Schlechte Nachrichten für Tom Tailor: Das Modeunternehmen hat für den Verkauf seiner Krisentochter Bonita von den Banken keine Zustimmung erhalten.

Tom Tailor

03.06.19
Deals

Tom Tailor darf Bonita nicht verkaufen

Wieder schlechte Nachrichten bei Tom Tailor: Das Modehaus darf seine kriselnde Tochter Bonita nicht verkaufen. Der Verkauf galt als wichtiger Befreiungsschlag aus der Krise.

Tom Tailor muss schon wieder einen Rückschlag verkraften: Das Hamburger Modehaus darf seine Krisentochter Bonita nicht wie vereinbart verkaufen. Wie Tom Tailor am Freitag nach Börsenschluss mitteilte, haben die Konsortialbanken dem Verkauf von Bonita nicht mit der ausreichenden Mehrheit zugestimmt. Das Bankenkonsortium von Tom Tailor besteht aus acht Banken, angeführt von BNP Paribas, LBBW sowie Unicredit.

Der Tom-Tailor-Vorstand findet dafür klare Worte: „Wir sind sehr enttäuscht über diese Entwicklung“, lässt sich CEO Heiko Schäfer zitieren. „Zum einen, da der Verkauf von Bonita trotz aller Bemühungen nicht zum Abschluss kommt. Zum anderen, weil wir dies nach wie vor als beste Option betrachten.“

Der Vorstand werde sich zwar weiter bemühen, die Zustimmung der Banken zu erhalten, halte diese aber für unwahrscheinlich. Daher prüft Tom Tailor nun „sämtliche strategische Alternativen“ für Bonita. Auch eine Wiederaufnahme des Verkaufsprozesses sei nicht ausgeschlossen. Parallel sollen die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen „weiter intensiviert“ werden.

Bonita sollte ursprünglich an Victory & Dreams gehen

Dabei schien bereits im März dieses Jahres der Bonita-Verkauf in trockenen Tüchern, als Tom Tailor mit der niederländischen Victory & Dreams International einen Kaufvertrag abgeschlossen hatte. Die kriselnde Tochter ist eine große Belastung für gesamten Konzern, Tom Tailor musste den Markenwert von Bonita, den das Modehaus bei 184,5 Millionen Euro ansetzt, mittlerweile komplett abschreiben.

Und auch schon einen Monat zuvor sah die Situation bei dem angeschlagenen Modehaus hoffnungsvoll aus, als sich der chinesische Großaktionär Fosun zu einer 8,6 Millionen Euro schweren Finanzspritze bereit erklärte. Das frische Kapital der Chinesen, die aktuell 35,35 Prozent an Tom Tailor halten, braucht CFO Thomas Dressendörfer dringend, um Tom Tailor wirtschaftlich zu stabilisieren.

Banken, Fosun und Tom Tailor werden sich nicht einig

Doch zuletzt verdüsterte sich die Lage wieder: Überraschend gab das Modehaus vor wenigen Wochen zu, dass sich die Verhandlungen mit den Konsortialbanken und Fosun „entgegen der Einschätzungen des Vorstandes als zunehmend schwieriger“ gestalteten. Es war sogar offen, „ob und wann die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen werden“. Bereits damals war klar, dass die Unstimmigkeiten auch den Verkauf von Bonita betreffen. Zudem stand ein Fragezeichen hinter der Art und Höhe weiterer Kapitalzusagen von Fosun.

FINANCE-Köpfe

Thomas Dressendörfer, Tom Tailor Holding AG

Seine Karriere startet Dressendörfer 1984 in der Finanzabteilung des Automatisierungstechnikunternehmens Baumüller in Nürnberg. Vier Jahre später wechselt er in den Finanzbereich des Konsumgüterherstellers Procter & Gamble. Im Jahr 2000 geht Dressendörfer zu dem Analysehaus The Nielsen Company, wo er sieben Jahre tätig ist.

2007 wird Dressendörfer Finanzchef des Personaldienstleisters Randstad Deutschland. Im Jahr darauf wechselt er als CFO in die Schweiz zu Uster Technologies. Dort bleibt er auch, ab Ende 2011 aber bei einem anderen Arbeitgeber, dem Implantatehersteller Straumann, wo er 2012 den CFO-Posten übernimmt.

Im Juni 2015 gibt er bei Straumann das Amt ab und macht sich selbstständig als Berater für Unternehmen, die komplexe Geschäftsprojekte oder Turnarounds umsetzen müssen.

Mitte Juni 2016 übernimmt Dressendörfer, der während seiner beruflichen Tätigkeit auch Auslandsaufenthalte in Spanien, Belgien und Großbritannien absolviert hat, den CFO-Posten bei dem Bekleidungshersteller Tom Tailor

zum Profil

Vergangene Woche stürzte Fosun dann auch noch den Aufsichtsrat von Tom Tailor: Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Tochtermann musste Platz für die Fosun-Managerin Jenny Shao machen. Zudem übernahm Fosun-Fashion-Group-CFO Michael Chau den frei werdenden Platz im Tom-Tailor-Aufsichtsrat. Mit dieser Handlung strebe Fosun „in der derzeitigen Sondersituation eine größere Repräsentanz im Aufsichtsrat an“, erklärte Tom Tailor.

Derweil warten die Aktionäre immer noch auf die Zahlen des Modehändlers: Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses sowie die Hauptversammlung hat Tom Tailor wegen der stockenden Verhandlungen auf einen unbestimmten Termin verschoben. Mit jeder weiteren schlechten Nachricht scheint eine Rettung des Modehauses unwahrscheinlicher zu werden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Wie es zu der Finanzierungskrise des bekannten Modehauses kam und wie die Akteure bislang agiert haben, können Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Tom Tailor nachlesen.