiviertelmehrheit kämen. Denkbar wären dann drastische Entscheidungen vom Börsenrückzug bis zur Zerschlagung von Uniper. Wie gehen Sie mit diesen Szenarien um?
Wie Fortums Strategie für das Szenario eines beherrschenden Einflusses aussieht, geht aus den Angebotsunterlagen leider nicht hervor. Hier verlangen wir Klarheit. Gemessen an der bisherigen Präsenzquote auf unserer Hauptversammlung wäre ein beherrschender Einfluss bereits ab etwa 55 Prozent Aktienanteil denkbar. Wir stehen mit Fortum in Gesprächen und hoffen, dass wir gemeinsam zu einer weiteren Klärung kommen. Wir haben uns aber darauf verständigt, den Inhalt dieser Gespräche nicht öffentlich zu machen.

Fortum-Einstieg vereitelt Unipers Rating-Upgrade

Sie hatten gehofft, nach Abschluss der Yushno-Russkoje-Transaktion von S&P ein Rating-Upgrade auf BBB zu bekommen, das S&P nun aber erst einmal ausgesetzt hat – ausgerechnet wegen der Fortum-Offerte. Frustriert Sie das?
Es ist natürlich sehr ärgerlich, wenn man die Früchte der eigenen Arbeit nicht sofort ernten kann. S&P geht es darum, zu verstehen, wie weit Fortum künftig beispielsweise Einfluss auf die Finanzpolitik der Uniper nehmen könnte. Auch dies hängt davon ab, ob Fortum einen beherrschenden Einfluss erhält und wie sie in diesem Fall agiert. Wenn sich die Situation geklärt hat und Fortum diesen beherrschenden Einfluss nicht erlangt oder nicht ausübt, rechnen wir aber mit dem Upgrade durch S&P. Leider kann sich die Fortum-Transaktion aufgrund erforderlicher regulatorischer Freigaben aber noch über Monate hinziehen, womöglich bis in den Herbst 2018.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Uniper-Finanzchefs finden Sie im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe auf der Seite von Christopher Delbrück.