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HSV und CFO Wettstein trennen sich

CFO Frank Wettstein will den HSV Ende Juni 2022 verlassen. Foto: FINANCE

Sportlicher Abstieg, die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise und nun auch noch der Verlust einer Schlüsselperson: Der Hamburger SV verliert seinen Finanzchef Frank Wettstein, wie die „Sport Bild“ am heutigen Mittwoch berichtet. Demnach will der CFO seinen Ende Juni 2022 auslaufenden Vertrag nicht verlängern, sondern sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Den Aufsichtsrat habe der 48-Jährige über seine Entscheidung informiert.

Mit seinem Weggang verliert der HSV den Mann, der den Verein in den vergangenen Jahren allen Unkenrufen zum Trotz finanziell über Wasser gehalten hat. Seit 2014 leitet Wettstein die Finanzen der Hamburger, 2018 hatte er kurzzeitig auch den Vorstandsvorsitz übernommen.  

Wettstein hat Fananleihe und Stadion-Deal eingefädelt

Seit Anbeginn seiner Amtszeit musste Wettstein immer neue Finanzmanöver fahren, um den hoch verschuldeten und chronisch defizitären HSV liquide zu halten. Zu seinen wichtigsten Transaktionen gehörte im Februar 2019 eine 17,5 Millionen Euro schwere Neuauflage einer Fananleihe, deren Auslaufen ohne Anschlussfinanzierung den HSV in große Schwierigkeiten gebracht hätte.

Der Anleiheprospekt legte damals allerdings auch schonungslos die damalige Kassenlage offen: Der HSV hatte trotz zahlreicher Eigenkapitalspritzen durch den Unternehmer Klaus-Michael Kühne einen Schuldenberg von 85 Millionen Euro angehäuft. Diesen Berg konnte CFO Wettstein bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/20 (30. Juni) auf 74 Millionen Euro reduzieren.

Wie prekär die Finanzlage jetzt aktuell ist, hat der HSV noch nicht offengelegt. Wettstein hatte jedoch schon im Sommer davor gewarnt, dass die Coronafolgen den HSV 60 Millionen Euro Umsatz gekostet hätten. Dem CFO gelang es, dem HSV aus staatlichen Hilfsprogrammen Überbrückungshilfen in Höhe von 10 Millionen Euro zu verschaffen, was in der Bundesliga viel Aufsehen erregte.

Ein weiterer Meilenstein seiner Zeit beim HSV war ein Deal, den der scheidende Finanzchef im September vergangenen Jahres mit der Stadt Hamburg zum Verkauf des  Stadiongrundstücks einfädelte. Dieser spülte 23,5 Millionen Euro in die klammen Taschen des Vereins. Zwar hat sich der HSV verpflichtet, Geld in die Sanierung des Stadions für die Europameisterschaft 2024 zu stecken, aber die Mittel müssen nicht zwingend aus dem Verkaufserlös stammen – eine typische Wettstein-Transaktion, die klug eingefädelt war und wieder für eine finanzielle Atempause sorgte, die finanziellen Probleme im Kern aber nicht nennenswert linderte.

CFO-Profil

Frank Wettstein, HSV Fußball AG

Frank Wettstein

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HSV Fußball AG

HSV verliert einen erfahrenen Finanzfachmann

Wohin es Wettstein künftig zieht und ob er dem Fußball beruflich treu bleibt, ist bisher nicht bekannt. Über die nötige Erfahrung mit der Finanzierung namhafter Klubs verfügt Wettstein in jedem Fall. Bereits vor seinem Einstieg beim HSV hatte der CFO als Wirtschaftsprüfer unter anderem die Fußballklubs Borussia Dortmund, Alemannia Aachen und 1860 München beraten und so seinen Ruf als Finanzfachmann im deutschen Profifußball begründet.

Seine Karriere begann er 2000 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly Roelfs in Düsseldorf als Assistent in der Wirtschaftsprüfung und Restrukturierung, wo er bis zum Partner aufstieg. Im September 2012 machte er sich mit einem Team von Wirtschaftsprüfern und Beratern selbständig und gründete die Wettstein Schmidt Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Aachen. Mit dieser betreute er damals überwiegend Restrukturierungsfälle und kam so letztlich auch mit den Finanzproblemen beim HSV in Kontakt.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.