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Eterna gelingt Bondplatzierung

Eterna kann aufatmen: Dank der erfolgreichen Anleiheplatzierung steht nun auch der Auszahlung des Schuldscheindarlehens nichts mehr im Weg.
Eterna

Eterna hat eine drohende Finanzierungskrise abgewendet: Der Hemdenhersteller hat genügend Investoren zusammen bekommen, um das Platzierungsziel von 25 Millionen Euro für seine neue Mittelstandsanleihe zu erreichen. Dadurch kann auch die geplante Ausgabe eines Schuldscheins vollzogen werden. Die Schuldscheininvestoren hatten Eterna vor vier Wochen 33 Millionen Euro zugesagt, die Auszahlung aber an die Bedingung geknüpft, dass zuvor noch die Anleihe über 25 Millionen Euro erfolgreich platziert werden muss.

Der Schuldschein wird mit 4,75 Prozent über dem 3-Monats-Euribor verzinst. Der Kupon der Anleihe liegt mit 7,75 Prozent über Euribor erheblich höher, was daran liegt, dass der Bond – anders als der Schuldschein – unbesichert ist. Zudem trägt der neue Bond von Eterna Financial Covenants – anders als die jetzt auslaufende erste Mittelstandsanleihe. Der maximal zulässige Leverage beträgt laut Anleiheprospekt anfangs 6,5x Ebitda und sinkt dann bis 2019 stufenweise auf 5,5x Ebitda ab. Der Zinsdeckungsgrad darf zu keinem Zeitpunkt unter 2,0 sinken. Wird ein Covenant gebrochen, steigt der Zinssatz für die anschließende Zinsperiode um 0,5 Prozentpunkte an. 

Die neue Anleihe läuft bis 2022. Der Schuldschein wird dagegen schon 2021 fällig. Auch dies stellt die Schuldscheininvestoren besser als die Bondholder. Das Gesellschafterdarlehen des Finanzinvestors Quadriga, der Eterna kontrolliert, wird allerdings auch zu dem neuen Bond nachrangig gestellt. 

Eterna bekommt Korsett aus Sicherheiten und Covenants

In Summe spart Eterna mit der überarbeiteten Finanzierungsstruktur aus neuer Anleihe und Debütschuldschein knapp 1 Million Euro Zinsen pro Jahr – allerdings zu dem Preis, dass das Korsett aus Sicherheiten und Financial Covenants nun wesentlich enger ist als bei der 2012 begebenen Anleihe, deren Volumen 55 Millionen Euro erreichte und die nun zurückbezahlt werden kann.

Dass Eterna dieser Befreiungsschlag gelingt, war in dieser Form alles andere als sicher gewesen: Marktbeobachtern zufolge hatte sich das Orderbuch anfangs nur langsam gefüllt, die Nachfrage nach der neuen Anleihe war verhalten – wohl auch, weil den Investoren klar war, dass der Bond einen Großteil des Finanzierungsrisikos trägt, während die Schuldscheininvestoren eine solide Downside-Protection bekommen.

Nennenswert überzeichnet soll der Eterna-Bond auch am Ende der Zeichnungsfrist nicht gewesen sein, aber die Aufträge deckten zumindest das Zielvolumen ab. Ob – und wenn ja, in welcher Höhe – das Corporate-Finance-Haus ICF, das die Emission durchführte, den neuen Bondinvestoren Abschläge auf den Nennwert anbieten musste, ist nicht bekannt.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt gemacht, und die Reaktionen der Investoren auf unserer Roadshow waren positiv“, lässt sich Eterna-Chef Henning Gerbaulet zitieren. Allerdings deutet er auch an, dass die Platzierung schwierig gewesen ist: „Das Marktumfeld für Mittelstandsanleihen in Deutschland ist aktuell sehr skeptisch.“ Ähnliches hatte gestern auch der CFO der Familienholding Hörmann Finance, Johann Schmid-Davis, bei FINANCE-TV berichtet. Hörmann hatte kurz vor Weihnachten einen neuen Mini-Bond platziert – trotz vieler Widrigkeiten: Rund 15 bis 20 Prozent der ihm bekannten Investoren hätten sich grundsätzlich aus dem Mini-Bond-Markt verabschiedet, sagte Schmid-Davis. 

Eterna hat der Talfahrt der Modebranche getrotzt

Ein starkes Argument, das erklärt, warum Eterna – anders als andere Unternehmen – mit der Platzierung einer neuen Mittelstandsanleihe Erfolg hatte, ist die Outperformance des Hemdenherstellers gegenüber dem seit Jahren schwachen deutschen Textilmarkt. Viele Modefilialisten wie Hugo Boss, Gerry Weber und Adler schockierten ihre Anleger mit Gewinnwarnungen und umfangreichen Filialschließungen. Der einstige Highflyer Tom Tailor tauschte sogar sein Top-Management aus und brach kurz darauf die Financial Covenants seiner Konzernfinanzierung.

Eterna-Chef Henning Gerbaulet gelang es jedoch, das Unternehmen gegen den Markttrend auf einem moderaten Wachstumskurs zu halten: 2016 wuchs der Umsatz um rund 4 Prozent, 2015 war er stabil. Die operative Gewinnmarge (Ebitda) lag 2015 bei 11,4 Prozent. Dieses Niveau dürfte Eterna auch 2016 in etwa wieder erreicht haben. Genaue Zahlen hat das Unternehmen noch nicht präsentiert.

Gerbaulet bemüht sich schon seit Jahren darum, Cash-Überschüsse dafür zu nutzen, die Verschuldung zu begrenzen. Zwischen Januar 2013 und Dezember 2015 habe Eterna die Nettoverschuldung aus dem operativen Geschäft heraus um 7,3 Millionen Euro verringern können, schrieb das Unternehmen im Geschäftsbericht 2015.

Trotzdem hatte sich bei den Investoren zuletzt Unbehagen breitgemacht: Wegen zunehmender Sorgen um die Anschlussfinanzierung war die Eterna-Anleihe im September unter 85 Prozent abgesackt. Zum Jahreswechsel hatte der Anleihekurs seinen Nennwert aber wieder erreicht. 

Quadriga könnte nun Anlauf zum Exit bei Eterna nehmen

Da die Konzernfinanzierung nun für die nächsten vier Jahre gesichert sein dürfte, spricht viel dafür, dass der Hauptgesellschafter Quadriga versuchen wird, sich von Eterna zu trennen. Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft hatte Eterna schon 2006 gemeinsam mit dem Branchenkollegen Alpha übernommen und Anfang 2013 dann Alpha herausgekauft.

Die Haltedauer von inzwischen elf Jahren ist schon jetzt mehr als doppelt so lang wie in der Private-Equity-Branche üblich. Die branchenweite Talfahrt im Textilhandel und die prekäre Unternehmensfinanzierung von Eterna, die sich im langfristigen Bereich praktisch ausschließlich auf die unpopulär gewordene Mittelstandsanleihe stützte, versperrten Quadriga bislang jedoch die Aussicht auf einen erfolgreichen Verkaufsprozess.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Mehr News aus dem aktuell schwierigen Markt für Mini-Bonds gibt es auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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