Osram und Continental lösen ihr Joint-Venture im Automobilbereich auf. Der Grund dafür sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise.

Continental

23.09.20
Deals

Osram und Continental ziehen die Reißleine bei Joint-Venture

Osram und Continental lösen ihr Automotive-Joint-Venture auf. Damit endet eine enttäuschende, rund zweijährige Partnerschaft mit hohen Verlusten und Abschreibungen – Osrams neuer Eigentümer AMS dürfte das positiv sehen.

Nach rund zwei gemeinsamen Jahren ist bald Schluss: Osram und Continental wollen ihr Joint-Venture für Automobilbeleuchtungen auflösen. Wie beide Unternehmen mitteilten, verhandeln sie derzeit darüber, wie sie die jeweils eingebrachten Geschäftsbereiche wieder aus dem Gemeinschaftsunternehmen herauslösen und in die Mutterkonzerne re-integrieren sollen.

Bis zum Ende dieses Jahres wollen Osram und Continental die Verhandlungen abschließen. Die komplette Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens – bis die Prozesse wieder entflochten und neu zusammengeführt sind – dürfte aber noch wesentlich länger dauern.


Betroffen von der Auflösung von „Osram Continental“ sind weltweit 14 Standorte mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Derzeit sind beide Konzerne mit jeweils 50 Prozent an dem Joint-Venture beteiligt, konsolidiert wird das Joint-Venture allerdings im Geschäftsbereich Automotive (AM) von Osram. Der Entscheidung müssen noch die zuständigen Aufsichtsgremien zustimmen.

Die Auflösung des Joint-Ventures soll keine Auswirkungen auf Kundenbeziehungen haben, wie beide Konzerne betonen: Sie wollen auch künftig miteinander „verbunden bleiben“ – insbesondere weil die industriellen Aspekte, die zur Gründung des Joint-Ventures geführt haben, noch immer gültig seien, so Osram.

Corona verschärft Automotive-Krise

Der finale Auslöser für diese Entscheidung ist die Coronavirus-Krise: Durch die Pandemie hat sich das Marktumfeld in den vergangenen Monaten erheblich eingetrübt, zudem hat sich die Krise „anders als erwartet entwickelt“, so Osram. Das hat die sowieso schon bestehende Krise in der Automobilindustrie noch weiter verschärft – ein Effekt, den auch das Joint-Venture über eine rückläufige Nachfrage gespürt haben dürfte.

Continental findet sogar noch deutlichere Worte: Der Automobilzulieferer rechnet nicht vor dem Jahr 2025 mit einer Rückkehr der weltweiten Fahrzeugproduktion auf das Vorkrisenniveau von 2017. Daher lassen sich „die einstigen gemeinsamen Erwartungen an das profitable Wachstum des Gemeinschaftsunternehmens nicht mehr realisieren.“

Osram und Continental leiden unter Corona

Sowohl Osram als auch Continental wurden von der Coronakrise nun heftig erwischt. Bei Osram brach der Umsatz im dritten Quartal dieses Jahres um fast 30 Prozent auf 606 Millionen Euro ein, unter Druck gerieten alle Segmente. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rutschte im dritten Quartal sogar ins Minus, Osram schrieb einen Verlust von 27 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein Plus von 58 Millionen Euro zu Buche.

Auch Continental musste im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von über 40 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro verkraften. Düsterer sah es nur noch beim Ebitda aus: Dieses sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,5 Milliarden Euro auf minus 108 Millionen Euro ab.

Osram und Continental schrieben Joint-Venture ab

Mit der Rückführung der einzelnen Standorte in den jeweiligen Mutterkonzern findet eine rund zweijährige Kooperation ihr Ende. Im November 2017 wurden die Joint-Venture-Pläne von Osram und Continental bekannt. Damals planten die Unternehmen, Lichttechnologien mit Elektronik und Software zu vereinen. Die Produkte sollten dann in der Automotive-Industrie zum Einsatz kommen und einen Jahresumsatz im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erzielen.

Doch es kam anders: Das Joint-Venture schrieb sowohl im Jahr 2018 als auch im Jahr 2019 Verluste. 2018 lag der Verlust nach Steuern bei knapp 21 Millionen Euro, im Jahr darauf waren es sogar schon minus 107 Millionen Euro. In der Folge mussten daher beide Konzerne im vergangenen Jahr Abschreibungen auf das Joint-Venture vornehmen.

Osram schrieb 2019 Geschäfts- oder Firmenwerte von insgesamt 210 Millionen Euro ab, „vor allem im Zusammenhang mit Osram Continental“, wie es hieß. Das Gemeinschaftsunternehmen blieb sogar so weit hinter den Erwartungen zurück, dass das Margenziel der gesamte Sparte, in der das Joint-Venture bei Osram konsolidiert wird, wackelte. Auch Continental hatte wenig Freude mit dem Joint-Venture: Der Autozulieferer musste im vergangenen Jahr den kompletten Buchwert des Joint-Ventures von knapp 158 Millionen Euro wertberichtigen.

AMS schließt Beherrschungsvertrag mit Osram ab

Die Auflösung des Joint-Ventures dürfte aber auch eine Partei in dem Geflecht freuen, nämlich Osram-Mehrheitsaktionär AMS. Die Österreicher, die Osram Anfang dieses Jahres übernommen hatten, hatten schon vor dem Ausbruch der Coronakrise deutlich gemacht, dass sie das Osram-Portfolio auf den Prüfstand stellen wollen. Das Sorgenkind Osram Continental dürfte dabei keine gute Position gehabt haben.

Derweil hat AMS die Übernahme von Osram weiter vorangetrieben: Der Sensorspezialist hat jetzt einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abgeschlossen, in dessen Rahmen die verbliebenen Osram-Aktionäre aus dem Unternehmen herausgedrängt werden („Squeeze-out“).

Dafür erhalten sie eine Abfindung, die sich sehen lassen kann: AMS bietet 44,65 Euro je Osram-Aktie – das liegt deutlich über der AMS-Offerte von 41 Euro und auch über dem Kurs von Osram, der am Dienstagabend bei rund 43 Euro schloss.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den Münchener Lichtkonzern erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Osram. Alles Wichtige rund um die Auswirkungen der Coronakrise finden Sie auf unserer Themenseite zum Coronavirus.