Wandelanleihen haben 2019 ein Comeback gefeiert, auch 2020 locken Sie Unternehmen an den Markt. Delivery Hero sammelte zum Beispiel 1,75 Milliarden Euro über Convertible Bonds ein.

Delivery Hero

06.03.20
Finanzierungen

Wandelanleihen sind zurück

Convertible Bonds haben 2019 ein Comeback gefeiert, auch 2020 lockt das Instrument deutsche Unternehmen. Vor allem eine Emittentengruppe entdeckte den Markt wieder für sich.

Nach einem schwachen Jahr 2018 haben viele Unternehmen im vergangenen Jahr den Markt für Wandelanleihen wieder für sich entdeckt. Insgesamt wurden 2019 in der EMEA-Region Bonds über rund 18 Milliarden Euro an dem Nischenmarkt platziert. Neben Wandelanleihen umfasst diese Summe auch Umtauschanleihen sowie Pflichtwandelanleihen und Wandelanleihen ohne Laufzeitbegrenzung. In 2018 waren es gerade mal rund 10 Milliarden Euro.

„2018 war das Marktumfeld für klassische Anleihen insbesondere aufgrund des Niedrigzinsumfelds und der anhaltenden Anleihekäufe der EZB sehr gut. Daher war das Marktumfeld für klassische Anleihen gegenüber Wandelanleihen im besonderen Maße begünstigt.“ kommentiert Matthias Janssen, Co-Head des Bereichs ECM Germany bei der Unicredit. 2019 stieg die Emissionstätigkeit dann wieder an.

„Vor allem Emittenten ohne Rating entdeckten den Markt wieder für sich“, kommentiert der Experte. Mehr als die Hälfte aller Emittenten war im Jahr 2019 non-rated. Diese Unternehmen ohne Rating gelten eigentlich als die klassischen Akteure am Markt für Wandelanleihen. In den vergangenen Jahren haben allerdings verstärkt auch Unternehmen mit Rating von dieser Finanzierungsform Gebrauch gemacht, berichtet Janssen.  

Wandelanleihemarkt lockt ungeratete Emittenten

Auch im neuen Jahr lockte der Markt ein deutsches Unternehmen ohne Rating: Den Essenslieferdienst Delivery Hero, der den Markt für Convertibles im Januar anzapfte. Um eine milliardenschwere Übernahme zu finanzieren, sammelte das Unternehmen mit zwei Wandelanleihen 1,75 Milliarden Euro ein – mehr als ursprünglich geplant. Die Konditionen der beiden Tranchen über jeweils 875 Millionen Euro können sich sehen lassen: Eine Tranche über vier Jahre wird mit 0,25 Prozent verzinst, die siebenjährige mit 1 Prozent.

„Gerade für Unternehmen ohne Rating kann der Wandelanleihemarkt attraktiv sein, da eine starke Equity Story das Pricing positiv beeinflussen kann“, erklärt Janssen. Glauben Investoren an eine positive Entwicklung des Aktienkurses und suchen gleichzeitig einen Schutz ihrer Anlage („Bond Floor Protection“), kann sich das für das Unternehmen in günstigen Finanzierungskonditionen widerspiegeln. Die Kehrseite der Medaille: Wandelanleihen bringen das Risiko einer Verwässerung für die bestehenden Aktionäre mit sich. 

Wandelanleihen mit negativer Rendite

Da Wandelanleihen durch die Option des Tauschs in Aktien grundsätzlich niedrigere Finanzierungskosten mit sich bringen als klassische Anleihen, zeigt sich ein Phänomen des Niedrigzinsumfelds in diesem Nischensegment besonders: Renditen unter der Nulllinie. Im vergangenen Jahr wiesen zwölf der platzierten Bonds eine Negativrendite auf.

Eines der Unternehmen, dass solche Bonds mit Renditen im negativen Bereich platzieren konnte, war der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines im vergangenen Herbst. Der Dax-Neuling sammelte kurz vor seinem Aufstieg in den Leitindex über Wandelschuldverschreibungen 500 Millionen Euro ein, die mit 0,05 Prozent verzinst wurden. Der Ausgabepreis lag mit 103 Prozent allerdings so weit über par, dass sich daraus eine Rendite im negativen Bereich von 0,34 Prozent ergab. Die Wandlungsprämie lag bei 55 Prozent über dem Referenzaktienpreis.

Wie die Emission eines klassischen Bonds von Siemens kürzlich zeigte, erlaubt das Zinsumfeld auch in diesem Jahr Anleihen mit negativer Rendite. Es könnte in den kommenden Monaten also auch weitere Wandelanleihen geben, für die Investoren drauf zahlen müssen. 

Gutes Emissionsumfeld in diesem Jahr

Insgesamt dürfte das Jahr 2020 wieder ein aktives am Markt für Convertible Bonds werden. „Wir erwarten ein weiterhin positives Marktumfeld und zahlreiche Emissionen“, kommentiert Unicredit-Experte Janssen. Das wird auch durch etwa 10 Milliarden Euro an Wandelanleihen getrieben, die 2020 gewandelt oder refinanziert werden müssen. Die Pricing Power werde dabei weiterhin auf Seite der Emittenten liegen. „Die Nachfrage nach Wandelanleihen übersteigt das Angebot derzeit bei weitem“, betont Janssen. 

Eine höhere Volatilität am Aktienmarkt, wie sie in den vergangenen Wochen zu sehen war, ist Janssens Ansicht nach kein Hindernis. „Der Markt für Wandelanleihen kann Marktturbulenzen sehr viel besser aushalten als beispielsweise der IPO-Markt“, betont der Experte. Käme es allerdings zu einer echten Panik an den Märkten, dann könnten sich Emissionsfenster auch für Convertible Bonds vorübergehend schließen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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