EnBW ist mit der Kaufofferte an die Gläubiger von Prokon gescheitert.

EnBW

03.07.15
Wirtschaft

Prokon-Gläubiger zeigen EnBW die kalte Schulter

Kein Deal für EnBW: Die Gläubiger von Prokon haben der Übernahme durch den Energiekonzern eine Absage erteilt. Prokon wird zur Genossenschaft, EnBW muss jetzt richtig kämpfen.

Der Energiekonzern EnBW kommt bei dem insolventen Windparkbetreiber Prokon  nicht zum Zug. Die Gläubiger von Prokon haben sich auf der Gläubigerversammlung am gestrigen Donnerstagabend für die Fortführung Prokons als Genossenschaft ausgesprochen. Von den rund 100.000 Prokon-Gläubigern waren mgut 2.100 in die 9.200 Menschen fassende Hamburger Messehalle gekommen, weniger als erwartet.

Dafür war das Ergebnis aber eindeutig: Gläubiger, die rund 80 Prozent der Forderungen repräsentierten, votierten für die Genossenschaftslösung. Die Genossenschaft startet nun mit einem Eigenkapital von 866 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 25 Prozent.

EnBW bedauerte die Entscheidung gegen eine Übernahme, präsentierte sich aber als guter Verlierer: „Prokon und EnBW hätten gut zusammengepasst und gemeinsam die Windkraft in Deutschland noch stärker voranbringen können. Aber wir haben großen Respekt vor der Verbundenheit der Genussrechtsinhaber mit Prokon“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux.

EnBW hatte 550 Millionen Euro für Prokon geboten und sich damit vor anderen Kaufinteressenten in die Pole Position für eine Übernahme gebracht. Die Gläubiger hätten damit in etwa die Hälfte ihrer Forderungen zurückerhalten. Das Genossenschaftsmodell verspricht etwas höhere Rückflüsse, allerdings erst in der Zukunft und über die Zeit.  So erhalten die Genossen nun eine Anleihe, die über 15 Jahre jeweils 3,5 Prozent Zinsen abwerfen soll.

EnBW wäre seinen Ausbauzielen mit Prokon nähergekommen

Für die ehrgeizigen Ausbaupläne von EnBW im Bereich der erneuerbaren Energien ist die Entscheidung ein Rückschlag. Die Karlsruher wollen den Anteil der Erneuerbaren an der eigenen Stromerzeugungskapazität bis 2020 von 19 auf 40 Prozent erhöhen. Dafür wären Windparks mit einer Leistung von zusammen 1.750 Megawatt nötig. Durch eine Übernahme von Prokon mit einer installierten Windparkleistung von 537 Megawatt wäre der Konzern seinem Ausbauziel für das Jahr 2020 schon sehr nahe gekommen. EnBW allein bringt derzeit nur eine Kapazität von 335 Megawatt auf die Waage.

Nun muss EnBW den Ausbau der erneuerbaren Energien aus eigener Kraft vorantreiben. Dafür will EnBW-CFO Thomas Kusterer Investitionen von 3,5 Milliarden Euro mobilisieren. Weitere 3 Milliarden Euro sollen in den Netzausbau fließen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Viele Hintergründe über die Neuausrichtung des Windparkbetreibers nach der Pleite finden Sie auf unserer Themenseite zu Prokon.