Der Leveraged-Finance-Markt in Deutschland ist am Ende der geteerten Straße angekommen. Ab hier dürfte das Finanzierungsumfeld für Private-Equity-Deals ruppiger werden.

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31.01.19
Deals

Wendepunkt am Leveraged-Finance-Markt

Dem deutschen Private-Equity- und Leveraged-Finance-Markt stehen schwierige Monate bevor. Die Banken fürchten, dass die Debt-Fonds das nutzen werden, um sie aus dem Geschäft zu drängen. Zu Unrecht?

Am deutschen Markt für Private-Equity-Finanzierungen („Leveraged Finance“) bahnt sich eine Wende an. Das zeigt eine Studie der Finanzierungs- und M&A-Beratung Lincoln International, die FINANCE vorab vorliegt. Die Umfrage unter 47 Banken und Private-Debt-Fonds, die Übernahmen durch Finanzinvestoren finanzieren, macht deutlich, wie sehr sich die aktuelle Ausgangslage von der zu Beginn des Jahres 2018 unterscheidet.

Kreditklemme für Zykliker in Sicht?

Auslöser für die veränderten Rahmenbedingungen sind die eingetrübten Geschäftsaussichten der Unternehmen in Private-Equity-Hand. Während Anfang 2018 noch kein einziger Befragter mit einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung im Jahresverlauf rechnete, sind es jetzt schon 27 Prozent. Auf eine bessere Performance der PE-finanzierten Unternehmen setzen nur noch 16 Prozent der Befragten gegenüber 63 Prozent im Vorjahr.

Dies dürfte den Markt in den kommenden Monaten gleich auf mehrere Weise belasten. So gehen fast 60 Prozent der teilnehmenden Banken und Private-Debt-Fonds davon aus, dass die Deal-Aktivität in den kommenden Monaten abnehmen wird. Das hat Folgen für die Finanzierungsbereitschaft: 80 Prozent der befragten Banken und sogar 83 Prozent der Debt-Fonds wollen sich deshalb aus besonders zyklischen Branchen zurückziehen. Dies könnte es für PE-Investoren schwieriger machen, noch genügend Geldgeber für Übernahmefinanzierungen etwa im Auto- oder Maschinenbausektor zu finden. 

An einen großen Liquiditätsengpass glauben Experten aber nicht. „Trotz allem werden auch zyklische Unternehmen für Private-Equity-Finanzierungen immer noch bankable sein“, sagte Dominik Spanier, Leiter Debt Advisory bei Lincoln International, im Gespräch mit FINANCE-TV. 

Weniger Leverage für Private-Equity-Deals

Allerdings drohen sich die Bedingungen für Übernahmefinanzierungen auch in den übrigen Branchen zu verschlechtern – wenn auch nicht in gefährlichem Ausmaß. So rechnet jeder dritte Befragte damit, dass die Verschuldungsgrade bei Private-Equity-Übernahmen sinken werden. Zwar widersprechen 17 Prozent und glauben an steigende Leverages, aber die Vorzeichen haben sich umgekehrt: Von 2016 bis 2018 hatten die Optimisten jeweils deutlich die Oberhand. 

Ein eindeutigeres Bild zeigt sich bei den Kreditmargen („Senior Spreads“): 71 Prozent der Banken und 54 Prozent der Debt-Fonds erwarten steigende Spreads. Ihnen stehen lediglich 10 Prozent gegenüber, die auf Rückgänge setzen. 

Debt-Fonds wollen Unitranches verteuern

Weniger einheitlich sind die Prognosen für die Spreads der sogenannten „Unitranches“, dem populär gewordenen Standardprodukt der Debt-Fonds. Die Private-Debt-Häuser zeigen in der Tendenz die Neigung, auch dort die Zügel mit Hilfe höherer Spreads enger zu ziehen (54 Prozent). 

Allerdings erwartet nur jede zehnte befragte Bank, dass die Spreads bei den Debt-Fonds-Angeboten tatsächlich steigen werden. Jede zweite Bank fürchtet sogar, dass die Debt-Fonds in den nächsten Monaten über niedrigere Spreads den Preiskampf noch weiter anheizen werden. Die Folge wäre ein anhaltender Konditionenwettlauf, der die Banken weitere Marktanteile kosten würde. Der breite Private-Equity-Markt hat von diesem Konkurrenzkampf schon 2018 erheblich profitiert. 

Doch die Skepsis der Banker könnte sich als übertrieben herausstellen, denn von den Debt-Fonds gaben nur 8 Prozent an, dass sie bei den Unitranches einen Margenrückgang erwarten. Nichtsdestotrotz erwartet Spanier, dass die Debt-Fonds 2019 ihren Marktanteil in Deutschland, der derzeit schon bei rund 50 Prozent liegt, weiter ausbauen werden – „aber nicht über Kampfkonditionen“, betont der Finanzierungsberater: „Die Debt-Fonds profitieren davon, dass der Markt ihr Produkt jetzt kennt und ihr Zusammenspiel mit den verschiedenen Transaktionspartnern immer besser wird.“       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Welche Markteinschätzung leitet Dominik Spanier, Chef-Finanzierungsberater von Lincoln International, aus seinen Umfrageergebnissen ab? Die Antworten gibt es hier bei FINANCE-TV.