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J.P. Morgan kauft Mehrheit an Volkswagen Payments

Die US-amerikanische Bank J.P. Morgan will die Mehrheit an Volkswagen Payments kaufen. Foto: J. P. Morgan

J.P. Morgan plant, bei Volkswagen Payments in großem Stil einzusteigen. Wie die US-amerikanische Investmentbank mitteilte, will das Geldhaus einen Löwenanteil in Höhe von 75 Prozent an dem Zahlungsdienstleister von VW erwerben. Volkswagen Payments ist eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen Financial Services, also der hauseignen Bank des Autokonzerns. Über den Kaufpreis gibt es keine offiziellen Angaben. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge lag er laut Insidern im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich. J.P. Morgan kommentierte die Zahl auf Anfrage nicht.

Der Zahlungsabwickler mit Sitz in Luxemburg wurde 2017 gegründet. Die Geschäftsführung des Luxemburger Unternehmens besteht aus CEO Anne Grünkorn und CFO sowie COO Alexander Hinz. Die deutsche Tochter mit Sitz in München wird von Rajasekharan Kuppuswamy als CEO und Jörg Seibert als CFO sowie COO geführt.

Volkswagen Payments entwickelt und koordiniert für den Autokonzern aus Wolfsburg die gesamten Zahlungsprozesse. Sie steuert damit die globalen Payment-Aktivitäten für Volkswagen Financial Services. Der Zahlungsabwickler punktet vor allem mit auf den Automobilsektor zugeschnittenen mobilen Zahlungsdienstleistungen, sogenannte in-vehicle-payments.

J.P. Morgan will von Volkswagen Payments profitieren

Solche Zahlungsabwicklungen wie das mobile Bezahlen eines Tank- beziehungsweise Ladevorgangs, Parkgebühren und Versicherungen sind nach J. P. Morgans Einschätzung im Jahr 2021 weltweit etwa 4 Milliarden Dollar schwer – und daran will die Bank mitverdienen.

Daher soll der Einstieg bei Volkswagen Payments in den Augen von J.P. Morgan das digitale Portfolio der Bank erweitern, die selbst bereits ein großer Player im Payment-Geschäft ist. Über kurz oder lang will das Geldhaus mit dem Geschäftsmodell der Volkswagen Payments aber auch in neue Märkte außerhalb der Automobilindustrie vorstoßen. Die Investmentbank will also das Know-how und die Reichweite des VW-internen Zahlungsabwicklers nutzen, um mobile Zahlungsdienstleistungen auch in anderen Branchen abzuwickeln. Finanzkreisen zufolge sei das auch der Grund dafür, warum sich J.P. Morgan ausgerechnet für den Löwenanteil von 75 Prozent entschieden habe.

J.P. Morgan will in-vehicle-Zahlungsdienstleistungen anbieten

J.P. Morgan plane „auf der innovativen Plattform von Volkswagen Financial Services aufzubauen und die globale Reichweite unserer Zahlungsverkehrsexpertise zu nutzen“, erklärte Shahrokh Moinian, J.P. Morgans EMEA Head of Wholesale Payments. Insbesondere die in-vehicle-Zahlungsabwicklung sowie die mobile-Payment-Infrastruktur von Volkswagen Payments sind Innovationen, die sich J.P. Morgan zu Nutze machen möchte.

Auf FINANCE-Anfrage sagte eine Bankensprecherin, J.P. Morgan wolle nach erfolgreichem Deal die erste global operierende Bank sein, die in-vehicle-Zahlungsdienstleistungen anbietet. Auch werde die Bank damit ihre Präsenz auf dem europäischen Markt stärken – ein Unterfangen, dem sich die Bank seit wenigen Jahren verschrieben hat.

Volkswagen Payments soll weiterhin für VW Zahlungen abwickeln

Gleichzeitig versicherte die US-amerikanische Investmentbank, dass sowohl der Mutterkonzern, also die VW-Bank, weiterhin Gesellschafter bleibt, als auch die Zahlungsabwicklung durch Volkswagen Payments für den gesamten Konzern gesichert ist. Volkswagen Payments bietet seine Dienste derzeit in 32 Ländern an. VW wird weiterhin 25 Prozent an dem Zahlungsdienstleister halten.

„Wir sind stolz auf den erfolgreichen Aufbau und Betrieb der Volkswagen Payments SA und werden als starker Aktionär dafür sorgen, dass sie den Volkswagen-Konzern und seine Marken auch weiterhin mit maßgeschneiderten und innovativen Lösungen und Services im Bereich des digitalen Zahlungsverkehrs unterstützt“, betont Mario Daberkow, CIO der Volkswagen Financial Services. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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