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Beate Uhse will Mittelstandsanleihe restrukturieren

Die Anleihe läuft ursprünglich noch bis 2019, doch der Erotikkonzern Beate Uhse will bereits jetzt seine 30 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe restrukturieren. Das erste Angebot an die Gläubiger stößt auf Widerstand.
Beate Uhse

Der kriselnde Wäsche- und Erotikhändler Beate Uhse muss seine 30 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe restrukturieren. Wie das Unternehmen vor wenigen Minuten bekanntgab, plant CFO und CEO Kees Vlasblom den ursprünglich bis 2019 laufenden Bond um fünf Jahre bis 2024 zu verlängern. Außerdem sollen die Bondholder bei Gläubigerversammlungen am 8. Juni und 9. Juli eine Zinssenkung von derzeit 7,75 Prozent auf 2 Prozent auf den Weg bringen.

Die Zinssenkung soll zunächst für drei Jahre gelten. Sollte sich bis dahin der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wieder erholen, könnte die Verzinsung ab dem 9. Juli 2018 wieder steigen, jedoch nur, wenn das Ebitda wieder über 8 Millionen Euro wächst. Dann soll der variable Zins für jede angefangene Million Euro Ebitda um einen Prozentpunkt ansteigen. Ein Ebitda von 8 Millionen Euro zu erwirtschaften, gelang Beate Uhse in den Jahren 2012 bis 2014, anschließend rutschte das Handelsunternehmen in die roten Zahlen.

Schon nach wenigen Minuten erntete Vlasblom für seinen Restrukturierungsplan Kritik. Die Finanzierungsberatung One Square Advisors, die auch bei Beate Uhse als gemeinsamer Vertreter die Interessen der Anleihegläubiger vertreten soll, bemängelte, dass Beate Uhse seinen Bondholdern keine Gegenleistung für die geforderte Zinssenkung anbietet. One Square vermisst ein „hinreichend abgesichertes Wertaufholungspotential“ und hält das Restrukturierungskonzept daher „in der vorliegenden Form für nicht zustimmungsfähig“. 

Die Krise bei Beate Uhse ist (auch) hausgemacht

Doch ob Beate Uhse die nötige finanzielle Substanz hat, um den Bondholdern, die die einzigen nennenswerten langfristigen Finanzgläubiger sind, ein besseres Angebot zu machen, ist fraglich. In den ebenfalls heute veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal weist Beate Uhse zwar ein kleines positives Ebitda von 400.000 Euro aus. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 lag es bei minus 5,3 Millionen Euro. Doch schon im zweiten Quartal habe sich das Geschäft wieder „deutlich unter Plan“ entwickelt, wie das Unternehmen warnt.

Nun sollen die Wirtschaftsprüfer von EY in einem Sanierungsgutachten die Überlebensfähigkeit von Beate Uhse prüfen. Der erhoffte Zinsverzicht dürfte dabei eine zentrale Rolle einnehmen, denn allein in den ersten drei Jahren würde Beate Uhse dadurch den kuponbedingten Cashabfluss um über 5 Millionen Euro reduzieren. 

Bondholder haben große Zweifel an Beate Uhse

Die Misere ist zum Teil marktbedingt, zum Teil hausgemacht. CFO Vlasblom unterschätzte die Stärke des US-Dollars und verzichtete auf eine entsprechende Absicherung, obwohl Beate Uhse einen wesentlichen Teil der Waren im Dollar-Raum einkauft und im Euro-Raum verkauft. Damit verlor das Traditionsunternehmen Millionen (eine ausführliche Analyse dazu finden Sie in der Ausgabe 1/2016 des FINANCE-Magazins, erhältlich als ePaper).

Zum anderen reagierte der Konzern zu langsam auf die Verschiebung des Kundenverhaltens vom stationären in den Online-Handel. Anfang 2016 stellte Beate Uhse das Kataloggeschäft ein, doch jetzt schrumpft auch noch das mit großen Hoffnungen ausgebaute E-Commerce-Geschäft. Marktbedingt hingegen ist der Druck auf die Umsätze, der sich aus der Verlagerung des Video- und Entertainmentgeschäfts erotischen Inhalts auf Gratisangebote im Internet ergibt. 2015 schrumpfte der Umsatz von rund 143 auf rund 129 Millionen Euro.    

Offensichtlich wurde die Schieflage von Beate Uhse vor einem dreiviertel Jahr: Ende Oktober 2015 musste Beate Uhse mit einer Gewinnwarnung an die Öffentlichkeit. Die Mittelstandsanleihe rutschte in der Folge zwischenzeitlich auf unter 25 Prozent ihres Ausgabekurses ab. Die Unternehmensführung ging auf Tauchstation und kündigte ein Maßnahmenpaket für Mitte Januar an, das mit Verzögerung Anfang Februar publik gemacht  wurde. Die angekündigten harten Sanierungsschritte stoppten die Talfahrt der Anleihe – aktuell notiert das Papier knapp unter 40 Prozent. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Mit der Restrukturierung des Mini-Bonds spitzt sich die Krise beim Erotikkonzern zu. Wie es dazu kam, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Beate Uhse.

 

Beate Uhse ist nicht der einzige Mini-Bond-Emittent mit Problemen. Eine Übersicht über das schwer gebeutelte Marktsegment liefert die FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen

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