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Private Equity wird erfinderisch

Zum 19. Mal kam die Private-Equity-Szene zum Branchentreff DIK in Frankfurt am Main zusammen. Foto: F.A.Z. Business Media
Zum 19. Mal kam die Private-Equity-Szene zum Branchentreff DIK in Frankfurt am Main zusammen. Foto: F.A.Z. Business Media

Auch in diesem Jahr konnte die 19. Deutsche Investorenkonferenz wieder live und in Farbe stattfinden. Endlich wieder vor vollem Haus, mit vielen Austausch- und Networking-Möglichkeiten und zum ersten Mal in der neuen Location am Frankfurter Westhafen mit Blick auf den Main. Das war das Setting für rund 120 Private-Equity-Investoren und LPs, die sich am vergangenen Montag trafen, um über Branchen-News und -Trends sowie Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu diskutieren.

Warburg Pincus mit Investitionsapell

Und der Gesprächsbedarf war allemal da, denn die Branche sieht sich gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Keynote-Speaker Max Fowinkel, Geschäftsführer von Warburg Pincus in Deutschland, sieht Marktturbulenzen wie den Ukraine-Krieg, steigende Zinsen und Rezessionssorgen, aber auch die zu platzen drohende Tech-Growth-Blase sowie den brachliegenden IPO-Markt als echte Bewährungsprobe für Private Equity. Viele Investoren würden sich aktuell auf eine defensive Position zurückziehen – laut Fowinkel die falsche Reaktion.

Sein Appell: Finanzinvestoren sollten gerade jetzt „open for business“ sein. Warburg Pincus verfolgt diesen Ansatz und sucht unabhängig von Börsenzyklen nach lukrativen Sektoren, auf die sich die Berliner fokussieren. Aktuell sei dies vor allem Healthcare-IT. Fowinkel sieht im aktuellen Marktumfeld sogar noch weitere Chancen: „Die Private-Equity-Branche hat die Möglichkeit, gesellschaftspolitisch positiver wahrgenommen zu werden, wenn sie jetzt als zuverlässiger Finanzierungspartner auftritt.“

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Brockhaus Technologies gewinnt „Elevator Pitch“

Von Zurückhaltung war auf der Bühne der Deutschen Investorenkonferenz indes kaum etwas zu spüren: Auch die anderen Referenten, wie etwa die Teilnehmer des „Elevator Pitches“, votierten dafür, dass Private Equity in schwierigen Zeiten M&A-Chancen ergreift – um womöglich sogar besonders attraktive „Krisenrenditen“ einzufahren.

Den einen Königsweg zur Traum-Rendite gibt es dabei nicht: Während Paul Göhring von Brockhaus Technologies in seinem Pitch-artigen Kurzvortrag eine Lanze für die börsennotierte Industrieholding brach, mit der sich flexible Investments in Tech-Firmen besonders gut umsetzen ließen, votierte Manuel Hertweck vom Mittelstandsinvestor Capiton für GP-led Secondaries. Sie seien die ideale Möglichkeit, über die reguläre Fondslaufzeit hinaus an dem erwarteten Wertsteigerungspotenzial von Portfoliounternehmen zu partizipieren. Hannes Hebel von Mindful Capital Partners pitchte indes für Internationalisierungsstrategien, um Einzelmarktrisiken zu minimieren. Das Rennen beim Publikums-Voting machte der Industrieholding-Pitch von Göhring.

Ist ESG wichtiger als Rendite?

Neben Renditen ist ein weiteres Thema längst nicht mehr aus der Private-Equity-Welt wegzudenken: ESG. Die Private-Equity-Branche versteht sich bei Nachhaltigkeit und Co. inzwischen als Pionier, wie eine lebhafte Midmarket-Diskussionsrunde zwischen den PE-Häusern Ardian, EQT, Summa Equity und Triton und gezeigt hat.

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Dabei scheint das Thema ESG den Renditefokus der Finanzinvestoren sogar schon fast zu überschatten, davon zumindest ist Summa Equity-Partner Matthias Fink überzeugt: „Es wird langfristig nicht möglich sein, sich nur auf den Return zu fokussieren und ESG auszublenden.“ Zum Glück werde der renitente institutionelle Investorenkern, der rein auf Rendite getrimmt ist, immer kleiner, ergänzte Triton-Partner Andi Klein.

Vor allem LPs seien aktive ESG-Treiber, denn sie setzen sich vermehrt Allokationsziele für Nachhaltigkeit und Impact Investing, erklärt Jan Phillip Schmitz von Ardian. Doch die Branche muss noch viel tun, glaubt Pascal Noël von EQT. Vor allem brauche es einheitliche Standards, damit nicht jeder PE-Fonds eigenmächtig definieren muss, was nachhaltig und ESG-konform sei. Bei der nachhaltigen Transformation dürften sich Private-Equity-Häuser zudem nicht als Einzelkämpfer verstehen: „Das ist ein Teamsport“, betont Noël. Die Branche könnte alleine schon aufgrund ihrer enormen Firepower und ihrer Möglichkeiten, Managementteams gezielt auf ESG-Ziele hin zu incentivieren, eine gewichtige (Vorreiter-)Rolle einnehmen.

Julius Wedemeyer von Heuking Kühn Lüer Wojtek berichtete über die Verkäufer-Vorsatzhaftung beim Exit.

Die Trends bei Buy-and-build, Due Diligence und Verkäuferhaftung

Auch der Blick auf aktuelle Markttrends darf bei der Deutschen Investorenkonferenz nicht fehlen. Dafür sorgten Vorträge der Mitveranstalter Ebner Stolz, Heuking Kühn Lüer Wojtek und PwC. So berichteten Verena Glutting und Christian Jöhnk von PwC, warum Private Equity so früh wie möglich im Due-Diligence-Prozess das Augenmerk auf einwandfrei funktionierende Finanzfunktionen legen muss – und welches Risiko damit einhergeht, wenn man die Finanzabteilung des künftigen Portfoliounternehmens stiefmütterlich behandelt.

Julius Wedemeyer von Heuking verriet zudem, wie Private-Equity-Manager horrende Schadensersatzzahlungen vermeiden können – und von Joachim Hau, Partner bei Ebner Stolz, erfuhren die Konferenzteilnehmer, in welcher Nische sie ihr nächstes Buy-and-build-Projekt ausrollen können, etwa im Bereich Gartenbau oder mit Tierarztpraxen.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

melanie.ehmann@finance-magazin.de | + posts

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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