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Lufthansa will Mega-Kapitalerhöhung

Lufthansa will schnell an den M&A-Markt zurück. Foto: Lufthansa
Lufthansa will schnell an den M&A-Markt zurück. Foto: Lufthansa

Die von der Coronakrise schwer getroffene Deutsche Lufthansa will von ihren Aktionären grünes Licht für eine Mega-Kapitalerhöhung bekommen. Wie die Airline mitteilte, möchte sie bei der virtuellen Hauptversammlung am 4. Mai genehmigtes Kapital im Volumen von nominal 5,5 Milliarden Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren schaffen. „Dadurch soll das Unternehmen in die Lage versetzt werden, Finanzierungsgelegenheiten flexibel nutzen zu können, um Eigenkapital am Kapitalmarkt zu beschaffen“, heißt es.

Den Lufthansa-Aktionären würde im Fall der Fälle ein Bezugsrecht eingeräumt, heißt es seitens des Konzerns. Wie und wann die Airline diesen Rahmen auszuschöpfen gedenkt, wenn er erst einmal genehmigt ist,  hat die Lufthansa mit ihrem seit Jahresbeginn amtierenden CFORemco Steenbergen allerdings noch nicht dargelegt.

Lufthansa-Aktie gibt nach

Das Volumen der eventuellen Kapitalerhöhung leite sich „rein technisch“ aus der Höhe der Stillen Einlagen I und II des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ab, erläutert der Konzern weiter. Die mögliche Kapitalmaßnahme stehe in direktem Zusammenhang mit der Rückführung der Stabilisierungsmaßnahmen.

Die potentiellen 5,5 Milliarden Euro sind in jedem Fall enorm. Zum Vergleich: Die Lufthansa kam vor der Ankündigung am Gründonnerstag auf eine Marktkapitalisierung von etwas über 7 Milliarden Euro. Nach der Ankündigung sackten die Papiere von 11,65 Euro auf 10,80 Euro ab, da die Aktionäre offenbar eine Verwässerung ihrer Anteile fürchten.

Die Kapitalerhöhung könnte theoretisch noch deutlich größer ausfallen als die 5,5 Milliarden Euro, da es sich um den Nominalbetrag handelt. Insgesamt würde das Lufthansa-Management berechtigt, bis zu 2,2 Milliarden neue Aktien auszugeben. So könnten der Airline fast 20 Milliarden Euro frisches Kapital zufließen – selbst wenn man einen Rabatt von 30 Prozent zum derzeitigen Börsenkurs einberechnet.

Eine  derart riesige Kapitalmaßnahme ist indes kaum zu erwarten, wie die Analysten der Investmentbank Stifel schreiben. Um die Corona-Effekte auszugleichen, brauche die Lufthansa aber durchaus 7 Milliarden Euro an frischen Eigenmitteln. Durch den Verkauf von Assets wie der Catering-Tochter LSG oder des Reisekostendienstleisters Airplus könne diese Zahl gesenkt werden. Stifels Kursziel der Lufthansa liegt nur bei 4 Euro je Aktie.

EU-Kommission baut Druck auf Lufthansa auf

Mit den Mitteln aus der möglichen Kapitalerhöhung könnte sich die Lufthansa möglicherweise wieder komplett unabhängig vom Staat machen. Wegen der Coronakrise und des lahmliegenden Flugverkehrs musste sich die Airline Staatshilfen in Höhe von bis zu 9 Milliarden Euro holen, nach jüngsten Konzernangaben sind davon 2,3 Milliarden Euro gezogen. Mit der Emission einer Anleihe konnte CFO Steenbergen zuletzt im Februar ein KfW-Darlehen über 1 Milliarde Euro tilgen.

Doch in den vergangenen Wochen war Deutschlands größte Fluggesellschaft in das Visier der EU-Kommission geraten, da die Lufthansa die Zinsen einer Hybridanleihe im Volumen von 25 Millionen Euro gezahlt hatte, ohne Brüssel darüber zu informieren. Zudem hatte die Airline dem Konkurrenten Condor zum Juni dieses Jahres diverse Zubringerflüge zu den Verkehrsdrehscheiben in Frankfurt und München gestrichen, was Brüssel missfiel.

Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sei sehr verärgert, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Sie sah in dem Manöver eine Benachteiligung eines Konkurrenten durch einen staatlich gestützten Marktführer.

Eigenkapital der Lufthansa schrumpft zusammen

Neben der komplizierten politischen Gemengelage scheint auch der bilanzielle Druck für eine Lösung über die Eigenkapitalseite zu sprechen: Die Eigenkapitalquote der Lufthansa ist im Coronajahr 2020 von 24 Prozent (2019) auf 3,5 Prozent zusammengeschrumpft. Das EK-Polster betrug Ende 2020 nur noch 1,4 Milliarden Euro. Eine milliardenschwere Kapitalerhöhung könnte der Airline deutlich Luft verschaffen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.