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Zeitfracht schlägt wieder am Distressed-Markt zu

Zeitfracht will den Flughafen Rostock-Laage kaufen. Foto: Tim Kaiser - stock.adobe.com

Der Logistiker Zeitfracht will den zivilen Teil des Flughafens Rostock-Laage-Güstrow übernehmen. Wie das Unternehmen aus Berlin mitteilte, stünden die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Der teils zivil, teils militärisch genutzte Flughafen soll komplett privatisiert und anschließend weiterentwickelt werden, heißt es.

Flughafen Rostock-Laage ist in der Krise

Der Flughafen nahe Rostock wurde 1984 als militärischer Flughafen in Betrieb genommen und wird als solcher immer noch benutzt – unter anderem als Schulungseinrichtung der Bundeswehr. 2005 eröffnete einen Terminal zur Abfertigung von 1 Millionen Passagieren im Jahr. Jedoch befindet sich die Flughafengesellschaft schon lange in einer schwierigen finanziellen Lage.

2019 gab es deutlichen Dämpfer, nach dem die Fluggesellschaft Germania, eine der wenigen Airlines, die vom Flughafen aus regelmäßig Flüge anbot, insolvent ging. Jüngst kam noch die Coronakrise hinzu. Derzeit bietet der Flughafen ein bis zwei Flüge pro Tag an. Daher müssen die momentanen Eigentümer – die Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding GmbH, der Landkreis Rostock und die Stadt Laage – den Airport finanziell unterstützen. Diese müssen nun noch dem Verkauf zustimmen.

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Wolfram Simon-Schröter, Zeitfracht GmbH

Wolfram Simon-Schröter

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Zeitfracht GmbH & Co. KGaA

Zeitfracht will ein neues Logistikzentrum bauen, in dem Luftfracht und Transport über die Straße eng verzahnt werden können. „Wir können den Flughafen Rostock-Laage sehr gut in unsere bestehenden Aktivitäten aus dem Bereich Logistik, Luft- und Raumfahrt einbinden“, sagte der ehemalige CFO und jetzige Vorstand der Zeitfracht Gruppe, Wolfram Simon-Schröter. „Zeitfracht wird die Diversifizierung des Unternehmens und die Transformation des Regionalflughafens zu einem Innovations- und Technologiestandort im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie der erneuerbaren Energien sehr aktiv weiter vorantreiben“, so Simon-Schröter weiter.

Zeitfracht setzt Distressed-M&A-Kurs fort

Der Deal ist der erste Zukauf von Zeitfrachts neuer Finanzchefin Beate Schneider, die im Juli die Aufgaben von Simon-Schröter übernommen hatte – und passt in die Strategie des Unternehmens, kriselnde Unternehmen mit Logistik-Komponente zu kaufen. Dass Zeitfracht Logistik es auf Distressed-M&A-Deals abgesehen hat, machte Simon-Schröter bereits im Mai im FINANCE-Interview deutlich. Ein Deal folgte schon kurz darauf: So hat Zeitfracht im Juni mit der Meldung für Aufsehen erregt, die insolvente Modekette Adler zu kaufen. Mit dem Schritt in die Modebranche begab sich der Logistiker in ein noch unbekanntes Terrain.

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Beate Schneider

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Zeitfracht GmbH & Co. KGaA

Den Zukauf damals dürfte Zeitfracht unter anderem auch über eine zuvor begebene Anleihe finanziert haben. Diese blieb allerdings unter den Erwartungen: Statt 60 Millionen Euro sammelte Zeitfracht nur 25 Millionen Euro ein, hielt sich aber eine Aufstockungsoption offen. Bislang scheint das Unternehmen davon aber noch nicht Gebrauch gemacht zu haben. Ob eine Aufstockung für die Finanzierung des neusten M&A-Deals eine Option wäre, ist nicht bekannt.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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