Stada

08.06.17
Deals

PE-Häuser kämpfen verzweifelt um Stada

Die geplante Übernahme von Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven wackelt, erst ein Fünftel der Aktionäre hat die Offerte angenommen. Jetzt senken die PE-Häuser ihre Anforderungen, um den Deal noch zu retten.

Die PE-Investoren Bain und Cinven müssen weiter bangen, ob die Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada gelingen wird. Die zwei Bieter haben die Annahmefrist, die heute ausgelaufen wäre, um zwei Wochen auf den 22. Juni verlängert und zugleich die Mindestannahmeschwelle von 75 auf 67,5 Prozent gesenkt. Hintergrund: Bis gestern Mittag hatte erst gut jeder fünfte Stada-Aktionär (21,5 Prozent) die Offerte der Finanzinvestoren angenommen.

Zwar ist es bei Übernahmen nicht ungewöhnlich, dass Aktionäre ihre Anteilsscheine erst kurz vor Ende der Annahmefrist verkaufen. Doch die Stada-Käufer könnten sich zu hohe Hürden gesetzt haben: Rund 29 Prozent der Anteile an dem hessischen MDax-Konzern lagen Stand Ende März in den Händen von Privatinvestoren. Diese hätten sich „bisher niedriger als erwartet“ an dem Angebot beteiligt, teilten Bain und Cinven über ihr Übernahmevehikel Nidda Healthcare mit. Weitere 10 Prozent der Stada-Aktien halten zudem Indexfonds, die ihre Anteile während der Annahmefrist nicht andienen können.

Bain und Cinven müssen Stada-Angebot nachjustieren

Deshalb senken die Finanzinvestoren nun ihre Ansprüche: Damit die Übernahme zustande kommt, müssen nun nur noch 67,5 Prozent der Investoren das Angebot annehmen. Bei einem Streubesitz von 100 Prozent ist das immer noch ein ambitioniertes Ziel. Finanzinvestoren haben allerdings immer ein Interesse, möglichst ungestört von freien Aktionären bei ihren M&A-Targets durchregieren zu können. Deshalb sind Public-to-Privates – die Übernahme börsennotierte Konzerne wie Stada – im Private-Equity-Bereich auch selten. Bain und Cinven weisen darauf hin, dass es rechtlich unmöglich sei, die Annahmeschwelle ein weiteres Mal zu senken.

Eine weitere Verlängerung des Übernahmepokers ist damit nicht mehr möglich: Die Finanzinvestoren betonen, dass die Offerte scheitern werde, wenn die Marke von 67,5 Prozent bis zum 22. Juni verfehlt werde. Nur sofern am 22. Juni um Mitternacht die neue Quote erreicht sei, hätten die verbleibenden Aktionäre noch Zeit bis zum 11. Juli, um Bain und Cinven ihre Anteile anzudienen.

Das Stada-Management um CEO Matthias Wiedenfels und CFO Helmut Kraft teilte mit, dass es das Angebot der Finanzinvestoren weiterhin unterstützt.

Finanzinvestoren bieten 5,3 Milliarden Euro für Stada

Bain und Cinven hatten sich im April in einem heißen Bieterwettstreit um Stada gegen ein Konsortium der PE-Häuser Advent und Permira durchgesetzt: Die zwei Finanzinvestoren bieten für das Bad Vilbeler Unternehmen 66 Euro pro Aktie und bewerten Stada inklusive Schulden mit 5,3 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte des Kaufpreises wollen die PE-Häuser fremdfinanzieren.

Vor zwei Wochen hätte das Rennen dann fast eine neue Wendung genommen: Der chinesische Stada-Wettbewerber Shanghai Pharmaceuticals soll gemeinsam mit den beiden zunächst unterlegenen Finanzinvestoren Advent und Permira ein Gegenangebot für das Unternehmen geprüft haben. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge konnten sich die drei Häuser aber nicht auf ein neues Gebot einigen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Die ganze Chronologie des Übernahmekampfes und der Aktivistenkampagne bei dem Pharmaunternehmen finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Stada.