Großaktionär Fosun hat Tom-Tailor-Aufsichtsratschef Thomas Tochtermann gestürzt.

Sabine Skiba/Tom Tailor

29.05.19
Finanzierungen

Fosun spielt hart bei Tom Tailor

Großaktionär Fosun hat den Aufsichtsratschef von Tom Tailor gestürzt. Dabei sind die Chinesen beim Ringen mit den Banken um eine rettende Finanzspritze für das Modehaus eigentlich in der Defensive.

Der chinesische Finanzinvestor Fosun hat den Aufsichtsratschef seiner deutschen Beteiligung Tom Tailor gestürzt. Der Unternehmensberater und Modeexperte Thomas Tochtermann übergibt den Aufsichtsratsvorsitz an die Fosun-Managerin Jenny Shao. Den frei werdenden Platz im Aufsichtsrat übernimmt der CFO der Fosun Fashion Group, Michael Chou. Tochtermann war seit 2017 Aufsichtsratschef von Tom Tailor und sitzt darüber hinaus noch dem Aufsichtsrat der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano vor. Auch diesen Posten wird Tochtermann in wenigen Wochen abgeben.

„In der derzeitigen Sondersituation strebt Fosun eine größere Repräsentanz im Aufsichtsrat an“, erklärt Tom Tailor die Personalrochade. Damit spielt Tom Tailor auf die sich weiter zuspitzende Finanzierungssituation an. Die Gespräche zwischen CFO Thomas Dressendörfer, Fosun und den Banken, die bis in den März hinein noch auf gutem Weg zu sein schienen, ziehen sich gefährlich lange hin

Fosun steckt eigentlich in der Defensive

Wegen gewaltiger Abschreibungen in Höhe von fast 200 Millionen Euro auf die kriselnde Tochter Bonita hat Tom Tailor die Covenants des alten Kreditvertrags gebrochen. Für die Erneuerung ihres Kreditrahmens fordern die Banken einen weiteren Finanzierungsbeitrag von Fosun, obwohl die Chinesen im Wege einer Kapitalerhöhung schon im Februar 8,6 Millionen Euro  in Tom Tailor gepumpt hatten.

Im Zuge dieser kleinen Finanzspritze hat Fosuns Anteilsbesitz die 30-Prozent-Schwelle überschritten. Dies hat ein Übernahmeangebot zu 2,31 Euro je Tom-Tailor-Aktie ausgelöst, das in wenigen Tagen ausläuft, von den Aktionären im Rahmen einer Verlängerungsfrist aber noch bis Ende Juni angenommen werden kann.

Dieses Angebot bringt Fosun an und für sich in eine prekäre Situation. Brächen die Banken die Verhandlungen ab und stürzten Tom Tailor in die Insolvenz, könnten die übrigen Aktionäre sich in das Übernahmeangebot flüchten. Fosun müsste dann für den Kauf einer insolventen Firma noch über 60 Millionen Euro zahlen, ohne dass davon 1 Euro in der Unternehmenskasse ihrer notleidenden Beteiligung landen würde.

Der Zeitdruck für Tom Tailor nimmt zu

Gleichzeitig wächst auch der Zeitdruck: In den nächsten Wochen müssen die Modehändler die Herbst-Winter-Kollektion ordern, auch Tom Tailor. Dafür benötigen die Hamburger einen stabilen Kreditrahmen, sonst droht der Einbruch des operativen Geschäfts. Erschwerend hinzu kommt, dass der im März angekündigte Verkauf der kriselnden Tochter Bonita wegen der stockenden Finanzierungsgespräche immer noch nicht in trockenen Tüchern ist. Dies ist eine schwere Belastung für den gesamten Konzern. Während die Kernmarke Tom Tailor operativ profitabel ist, hat Bonita im ersten Quartal in jedem Monat auf Ebitda-Basis über 4 Millionen Euro verbrannt.

Der Sturz von Aufsichtsratschef Tochtermann dürfte das Ansehen der Chinesen bei der Tom-Tailor-Führung und den Banken nicht erhöht haben. Dass Fosun dabei mit aller Härte vorgegangen ist, deutet Tom Tailor in seiner Kapitalmarktmitteilung an: „Fosun sieht eine größere Repräsentanz im Aufsichtsrat als eine der Voraussetzungen für seine weitere Teilnahme an den Finanzierungsdiskussionen an.“   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie es zu der Finanzierungskrise des bekannten Modehauses kam und wie die Akteure bislang agier haben, können Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Tom Tailor nachlesen.