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Ex-KTG-Manager sollen privat haften

Ein Jahr nach der spektakulären Insolvenz des Landwirtschaftsunternehmens KTG Agrar will der Insolvenzverwalter offenbar Millionenzahlungen von früheren Vorständen und Aufsichtsräten eintreiben.
KTG Agrar

Rund ein Jahr nach der Insolvenz des Landwirtschaftsunternehmens KTG Agrar geht der Krimi um den ehemals größten Mini-Bond-Emittenten weiter. Wie die Zeitschrift „Capital“ unter Berufung auf Insiderkreise schreibt, will der KTG-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus von der früheren Konzernspitze um Siegfried Hofreiter Rückzahlungen in Millionenhöhe eintreiben. Konkret gehe es um 218 Millionen Euro, die der Insolvenzverwalter von acht Ex-Managern und Aufsichtsräten will. Denkhaus war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Laut dem Bericht begründe der Insolvenzverwalter die Ansprüche mit dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung: So solle Hofreiter die Insolvenz um mindestens ein Jahr verschleppt haben, in dieser Zeit seien Zahlungen geleistet worden, die zulasten der Gläubiger gingen.

25 Klagen gegen Hofreiter bei der Staatsanwaltschaft Hamburg

Für den Fall, dass die Ex-Manager nicht zahlen wollen, drohe Denkhaus mit Klagen, heißt es weiter. Laut Capital habe der KTG-Konzern für seine damaligen Unternehmensführer zwar eine Managerhaftpflichtversicherung bei der Allianz abgeschlossen. Die Deckungssumme würde aber bei weitem nicht reichen.

Parallel dazu hat auch die Staatsanwaltschaft Hamburg die Ermittlungen gegen die ehemaligen Manager ausgeweitet. Es wird inzwischen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrug ermittelt, wie ein Sprecher erklärte. Gegen Hofreiter seien bereits 25 Strafanzeigen eingegangen. Sollte der Insolvenzverwalter die Rückzahlungen eintreiben können, wäre das für die gebeutelten Gläubiger der Mittelstandsanleihe zumindest eine kleine Genugtuung. Über diverse Anleihen hatten Kleinanleger rund 350 Millionen Euro in das Unternehmen investiert.

KTG Agrar: Dubiose Bilanzposten und mögliche Interessenskonflikte

Die Pleite von KTG Agrar im Juli 2016 gehört zu den größten Skandalen in der Geschichte des Mini-Bond-Segments. Die Insolvenz wurde dadurch ausgelöst, dass der Konzern die fälligen Zinsen für die Mittelstandsanleihe auch nach mehrwöchiger Verzögerung nicht zahlen konnte. Doch schon im Vorfeld der Insolvenz zeichneten sich massive Probleme ab.

Kurz vor der Insolvenz sorgte ein dubioser Bilanzposten über 214 Millionen Euro für Unruhe bei den Investoren. KTG Agrar hatte zuletzt in immer größerem Stil Darlehen an Dritte verteilt, schwieg sich aber darüber aus, wer das Geld zu welchem Zweck bekommen hat. Auch Rumänien-Geschäfte mit dem damaligen Aufsichtsrat Julian Voss warfen Fragen nach Interessenskonflikten auf.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Info

Alle Hintergründe und die vielen Fragezeichen rund um die Pleite von KTG Agrar finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar. Wie es um andere Mini-Bond-Emittenten steht, können Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen nachlesen.

julia.schmitt@finance-magazin.de | + posts

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.

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