Der nach der Insolvenz wieder auferstandene Windparkprojektierer Prokon zahlt 50 Millionen Euro an seine Gläubiger.

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18.08.16
Finanzierungen

Prokon zahlt 50 Millionen Euro an Gläubiger

Die Pleite von Prokon war eine der größten deutschen Insolvenzen – jetzt erhalten die Gläubiger einen kleinen Teil ihres Geldes zurück. Auf den Großteil werden sie allerdings noch viele Jahre warten müssen.

1,4 Milliarden Euro hatten Gläubiger in Windparkprojektierer Prokon investiert – ein Teil der Gläubiger bekommt jetzt rund 50 Millionen Euro vom ehemals insolventen Unternehmen zurückgezahlt. Das hat die Abwicklungsgesellschaft von Prokon bekanntgegeben.

Das Geld stammt aus dem Verkauf von rumänischen Wäldern an einen nicht näher genannten Großinvestor. Prokon will es ab Dezember 2016 an die Gläubiger auszahlen.

Prokon war im Jahr 2014 in die Insolvenz gerutscht. Es war eine der größten Pleiten in Deutschland. Das Unternehmen hatte 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte von Kleinanlegern eingesammelt. Im Zuge der Insolvenz hatte der Windparkprojektierer bekanntgegeben, sich von Randgeschäften zu trennen. Dazu gehörte neben den rumänischen Wäldern beispielsweise auch das Geschäft mit Bio-Öl. Diese Randgeschäfte wurden in die Abwicklungsgesellschaft ausgelagert, die für den Verkauf zuständig ist. Inzwischen konzentriert sich Prokon alleine auf den Bereich Windenergie und Stromhandel.

Prokon-Gläubiger sollen knapp 60 Prozent zurückbekommen

Im August 2015 wurde die Insolvenz aufgehoben. Die Gläubiger hatten sich damals gegen den Verkauf der Gesellschaft an EnBW – und damit gegen eine sofortige Rückzahlung eines Teils ihrer Forderung – und für die Umwandlung in eine Genossenschaft entschieden. Die Gläubiger hatten die Wahl, ob sie ihre Forderungen in die Genossenschaft einbringen wollen oder den Erlös aus Verkäufen erhalten wollen.

Die 50 Millionen Euro aus dem Verlauf der rumänischen Wälder gehen daher nur an den Teil der Gläubiger, die damals ihre Forderungen nicht in Genossenschaftsanteile umgewandelt haben. Es handelt sich um rund 56.000 Personen. Daneben haben alle Gläubiger ihre Forderungen in eine Unternehmensanleihe im Volumen von 500 Millionen Euro mit einem Zins von 3,5 Prozent und einer Laufzeit von 15 Jahren getauscht.

Die Anleihe notiert an der Börse, wird aber kaum gehandelt – momentan steht sie bei 85 Prozent. Sie ist durch die Windparks von Prokon besichert. Insgesamt sollen die Gläubiger durch dieses Modell rund 60 Prozent ihres Geldes wiederbekommen. 

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wie es zur Pleite von Prokon kam und wie es danach weiterging, können Sie auf unserer Themenseite von Prokon nachlesen.