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Mit Verzögerung: KPMG testiert Bilanz von Northern Data

Northern Data verdient sein Geld mit dem Mining von Kryptowährungen. Foto: Northern Data

Das Tech-Unternehmen Northern Data hat nach längerer Wartezeit sein Bilanztestat für 2020 erhalten. Zunächst war der Bericht im Frühjahr erwartet worden, noch im August hatte das Unternehmen mitgeteilt, der Wirtschaftsprüfer KPMG werde das Testat wohl nicht vor September erteilen – es wurde dann sogar Anfang November. Das Unternehmen hatte die Verzögerung damals mit der Umstellung auf den Bilanzierungsstandard IFRS begründet – es handele sich um das erste Blockchain-basierte Geschäftsmodell, das nach diesem Standard geprüft werde.

Nachdem nun das uneingeschränkte Testats erteilt wurde, bestätigte die Unternehmensführung um Finanzchef Mathias Dähn, der im September 2020 als CFO bei Northern Data anheuerte, die Ende September veröffentlichten vorläufigen Konzern-Jahreszahlen. Für 2020 ergeben sich demnach laut IFRS ein Umsatz von 16,4 Millionen Euro (2019: 10,1 Millionen Euro) sowie ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von minus 12,3 Millionen Euro. 2019 hatte das Ebitda um 4,7 Millionen Euro im Minus gelegen. Das Konzernjahresergebnis lag bei minus 84 Millionen Euro (2019: minus 9 Millionen Euro).

CFO-Profil

Dr. Mathias Dähn, Northern Data AG

Dr. Mathias Dähn

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Northern Data AG

Den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit gibt Northern Data mit 183,5 Millionen Euro an, eine deutliche Steigerung gegenüber 2019 (minus 6 Millionen Euro). Der Finanzmittelbestand lag Ende 2020 bei 73,9 Millionen Euro (2019: 3,2 Millionen Euro).

Northern Data will die Wende schaffen

Die aktuellen Zahlen zeichnen ein völlig anderes Bild als das, was ursprünglich erwartet wurde: Noch Ende 2020 prognostizierte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2020 ohne IFRS-Umstellungseffekte Umsätze von 120 bis 140 Millionen Euro und ein Ebitda von 45 bis 60 Millionen Euro. Für 2021 war sogar von Umsätzen von bis zu 400 Millionen Euro die Rede.

Die neuste Prognose für 2021 ist zwar im Vergleich dazu etwas zurückhaltender, trotzdem will Northern Data in eine völlig andere finanzielle Dimension als bisher vorstoßen: Der Vorstand erwartet einen Umsatz zwischen 180 und 220 Millionen Euro sowie ein Ebitda zwischen 100 und 125 Millionen Euro. 2020 habe man „wichtige Grundlagen“ für das künftige Geschäftsmodell gelegt, die sich allerdings noch nicht im Zahlenwerk spiegelten, sagte CEO Aroosh Thillainathan. „Unsere Strategie zahlt sich aber bereits aus“, versprach er. Das Unternehmen will künftig weniger auf das Schürfen von Bitcoin setzen und sein Geschäft mit Infrastrukturangeboten für „High Performance Computing“ verdienen.

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Bilanzierungsprobleme bei Northern Data

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Allerdings bleiben Fragezeichen hinter Northern Data. Die Aktionärsschützer der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) veröffentlichten im Oktober ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Digitalagentur „Hase & Igel“, der „immer mehr rote Flaggen“ anmahnte. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), monierte gegenüber dem „Handelsblatt“ mangelnde Transparenz im Umgang mit Zukäufen sowie bei Geschäften mit nahestehenden Personen und Unternehmen.

Auch der Wirtschaftsprüfer hat dem Unternehmen offenbar Hausaufgaben mitgegeben: Aufsichtsratschef Tom Oliver Schorling schreibt im Jahresbericht: „Der Aufsichtsrat hat die Hinweise des Abschlussprüfers zur Verbesserung des rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems zur Kenntnis genommen und wird deren Umsetzung begleiten.“

Bafin erstattete Anzeige gegen Northern Data

Vor wenigen Wochen schaltete sich auch die Bafin ein: Anfang Oktober bestätigte Northern Data, dass eine Anzeige der Bafin bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt eingegangen sei. Das Unternehmen wies „die darin erhobenen Vorwürfe, insbesondere der Marktmanipulation“ zurück. Man sei „zuversichtlich, den Sachverhalt in vollständiger Kooperation mit den Justizbehörden aufzuklären“, erklärte das Tech-Unternehmen.

Die Anzeige bezieht sich auf eine im November 2019 angekündigte Übernahme des Unternehmens Whinstone US und die damit einhergehenden Bewertungen. Es gehe um die Frage, „ob die zu dieser Transaktion geäußerten Erwartungen adäquat waren“, teilte Northern Data mit. Das Unternehmen wurde im April 2021 wieder weiterverkauft, dem Tech-Anbieter zufolge habe sich die Transaktion dadurch „als hochgradig werthaltig erwiesen“. Der Kaufpreis umfasst eine Barzahlung von 67 Millionen Euro sowie 11,8 Millionen Stammaktien des Käufers Riot Blockchain. Der heutige Northern-Data-CEO Thillainathan gründete die Whinstone Group.

Allen Fragezeichen zum Trotz reagierten viele Marktteilnehmer erleichtert auf die Vorlage des Testats. Die Northern-Data-Aktie legte zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent zu und notierte am Mittwochvormittag bei Werten um 78 Euro. Northern Data will den Abschluss nun der Hauptversammlung vorlegen, diese soll spätestens am 23. Dezember dieses Jahres stattfinden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.