Delivery Hero patziert für einen M&A-Deal zwei Wandelanleihen und eine Kapitalerhöhung.

Delivery Hero

16.01.20
Finanzierungen

Delivery Hero besorgt sich Geld für Milliardendeal

Delivery Hero hat sich Geld für seinen Milliardenzukauf in Korea besorgt, der zuletzt den Aktienkurs befeuerte. Am Ende sammelten die Berliner sogar mehr ein als geplant.

Der Essenslieferdienst Delivery Hero lässt bei der Finanzierung nichts anbrennen: Wenige Wochen nachdem die Berliner sich die Mehrheit an dem südkoreanischen Konkurrenten Woowa gesichert haben, sammelte das Unternehmen in der Nacht zum heutigen Donnerstag rund 2,3 Milliarden Euro am Kapitalmarkt ein. Dafür platzierte Delivery Hero zwei Wandelanleihen über insgesamt 1,75 Milliarden Euro und eine Kapitalerhöhung mit einem Erlös von 571 Millionen Euro.

Ursprünglich wollte Delivery Hero mit den Wandelanleihen nur 1,5 Milliarden Euro einnehmen. Doch der Konzern konnte aufgrund hoher Nachfrage mehr erzielen und platzierte zwei Tranchen mit einem Volumen von jeweils 875 Millionen Euro, anstelle der ursprünglich geplanten je 750 Millionen Euro. Die Tranche A wird halbjährlich mit einem Kupon von 0,25 Prozent verzinst, Tranche B mit 1 Prozent. Der anfängliche Wandlungspreis liegt bei beiden Bonds bei 98 Euro. Das entspricht einer Wandlungsprämie von 40 Prozent auf den Referenzpreis von 70 Euro. Die Delivery-Hero-Aktie war am Mittwoch bei rund 71 Euro aus dem Markt gegangen, am Donnerstagvormittag hielt sich der Kurs über der 70-Euro-Marke.

Die Barkapitalerhöhung bestand aus 8,1 Millionen neuen Aktien zu einem Preis von 70 Euro je Aktie. Das Bezugsrecht der Aktionäre war ausgeschlossen. Die Hypovereinsbank hat die Transaktion als Joint Global Coordinator und Joint Bookrunner begleitet. Der Bank zufolge ist es die bisher größte Kombination einer Wandelschuldverschreibung und Barkapitalerhöhung im deutschen Markt.

Delivery Hero finanziert Barkomponente für Asienzukauf

Mit dem Erlös dieser beiden Transaktionen will CFO Emmanuel Thomassin einen Teil der Barkomponente des geplanten Woowa-Deals finanzieren. Im Dezember hatte Delivery Hero mitgeteilt, die Koreaner, die mit Baedal Minjok den größten Online-Essenslieferservice in Südkorea betreiben, für 3,6 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Das ist der Wert auf bargeldloser und schuldenfreier Basis, der Unternehmenswert inklusive Verschuldung ist nicht bekannt.

Den M&A-Deal will Thomassin mit einem Finanzierungspaket aus zwei Komponenten stemmen. 1,7 Milliarden Euro wollen die Berliner in bar bezahlen. Delivery Hero hatte bereits angekündigt, dafür eine Kombination aus eigenkapitalgebundenen- sowie Fremdkapitalinstrumenten nutzen zu wollen. Die weiteren 1,9 Milliarden Euro sollen in Aktien bezahlt werden.

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung.

2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich.

Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

zum Profil

Bereits Ende 2018 hatte Delivery Hero für 930 Millionen Euro sein Deutschlandgeschäft verkauft und damit die finanzielle Lage aufgebessert. Allerdings hat das Unternehmen immer noch nicht den Break-Even erreicht: Für das Geschäftsjahr 2019 erwartet der Lieferdienst ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der Spanne von minus 370 bis minus 420 Millionen Euro. Den Weg in die Profitabilität zu finden, dürfte für Finanzchef Thomassin die Hauptaufgabe der kommenden Zeit werden.

Der Zukauf in Südkorea soll dem Unternehmen einen weiteren Wachstumsschub geben. 82 Prozent an Woowa hat sich Delivery Hero bereits vertraglich gesichert. Weitere Anteile können den Berlinern noch angedient werden. Das Closing des M&A-Deals wird für das zweite Halbjahr 2020 erwartet, die kartellrechtlichen Zustimmungen stehen noch aus.

Woowa-Deal löste Kurs-Rally bei Delivery Hero aus

Die Ankündigung des Zukaufs in Korea hatte bei den Investoren der Berliner trotz des hohen Preisschilds große Zustimmung gefunden und den Aktienkurs deutlich nach oben getrieben. Anfang Dezember notierte die Aktie noch bei rund 48 Euro je Aktie. Inzwischen liegt das Papier über der 70-Euro-Marke – ein rasanter Kurssprung für das noch junge börsennotierte Unternehmen, das erst im Sommer 2017 an die Börse ging.

Delivery-Hero-Kurs seit 1. Dezember 2019

Die Berliner erzielen bereits 30 Prozent ihrer Umsätze im asiatischen Raum. Mit der Übernahme von Woowa soll der Fußabdruck von Delivery Hero in diesem schnell wachsenden Markt noch einmal deutlich größer werden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de