Targo Commercial Finance

08.02.18
Finanzierungen

Targo CF verliert wichtigsten Kunden, wächst dennoch deutlich

Targo Commercial Finance hat im vergangenen Jahr den wichtigsten Kunden im Factoringgeschäft verloren. Dennoch behauptet sich der Marktführer mit einer erstaunlichen Trendumkehr im Factoringvolumen und dem Zinsergebnis.

Deutschlands größter Anbieter von Factoring, Targo Commercial Finance, ist 2017 wieder gewachsen. Um fast 6 Prozent auf 47,5 Milliarden Euro stieg das Factoringvolumen. Der Zuwachs hätte sogar noch höher ausfallen können: „Bereits zur Jahresmitte 2017 hatten wir ein Plus von rund 9 Prozent erwirtschaftet“, berichtet CEO Joachim Secker.

Doch ein Kunde, der fast 4 Milliarden Euro über Factoring finanziert hatte, kehrte dem Instrument den Rücken und finanziert sich seither über andere Wege. Entsprechend wuchs das Factoringvolumen im zweiten Halbjahr nur noch um 3 Prozent. Ein insgesamt starkes Neugeschäft konnte den Wegfall des größten Kunden jedoch kompensieren.

Damit kehrt Targo CF wieder auf den Wachstumspfad zurück: 2016 verzeichnete der Anbieter beim Factoring-Volumen noch ein Minus von 3,6 Prozent. Ob die Mainzer 2017 über dem Markt gewachsen sind, muss sich allerdings noch zeigen, da der Deutsche Factoring-Verband seine Zahlen für das Gesamtjahr erst noch vorlegen wird. Für das erste Halbjahr hat Targo CF dieses Ziel aber erreicht: Factoring wuchs in diesem Zeitraum um rund 8 Prozent, Targo CF lag 1 Prozent darüber. 

Targo Commercial Finance stabilisiert Zinsergebnis

Bei den Neukunden identifiziert Secker keine speziellen Trends. Unternehmen aus zahlreichen Branchen nutzen die Forderungsfinanzierung. Im Targo-Portfolio stechen besonders die Bereiche Handel, Metallerzeugnisse und Chemie heraus, mit denen der Anbieter nahezu die Hälfte des Geschäfts erwirtschaftet. „Besondere Anlässe für Factoring sind M&A-Transaktionen, insbesondere mit Private-Equity-Hintergrund“, sagt Secker. Aber auch Wachstumsfinanzierungen und Restrukturierungssituationen finanzieren die Factoringgesellschaft häufig, so ihr Chef.

Mit einem Zinsergebnis von rund 84 Millionen Euro ist es Targo CF gelungen, den Negativtrend des Vorjahres zu beenden. Von 2015 auf 2016 büßte das Zinsergebnis noch fast 11 Millionen auf 78 Millionen Euro ein.

„Wir haben nicht an der Risikoschraube gedreht, sondern versuchen, die Wertigkeit des Produkts am Markt zu verkaufen“, betont Secker, der dennoch auf eine baldige Zinswende hofft, beruht das Geschäftsmodell doch zu einem großen Teil auf den Zinserlösen. Hinzu kommt: Targo CF muss auch aus regulatorischen Gründen Guthaben auf Bundesbankkonten vorhalten und hat dafür einen Zinsaufwand von rund 1 Million Euro im Jahr zu akzeptieren.  

„Wir haben nicht an der Risikoschraube gedreht.“

Joachim Secker, CEO Targo CF

Integration in die Targobank abgeschlossen

Bei den Verwaltungskosten profitierte Targo CF von der neuen Muttergesellschaft. „2017 haben wir die organisatorische Integration und technische Migration in die Targobank Unternehmensgruppe abgeschlossen“, sagt Secker und ergänzt: „Die Konzernumlagen sind im Vergleich zur Zeit bei GE Capital gesunken.“

Hintergrund: Seit Mitte 2016 gehört der Factoringanbieter zur französischen Crédit Mutuel Gruppe, die hierzulande im Retailgeschäft durch die Targobank präsent ist. Seither ergänzen Leasing und Factoring das Geschäft der Düsseldorfer Privatkundenbank.

Für das laufende Jahr seien die Aussichten keineswegs schlecht, glaubt Secker: „Wir sind zuversichtlich, auf dem Niveau des Vorjahres wachsen zu können, also zwischen 5 und 6 Prozent.“ Der Markt bleibe aber „herausfordernd“.

Insbesondere Anbieter wie BNP Paribas Factor haben zum Angriff auf die Marktführer geblasen. Von größeren Krisenfällen à la Steinhoff ist Targo CF nach Aussagen Seckers bislang verschont geblieben. Und auch der Wegfall eines weiteren Großkunden deutet sich ihm zufolge derzeit nicht an.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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