Wird 2020 das Jahr der Restrukturierungen? Private-Equity-Manager sorgen sich um ihre Industrie-Assets.

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21.01.20
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Private-Equity-Manager bangen um ihre Renditen

Die Rezession in der Industrie bereitet Private-Equity-Managern große Sorgen, zeigt der neue FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor. Was zu der Frage führt: Wie hart wird das Jahr für die Private-Equity-Branche?

Der Abschwung frisst sich in die Private-Equity-Portfolios hinein: Fast 80 Prozent der Private-Equity-Manager gehen davon aus, dass die Rezession in der deutschen Industrie ihre Renditen spürbar schmälern wird. So lautet die ziemlich klare Botschaft von rund 50 deutschen Private-Equity-Managern, die FINANCE im Rahmen des FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitors im Dezember im Auftrag der DBAG anonym zu aktuellen Marktentwicklungen befragt hat.

Die Optimisten sind im deutschen Private-Equity-Lager inzwischen rar gesät: Nur jeder Zehnte glaubt, das eigene Portfolio unbeschadet durch die Industrierezession steuern zu können – und das dürften überwiegend spezialisierte Fonds sein, die ein starkes Übergewicht im Healthcare und/oder IT-Sektor haben – zwei Branchen, die nicht so anfällig für konjunkturelle Schwankungen sind. 

Mehr Restrukturierungsfälle im Private-Equity-Lager

Die Zahlen verdeutlichen die große Bedeutung des Industriesektors für die in Deutschland tätigen Private-Equity-Häuser. Nach Jahren des Aufschwungs in dieser Branche schlägt das Pendel nun zurück. Das hat zur Folge, dass 2020 für Private Equity das Jahr der Restrukturierungen werden könnte. Mehr als dreiviertel der Befragten gehen davon aus, in 2020 mehr oder sogar deutlich mehr Restrukturierungsarbeit leisten zu müssen als 2019. Dass der Sturm schnell vorüberzieht, glauben die FINANCE-Panelisten nicht – im Gegenteil: Nicht ein Einziger erwartet, dass sich die Lage im Vergleich zu 2019 entspannen werde.

Corporate-Finance- und Restrukturierungsberater reiben sich schon die Hände. Sie berichten von sich füllenden Auftragsbüchern – mit einem Trend zu immer komplexeren (und damit kostspieligeren) Restrukturierungsmandaten.

Immer häufiger geht es nicht das Aushandeln von Waivern, also relativ unkomplizierten Zinsaufschüben, sondern um formidable Finanzrestrukturierungen, die eine umfassende Sanierung der Bilanz mit sich bringen.

Diese Situationen haben sich bereits im vergangen Jahr gehäuft und gipfelten mehr als einmal im schlechtesten aller denkbaren Szenarien: der Insolvenz. Die prominentesten Fälle: Der Triton gehörende Wärmetauschspezialist Kelvion, dessen Holding Galapagos nach jahrelanger Restrukturierung Insolvenz anmelden musste. Ardian verlor den Automobilzulieferer Weber Automotive.

Zur Insolvenz kam es bei den beiden Gilde-Buy-out-Unternehmen Losberger und Eismann zwar nicht, doch sowohl der Zeltbauer als auch der Lieferant von Tiefkühlprodukten mussten restrukturiert werden. Zudem verlor der britische Finanzinvestor Charterhouse den Brandschutzspezialisten Bartec an den Debt-Fonds EQT Credit, um nur die prominentesten Restrukturierungsfälle zu nennen.

Wird 2020 für Private Equity das Jahr der Restrukturierungen?

Turnaround-Investoren haben Hochkonjunktur

Und der Markt liefert weitere Warnsignale, die Private Equity zwar noch nicht unmittelbar betreffen, aber dennoch Anlass zur Sorge sein sollten: Turnaround-Investoren wie die börsennotierten Investmenthäuser Aurelius oder Mutares hatten 2019 Hochkonjunktur und haben massiv zugekauft. Allein Mutares berichtete von zehn Zukäufen – niemals zuvor kaufte der Investor in einem Jahr mehr Unternehmen.

Verkäufer dieser restrukturierungsbedürftigen Unternehmen oder Geschäftseinheiten waren zwar (noch) nicht Private-Equity-Häuser, sondern in erster Linie Konzerne oder private Eigentümer. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass die zahlreichen Automotive- und Industrieunternehmen in den Private-Equity-Portfolios deutlich besser dastehen als deren Wettbewerber in privater Hand. 

Sie wollen wissen, ob sich die Branche für die nächste Rezession besser gewappnet fühlt als vor der letzten Krise? Oder welche Warnsignale der Dealflow für Private Equity sendet? Die Antwort darauf finden Sie in der Gesamtauswertung des kostenlosen FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitors.