M&A-Berater aus den Top-Fünf-Investmentbanken können sich auf Bonuszahlungen von bis zu 200 Prozent ihres Basisgehalts freuen.

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09.01.20
Finanzabteilung

Das bezahlen Investmentbanken ihren M&A-Spezialisten

Investmentbanken und M&A-Beratungen zahlen ihren M&A-Experten gute Gehälter – und dicke Boni obendrauf. Trotzdem wird die Gewinnung von Nachwuchs immer schwerer. Woran liegt das?

In den vergangenen Jahren hat sich bei M&A-Beratungen und Investmentbanken vor allem ein Trend herauskristallisiert: Das Recruiting von neuen M&A-Experten wird immer schwieriger, während gleichzeitig sowohl die Banken als auch die Beratungshäuser in der Tendenz durchaus nennenswert nach neuem Personal suchen.

Der Hauptgrund: „Es gab zuletzt einige kleinere Absolventenjahrgänge, sodass schlichtweg nicht genug neues potentielles Personal am Markt verfügbar war“, berichtet Mario Barisic von der Personalberatung Fricke Finance & Legal. Hinzu komme, dass es immer schwieriger werde, junge Menschen mit einer starken Persönlichkeit für den Job des M&A-Beraters zu begeistern.

M&A-Berufseinsteiger verdienen bis zu 80.000 Euro

Dabei wird die Arbeit eines M&A-Beraters nach wie vor gut entlohnt: Als Berufseinsteiger (Analyst) kommt man bei hochrangigen Häusern – zu denen Fricke die Deutsche Bank, J.P. Morgan, die UBS, Barclays, Goldman Sachs und die Société Générale zählt – auf ein Jahresgehalt zwischen 65.000 und 80.000 Euro.

Die Bonuszahlungen bewegen sich auf diesem Berufslevel bereits jetzt höher als bei erfahrenen M&A-Experten in Unternehmen: Analysten erhalten zwischen 20 und 50 Prozent ihres Einkommens als Bonus. In kleineren Häusern kommen auf Gehälter von 55.000 bis 70.000 Euro Bonuszahlungen zwischen 20 und 30 Prozent oben drauf.

Gehaltsschere bei Bulge Bracket und M&A-Boutiquen

Folgt dann der Aufstieg zum Associate, Senior Associate oder zum Assistant Vice President, winken bei den Top-Investmentbanken – auch „Bulge Bracket“ genannt – Gehälter von bis zu 95.000 Euro und Bonuszahlungen zwischen 50 und 100 Prozent des Gehalts.

Die Kollegen aus den kleineren Häusern und den Boutiquen verdienen weniger: Als Assistent des Vice President kommt man hier maximal auf 85.000 Euro und darf einen Bonus von höchstens 50 Prozent erwarten. Selbst Vice Presidents oder Senior Vice Presidents schaffen es bei kleineren Beratungshäusern nur knapp über die 100.000-Euro-Marke. Die gleiche Position bei den Bulge Bracket bringt hingegen gleich bis zu 150.000 Euro im Jahr ein.

Director erhalten bis zu 200 Prozent Bonus

Den nächsten Gehaltssprung erreichen die M&A-Berater mit der Berufung zum Director. Director und Senior Director erreichen bei den Bulge-Bracket-Häusern ein Einkommen von bis zu 230.000 Euro und dürfen sich darüber hinaus auch noch über 100 bis 200 Prozent Zuschlag auf ihr Gehalt freuen. Bei kleineren Banken und Beratungen liegen die Gehälter etwas niedriger: Ein Senior Director kommt dort durchschnittlich auf maximal 150.000 Euro, hat dafür aber Aussichten auf einen ähnlich hohen Bonus wie die Kollegen in den Top-Häusern.

Im Zuge der Beförderung zum Managing Director steigt im Bulge Bracket das Jahreseinkommen auf bis zu 270.000 Euro. Das ist in etwa genauso viel wie die M&A-Chefs in großen deutschen Unternehmen kassieren. Der Bonus kann bis zu 200 Prozent des Basisgehalts erreichen. In kleineren Häusern liegen die meisten Managing Directors eher knapp unter 200.000-Euro-Marke, können aber auf einen ähnlich hohen Bonus hoffen wie ihre Kollegen.

Hohe Anforderungen an M&A-Nachwuchs

Bei diesen verlockenden Gehältern erscheint es verwunderlich, dass die Investmentbanken und M&A-Berater so große Schwierigkeiten beim Recruiting haben. Doch ein Teil der Antwort liegt auch in den Anforderungen, die die Banken an ihre Neulinge stellen, weiß Mario Barisic: „Investmentbanken verlangen beispielsweise einen überdurchschnittlichen Studienabschluss von einer renommierten Universität – etwa von der Universität St. Gallen oder der Ludwig-Maximilians-Universität München.“ Während der ersten Jahre sei außerdem der Abschluss eines CFA-Programms gern gesehen.

Zudem müssten selbst Einsteiger auf niedrigen Hierarchiestufen bereits veritable Berufserfahrung mitbringen, denn berufsbegleitende Weiterbildungen sind nach Einschätzung des Headhunters im M&A-Bereich unüblich. „Diese hohen Anforderungen decken sich oft nicht mit dem, was potentielle Bewerber von ihrem Job erwarten und auch persönlich wünschen“, so Barisic. Die Folge: Rund 29 Prozent aller Neueinsteiger in der M&A-Beratung werfen ihren Job in den ersten 48 Monaten schon wieder hin, so die Personalberatung.

29 Prozent aller M&A-Berufseinsteiger werfen ihren Job nach vier Jahren wieder hin.

Noch ist der Personalengpass bei den meisten M&A-Beratern kein extrem drängendes Problem. Doch das könnte sich ändern – ausgerechnet in Folge des Brexits, wie Mario Barisic glaubt: Viele Investmentbanken würden im Zuge des Brexits ihre Standorte nach Kontinentaleuropa verlagern, auch nach Frankfurt. „Deshalb entstehen hier langfristig mehr Arbeitsplätze in der M&A-Beratung.“ Um diese Stellen besetzen zu können, werden die Investmentbanken ihren M&A-Spezialisten in Zukunft vermutlich mehr bieten müssen als die traditionell hohen Gehälter und Bonuszahlungen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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