Wirecard gelingt der lang ersehnte Markteintritt in den USA: Die Bayern übernehmen den US-Kartenanbieter Citi Prepaid Card Services.

Ultima Gaiana_Thinkstock_Getty Images

30.06.16
Deals

Wirecard wagt Großakquisition in den USA

Mit dem Erwerb des Kartenanbieters Citi Prepaid schafft Wirecard den lang ersehnten Markteintritt in den USA. Der Deal ist auch ein Signal an den Markt, dass bei Wirecard langsam wieder Ruhe einkehrt.

Dem im TecDax notierten Zahlungsverkehrsanbieter Wirecard ist der lang ersehnte Markteintritt in den USA gelungen. Die Aschheimer übernehmen den US-Kartenanbieter Citi Prepaid Card Services, der hauptsächlich Incentive- und Vergütungskarten auf Prepaid-Basis vertreibt. Wirecard erhofft sich positive Effekte durch die Integration dieser Geschäfte in die konzerneigene globale Zahlungsplattform. „Die Investoren haben seit Jahren darauf gewartet, dass Wirecard den US-Markt betritt, den größten E-Commerce-Markt der Welt“, kommentierte die Berenberg Bank den M&A-Deal.

Zum Kaufpreis hüllt sich Wirecard in Schweigen. Bekanntgegeben wurde einzig der erwartete Gewinnbeitrag der neuen Tochter: Im kommenden Geschäftsjahr soll Citi einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 18 Millionen Euro beisteuern. Insgesamt erwartet Wirecard für dieses Jahr konzernweit ein Ebitda von 290 bis 310  Millionen Euro.

Da die Unternehmensbewertungen in Wirecards Geschäftssegment vergleichsweise hoch sind, dürfte der Kaufpreis wohl über 200 Millionen Euro betragen – unter Umständen womöglich sogar noch deutlich mehr, denn Wirecard arbeitet bei seinen Zukäufen häufig mit Earn-out-Lösungen, die den Verkäufern einen Nachschlag garantieren, wenn sich das übernommene Unternehmen gut entwickelt. Citi Prepaid wächst derzeit mit 10 bis 15 Prozent pro Jahr, 90 Prozent der Umsätze erzielt die neue Wirecard-Tochter in den USA.

Wirecard konzentrierte Zukäufe bislang auf Asien

Der Eintritt in den wichtigen US-Markt war das dominierende strategische Ziel, das sich Wirecard für das laufende Geschäftsjahr vorgenommen hatte. In den zurückliegenden Jahren hatte sich das Management um CFO Burkhard Ley bei seiner M&A-Strategie auf Asien und Afrika konzentriert und dort zahlreiche kleinere Technologieanbieter übernommen, unter anderem in Indonesien, Indien und Südafrika.

In diesen Märkten, wo der elektronische Zahlungsverkehr noch nicht sehr weit entwickelt ist, sahen die Bayern die Chance, sich durch Zukäufe noch gewichtige Marktanteile in schnell wachsenden Zukunftsmärkten zu sichern, bevor diese durchstarten. Der Schritt in den umkämpften US-Markt wurde daher jahrelang zurückgestellt.

Der bislang größte Zukauf von Wirecard in Asien war der Erwerb der indischen Great Indian Retail Group, für die Wirecard 2015 einen Kaufpreis von 230 Millionen Euro auf den Tisch legte, der sich durch Earn-out-Zahlungen noch auf bis zu 340 Millionen Euro erhöhen kann. Das Ebitda-Multiple auf Basis der 2016 erwarteten Gewinne lag bei bis zu 20. Daher wurde dieser M&A-Deal von manchen Investoren als zu teuer kritisiert. Doch CFO Ley insistiert, dass sich das Indiengeschäft so dynamisch entwickelt wie bei der Übernahme der Great Indian Retail Group geplant.

Vorwürfe von Zatarra verlaufen bislang im Sande

Der US-Deal ist auch ein Signal an den Kapitalmarkt, dass bei Wirecard langsam wieder Business as usual einkehrt. Wirecard war im Frühjahr zum Ziel einer heftigen Hedgefonds-Attacke geworden. Das bis dato unbekannte Researchhaus Zatarra erhob schwere Vorwürfe gegen Wirecard, darunter Betrug und Geldwäsche. Wirecard wehrte sich heftig und kündigte rechtliche Schritte an.

Bislang verlaufen die Vorwürfe im Sande, obwohl Zatarra in der Zwischenzeit einen weiteren Report vorlegte, in dem noch weitere vermeintliche Vergehen aufgeführt wurden. Auch der Aktienkurs erholt sich langsam: Inzwischen notiert das Papier wieder fast bei 40 Euro, die Zatarra-Attacke hatte Wirecard zwischenzeitlich bis auf 31 Euro einbrechen lassen. 

Von den zu Jahresbeginn markierten Höchstständen bei 45 Euro ist die Aktie aber noch immer weit entfernt. Das liegt auch daran, dass Wirecard nach Ansicht vieler Marktbeobachter die Zatarra-Vorwürfe nicht restlos aufklären konnte und das Unternehmen hoch komplex ist. Die Glaubwürdigkeit des Wirecard-Managements hat gelitten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie Wirecard den Zatarra-Vorwürfen intern nachgegangen ist, welche M&A-Strategie das Unternehmen verfolgt und wonach Wirecard entscheidet, welchen Kaufpreis es für ein Unternehmen zu zahlen bereit ist, lesen Sie im ausführlichen Interview mit Burkhard Ley im aktuellen FINANCE-Magazin, das Sie hier bestellen oder als e-Paper beziehen können.

Mehr Infos über den Wirecard-CFO erhalten Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Burkhard Ley.