Neuerliche Attacke von Zatarra auf Wirecard, und erneut bricht die Wirecard-Aktie ein.

Wirecard

08.03.16
Finanzierungen

Zatarra erhebt neue Vorwürfe gegen Wirecard

Zwei Wochen nach der ersten Attacke legt das dubiose Research-Haus Zatarra nach und nennt die ehemalige britische Tochterfirma, über die Wirecard in Geldwäsche verwickelt gewesen sein soll. Wirecard kontert – aber kann den Kurseinbruch nicht abwenden.

Das bis vor kurzem unbekannte Research-Haus Zatarra hat seine schweren Betrugsvorwürfe gegen den TecDax-Konzern Wirecard erneuert und teilweise sogar noch präzisiert. In einem neuen Papier konzentriert sich Zatarra auf die Rolle der früheren Wirecard-Tochter Wire Card UK Ltd.. Über diese Firma glaubt Zatarra eine direkte Verbindung zu einem Unternehmen aufgedeckt zu haben, das wegen Verbindungen zu Online-Glücksspiel und Geldwäscheaktivitäten im Visier der US-Behörden steht. Beide Unternehmen hätten die gleichen Gesellschafter, begründet Zatarra seine These.

Wie schon beim ersten Mal weist Wirecard auch die neuen Anschuldigungen kategorisch von sich. „Wire Card UK war eine Vorratsgesellschaft, im Juli 2006 von einem Incorporation-Agent gegründet und nie von uns aktiviert“, erklärte eine Wirecard-Sprecherin gegenüber FINANCE. Im August 2010 sei die Gesellschaft wieder aufgelöst worden. Wirecard selbst sei nie Gesellschafter von Wire Card UK gewesen. Daher habe Wirecard auch nichts mit den Geschäften anderer Gesellschaften zu tun, die von den gleichen Agents gegründet worden seien.

Zatarra macht Wirecard UK zum vermeintlichen rauchenden Colt

Wire Card UK ist der zentrale Beleg, aus dem Zatarra einen vermeintlichen rauchenden Colt bei Wirecard zu konstruieren versucht. Dass Wirecard zunächst die Existenz von Wire Card UK abgestritten habe, bezeichnet Zatarra als „eine ihrer Lügen“. Das Eingeständnis von Wirecard, dass Wire Card UK existierte, nennt Zatarra ein „erhebliches und vernichtendes Eingeständnis“.

Weitere vermeintliche Tatbestände außerhalb des Komplexes Wire Card UK benennt Zatarra jedoch nicht und greift Wirecard stattdessen an Nebenkriegsschauplätzen an. So sei die Zatarra-Website mehrfach zum Ziel von Cyber-Attacken geworden, „größtenteils aus Deutschland“. Außerdem habe Wirecard Zatarra noch immer nicht die angedrohte Klage zugestellt, sondern bislang lediglich dem Internetdienstleister des US-Research-Hauses. 

Zum Stand der Klage will sich Wirecard nicht öffentlich äußern, allerdings umfasst das offizielle Dementi Wirecards auch diesen Punkt: „Alle neuen Anschuldigungen sind erneut falsch und irreführend und entbehren jeglicher Grundlage.“ Weil Wirecard eine Banklizenz habe, überprüfe die deutsche Finanzaufsicht BaFin regelmäßig die Compliance-Systeme und Geldwäschekontrolle im Unternehmen, ergänzt die Kommunikationschefin von Wirecard gegenüber FINANCE.

Wirecard-Aktie bricht schon wieder ein

Trotzdem verfängt auch diese Attacke von Zatarra. Die Wirecard-Aktie büßt heute über 6 Prozent ein und ist damit klares Schlusslicht im TecDax. Schon gestern hatten die Titel in den letzten Handelsminuten spürbar nachgegeben. 

Vor zwei Wochen hatte Zatarra eine erste Breitseite gegen Wirecard abgefeuert und damit einen Kursabsturz von fast 25 Prozent ausgelöst. Die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich viele Hedgefonds die Wirecard-Aktie geshortet hatten, nährt bis heute Zweifel an der Rechtschaffenheit der schweren Vorwürfe.

Wirecard-Chef Markus Braun versuchte durch millionenschwere Aktienkäufe die Stimmung zu drehen.
Zwischenzeitlich hatte dies dem Kurs auch wieder auf die Beine geholfen. Doch mit dem heutigen Kursrutsch nähert sich Wirecard wieder dem Kursniveau, das direkt nach der ersten Attacke durch Zatarra markiert worden ist.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de