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Hamburger SV gibt Klaus-Michael Kühne einen Korb

Der Hamburger hat der 120 Millionen Euro schweren Offerte des Milliardärs Klaus-Michael Kühne eine Absage erteilt. Foto: nmann77 – stock.adobe.com
Der Hamburger hat der 120 Millionen Euro schweren Offerte des Milliardärs Klaus-Michael Kühne eine Absage erteilt. Foto: nmann77 – stock.adobe.com

120 Millionen Euro wollte Klaus-Michael Kühne, Unternehmer und seit kurzem größter Aktionär der Lufthansa, in den Hamburger SV investieren, wie verschiedene Medien, darunter der „Spiegel“, Ende vergangener Woche berichteten. Doch der Zweitligist will das Geld nicht und gibt Kühne einen Korb – vor allem aufgrund der von Kühne gestellten Bedingungen, die mit der Finanzspritze verbunden waren, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten.

Der 85-Jährige, der aktuell mit etwa 15 Prozent an der Profiabteilung HSV Fußball AG beteiligt ist, wollte das Kapital lediglich bereitstellen, wenn der HSV einem Restrukturierungsprogramm – dem „Zehn-Punkteprogramm zur Sanierung des Hamburger Traditionsvereins“ – zustimmt. Dieses würde Kühne mehr Macht und Einfluss beim HSV einräumen.

So sieht der HSV-Sanierungsplan von Kühne aus

Im Rahmen dieses Programms war zunächst eine Erhöhung seines HSV-Anteils auf fast 40 Prozent vorgesehen, wodurch der Anteil der HSV e.V. von rund 75 auf 50,1 Prozent abschmelzen würde. Damit würde die 50+1-Regel, derzufolge Kapitalanleger nicht die Mehrheit an Fußball-Kapitalgesellschaften übernehmen dürfen, gerade so noch eingehalten, zudem könnte Kühne mit dieser Sperrminorität Entscheidungen des Vereins blockieren. Einem solchen Schritt müssten die Vereinsmitglieder zustimmen, wofür eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden müsste.

Darüber hinaus forderte Kühne, dass „Aufsichtsrat und Vorstand der HSV Fußball AG“ so besetzt werden, dass der Klub „ordnungsgemäß, kompetent und erfolgsorientiert“ geführt wird. Auch verlangte der Milliardär danach, zwei Vertreter in den HSV-Aufsichtsrat entsenden zu dürfen.

Ein neugegründeter, ständiger Arbeitsausschuss, zusammengestellt vom HSV sowie der Kühne Holding, sollte sich außerdem mit der „strukturellen finanziellen und sportlichen Entwicklung der HSV Fußball AG befassen, gemeinsame Zielsetzungen erarbeiten und deren Umsetzung überwachen“. Dieser Ausschuss solle zudem über die personelle Gremienbesetzung beraten.

Auch eine Umbenennung des Volksparkstadions in „Uwe-Seeler-Station“ ist Teil des Plans. Dafür wäre Kühne „für die Dauer von zehn Jahren“ bereit gewesen, jährlich 3 bis 4 Millionen Euro für das Namensrecht an den HSV zu entrichten, also insgesamt zwischen 30 bis 40 Millionen Euro. Im letzten Punkt forderte Kühne, dass der HSV sportlich erfolgreich in der zweiten Liga abschneidet.

Hamburger SV will sich mit Kühne „persönlich austauschen“

Die Antwort des HSV auf das Sanierungskonzept war eindeutig: Der Zehn-Punkte-Forderungskatalog sei „in dieser Form nicht umsetzbar“, fasste Aufsichtsratschef Marcell Jansen am gestrigen Montag zusammen. Seine Begründung: Die Grenzen für Anteilsverkäufe seien in der Vereinssatzung verankert, das Maximum für externe Investoren liege bei 24,9 Prozent. Eine Satzungsänderung müsste allerdings von einer Dreiviertelmehrheit der Mitgliedschaft abgesegnet werden.

Dennoch erachten die Hamburger die millionenschwere Offerte als „weiteren Impuls, mit dem wir uns beschäftigen werden“, wie der „Spiegel“ Jansen zitiert. Der Aufsichtsratschef will sich nun „direkt und persönlich mit Herrn Kühne zu seinem Angebot“ austauschen.

Hanse Merkur stellt Darlehen an HSV

Die Finanzspritze wäre dem Hamburger SV jedoch nicht ungelegen gekommen. der Zweitligist ist hochverschuldet, zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres 2020/21 betrugen die Finanzverbindlichkeiten 51,2 Millionen Euro, das Eigenkapital lag bei gerade einmal 31,8 Millionen Euro, das ist eine Eigenkapitalquote von rund 25 Prozent.  

Die Umsatzerlöse lagen bei 55,8 Millionen Euro, was einem Rückgang von über 40 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Unterm Strich stand ein Jahresfehlbetrag über 4,7 Millionen Euro. Der aktuelle Jahresabschluss liegt noch nicht vor, das Geschäftsjahr endete erst am 30. Juni 2022.

Dafür hat Vorstandschef und CFO Thomas Wüstefeld für den Fußballverein ein Darlehen zur Finanzierung der Stadionsanierung eingefädelt, dass die Versicherungsgruppe Hanse Merkur stellt, schreibt die Nachrichtenagentur Dpa-afx. Der Kredit ist 23 Millionen Euro schwer. Wüstefeld will der Hanse Merkur, dem Hauptsponsor des Vereins, noch in dieser Woche Unterschriften von Bürgen vorlegen.

Wüstefeld ist der CFO-Nachfolger von Frank Wettstein, der den HSV Anfang dieses Jahres plötzlich verlassen hat. Bereits im November 2021 war bekanntgeworden, dass Wettstein seinen im Juni 2022 auslaufenden Vertag nicht mehr verlängern will.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

olivia.harder@finance-magazin.de | + posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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