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Bilanzierungsprobleme bei Northern Data

Wegen Umstellung auf IFRS: Northern Data und sein Prüfer KPMG stecken noch immer beim Konzernabschluss für 2020 fest.
Northern Data

Northern Data, ein börsennotierter Anbieter von Rechenzentren und Kühltechnologie aus Frankfurt, hat massive Probleme bei der Bilanzierung. Der Jahresabschlussprüfer KPMG habe dem Spezialisten für Bitcoin-Mining mitgeteilt, dass nicht vor September mit dem Testat für den Konzernabschluss 2020 zu rechnen sei, gab das Unternehmen bekannt. Vorher kann Northern Data nicht einmal vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr vorlegen, das nun schon seit sieben Monaten abgeschlossen ist.

Die Ursache des Problems ist offensichtlich die Umstellung auf den Bilanzierungsstandard IFRS. Nach Angaben des IT-Unternehmens handelt es sich „um die erste Prüfung eines Blockchain-Geschäftsmodells mit Umstellung auf IFRS“. Und der Teufel scheint nicht nur im Detail zu stecken: „Im Zuge der Aufstellung ergaben sich komplexe Fragen der Umsatzlegung im Zusammenhang mit IFRS 15 sowie zu einer möglichen Konsolidierungspflicht eines großen Kunden gemäß IFRS 10“. Die Auswirkungen dieser Punkte auf den IFRS-Abschluss könnten „erheblich“ sein, schrieb Northern Data in einer Kapitalmarktmitteilung gestern nach Börsenschluss.

Northern Data-Aktie unter Druck

Mit der Mitteilung reagierte die Führung um den seit einem Jahr agierenden CFO Matthias Dähn auf eine Zuspitzung der Situation am Kapitalmarkt. Zu Wochenbeginn geriet die Aktie stark unter Druck, nachdem Analysten der Privatbank Hauck & Aufhäuser die vorherige Kaufempfehlung mit Verweis auf den fehlenden Jahresabschluss gestrichen hatten: Kurzzeitig stürzte der Kurs um ein Drittel ab, anschließend erholte er sich wieder etwas.

Insgesamt haben die Aktien seit dem Rekordhoch im Februar aber schon fast 60 Prozent eingebüßt. Die Bilanzierungsprobleme haben eine Kursrallye beendet, die im Herbst 2019 begann und zwischenzeitlich zu einer Verzwölffachung des Börsenwerts von Northern Data geführt hatte. Trotz der Kursverluste liegt der Börsenwert von Northern Data immer noch bei fast 1 Milliarde Euro.

Northern Data will an die Nasdaq

Northern Data versteht sich als Anbieter im Bereich des „High Performance Computings“, der selbst Rechenzentren betreibt. Auch entwickelt das Unternehmen Soft- und auch Hardwareprodukte, die etwa zum Schürfen von Bitcoin verwendet werden. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 200 Mitarbeiter.

Im April dieses Jahres verkündete Northern Data, dessen Aktie lediglich im Freiverkehr der Münchener Börse gelistet ist, sich am Kapitalmarkt besser aufstellen zu wollen: CFO Dähn plant ein „Uplisting“ an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq. Des Weiteren betont das Unternehmen, nach wie vor auf Wachstumskurs zu sein, sowohl organisch durch den Bau weiterer Rechenzentren als auch durch Zukäufe. Diese könnten trotz des eingebrochenen Aktienkurses auch über Sachkapitalerhöhungen finanziert werden, erklärte das Unternehmen gestern.

Die neuesten verfügbaren Unternehmenskennzahlen vom 30. Juni 2020 stehen indes in scharfem Kontrast zu der Wachstumstory, die das Management vertritt, und auch zum Börsenwert. Im ersten Halbjahr 2020 hat Northern Data Umsatzerlöse von lediglich 1,47 Millionen Euro eingefahren. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 vergrößerte sich der operative Verlust vor Zinsen und Steuern von 3,7 auf 9 Millionen Euro. Unterm Strich stand ein Halbjahresverlust von 41,4 Millionen Euro.

Die versprochenen erheblichen Umsatz- und Ertragsverbesserungen konnte das Management mangels Jahresabschluss noch immer nicht nachweisen. Für ein Gespräch wollte CFO Dähn auf FINANCE-Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung stehen.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Die Bilanzierung nach IFRS ist komplex, bei der Umstellungen passieren immer wieder Fehler. Auf der FINANCE-Themenseite IFRS finden Sie was es in der Rechnungslegung Neues gibt.

Mehr über den Finanzchef Mathias Dähn können Sie in seinem FINANCE-Köpfe-Profil nachlesen.

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