VW-Tochter Traton will die Präsenz in den USA stärken und Navistar übernehmen.

Traton

31.01.20
Deals

VW im M&A-Fieber

Die VW-Tochter Traton will sich mit einem milliardenschweren Deal in den USA verstärken – und muss vielleicht noch drauflegen. Derweil gibt Volkswagen eine Sparte an einen PE-Investor ab.

Bei dem Autobauer Volkswagen stehen alle Zeichen auf M&A: Auf der Agenda befindet sich ein milliardenschwerer Zukauf in den USA. Die börsennotierte LKW-Tochter Traton will für 2,9 Milliarden Dollar alle restlichen Anteile an dem US-Konkurrenten Navistar übernehmen. Schon jetzt hält die VW-Tochter 16,8 Prozent der Aktien an dem Wettbewerber. Seit 2017 arbeiten die beiden LKW-Hersteller in einer strategischen Allianz zusammen.

35 Dollar will Traton pro Aktie in bar auf den Tisch legen. Das entspricht einer Prämie von 45 Prozent auf den Schlusskurs von Navistar am 29. Januar. Blickt man allerdings auf den 90-Tages-volumengewichteten Durchschnittskurs schrumpft diese Prämie auf 19 Prozent zusammen – und das könnte nicht genug sein. Nachdem die Offerte bekanntgegeben wurde, schoss der Aktienkurs des US-Unternehmens um mehr als 50 Prozent nach oben und liegt zwischenzeitlich mit mehr als 36 Dollar über dem Angebotspreis der Wolfsburger.

Traton wird den bekannten US-Investor Carl Icahn, der mit 16,9 Prozent der größte Aktionär von Navistar ist, überzeugen müssen. Mark Rachesky’s aktivistischer Fonds MHR Fund Management hält ebenfalls Anteile über mehr als 16 Prozent an dem US-Unternehmen.

Kehrtwende bei Traton und Navistar

Unter dem Traton-Dach sind die LKW-Sparten Scania und MAN gebündelt. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in Europa und Südamerika. In Nordamerika ist Traton dagegen wenig präsent, weshalb sich das Geschäft mit Navistar gut ergänzen würde. Nach dem Zusammenschluss wäre der neue Konzern besser gerüstet „um den Herausforderungen neuer Regulierungen und sich dynamisch entwickelnder Technologien in den Bereichen Konnektivität, Antrieb und autonomes Fahren zu begegnen“, argumentiert Traton.

Das Angebot für Navistar kommt überraschend. Nach dem Börsengang von Traton im Juni 2019 war zwar bereits über einen solchen Schritt spekuliert worden. Diesen Überlegungen hatte Traton CFO Christian Schulz im vergangenen Jahr aber noch eine klare Absage erteilt: „Alle Vorteile, die wir uns von der Zusammenarbeit mit Navistar versprechen, können wir auch mit Verträgen regeln“, sagte er im Interview mit FINANCE (Ausgabe September/Oktober 2019). M&A-Aktivitäten seien derzeit keine geplant, hieß es damals.

Traton geht davon aus, dass die vorgeschlagene Transaktion bis Ende 2020 abgeschlossen werden könnte. Ob es aber tatsächlich zu dem Deal kommt, ist noch offen. Navistar selbst spricht von einem „unaufgefordert erbrachtem Angebot“ und will den Vorschlag prüfen. Traton-Hauptaktionär Volkswagen, der noch knapp 90 Prozent an der Tochter hält, wiederum hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, Mittel zur Finanzierung des Deals bereitzustellen. Ein Milliardendeal könnte zudem für Traton auch die Gelegenheit sein, ein eigenes Profil am Fremdkapitalmarkt aufzubauen.

FINANCE-Köpfe

Christian Schulz, Traton SE

1999 beginnt Christian Schulz seine berufliche Laufbahn bei dem Autobauer Daimler. Nach verschiedenen Funktionen im Bereich Finanzen, Controlling und Risk Management in der Lkw-Sparte von Daimler übernimmt er 2006 die Leitung Finanzen & Controlling für den Produktbereich Getriebe und das Werk Gaggenau. Von 2008 bis 2011 verantwortet er als Direktor die Finanzbereiche für Einkauf, Produktion und Entwicklung der Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso Truck & Bus in Tokio. 2011 wechselt Schulz zu der Pkw-Sparte Mercedes-Benz, wo er bis 2016 als Direktor die weltweiten Controlling Operations (Produktion und Einkauf) sowie die wesentlichen globalen Beteiligungen des Unternehmens verantwortet.

Anfang 2017 verlässt Schulz den Daimler-Konzern und wechselt zu Volkswagen Truck & Bus, der Lkw-Sparte des Wolfsburger Autokonzerns Volkswagen. Dort ist er zunächst für die Bereiche Unternehmensentwicklung, Strategie und M&A verantwortlich, bis er im Juni 2018 zum CFO der VW-Sparte befördert wird, die kurz darauf in Traton umfirmiert wird.

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Volkswagen gibt Renk an PE-Investor Triton ab

Zeitgleich zu der Ankündigung des erhofften Milliardendeals hat der Volkswagenkonzern auch einen Verkauf zu vermelden: VW gibt seinen Anteil an dem Großgetriebehersteller Renk an den Private-Equity-Investor Triton ab. 76 Prozent der Anteile wechseln damit für 97,80 Euro je Aktie, vorbehaltlich einer Anpassung durch die Dividende, den Besitzer. Die Aktie notierte zuletzt um die 109 Euro. Volkswagen fließen durch den Deal rund 530 Millionen Euro zu, der Buchwertgewinn nach IFRS beträgt 150 Millionen Euro.

Volkswagen ist dabei, sich stärker auf seine Kernaktivitäten zu fokussieren, und hat im Zuge dessen einige Sparten ins Schaufenster gestellt. „Der Börsengang von Traton war ein erster wichtiger Schritt zur Fokussierung auf unsere Kernaktivitäten. Mit der Veräußerung der Renk-Anteile setzen wir diesen Weg im Rahmen unserer Strategie „Together2025+“ konsequent fort“, kommentiert VW-CFO Frank Witter die Transaktion. VW sucht auch einen Käufer für den Großmotorenbauer MAN Energy Solutions, der Verkauf stockte aber zuletzt laut Medienberichten.

Triton gibt Angebot für restliche Renk-Anteile ab

Triton setzt sich in dem Renk-Deal der Nachrichtenagentur Reuters zufolge gegen den schwedischen Finanzinvestor EQT durch. Triton hat im Zuge des Deals nach Angaben von VW langfristige Standort- und Beschäftigungsgarantien für die drei deutschen Betriebsstandorte gegeben und zugesagt, die Rechtsform und den Hauptfirmensitz zu erhalten. Alle Geschäftsfelder sollen zudem erhalten bleiben.

Auch die verbleibenden Anteile an dem Getriebehersteller will sich der Investor noch sichern. Dafür hat Triton ein freiwilliges Übernahmeangebot an alle Anteilseigner von Renk angekündigt. Der Preis der Offerte steht noch nicht fest. Sofern er sich an dem Durchschnittkurs der vergangenen 3 Monate orientiert, könnte Triton noch einmal bis zu 180 Millionen Euro drauflegen.

Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt der regulatorischen Freigaben. Der Deal zwischen Triton und VW soll Anfang 2021 vollzogen werden und ist nicht von dem Ausgang des freiwilligen Angebots abhängig.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de