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Tui-Aktionäre machen Weg für Staatsrettung frei

Tui: Die Aktionäre des Reisekonzerns haben den schmerzlichen Kapitalmaßnahme zugestimmt.
TUI

Die stark vom Coronavirus getroffene Tui kann vorerst durchatmen: Am Dienstagmittag stimmten die die Aktionäre des Touristikkonzerns mit mehr als 97,9 Prozent aller Stimmen drei Kapitalmaßnahmen hintereinander zu. Damit gaben sie grünes Licht für ein weiteres, 1,8 Milliarden Euro schweres Rettungspaket, bei dem der Staat bis zu 1,25 Milliarden Euro und sie selbst 500 Millionen Euro beisteuern wollen. Nun fehlt dem weltgrößten Reiseunternehmen nur noch die Zustimmung des Landes Niedersachsen zu einer Bürgschaft.

Die klare Mehrheit seitens der Aktionäre kommt nicht überraschend, hatte doch keiner der virtuell anwesenden Investoren ein Interesse an einer Insolvenz des Reiseanbieters. Bereits in der Einladung zur Sondersitzung sprach der Tui-Vorstand von einer „Bestandsgefährdung“ und einem möglichen „Totalverlust für die Aktionäre“, der ohne das Rettungspaket drohe. Die Einschnitte sind dennoch heftig: Die Tui-Eigner akzeptierten eine Reduzierung des Nominalwertes ihrer Aktien samt Dividendenanspruch um knapp 62 Prozent.

Großaktionär Mordaschow steht zu Tui

In der ersten Abstimmung war die Kapitalherabsetzung durchgewinkt worden. So wurden von den rund 1,5 Milliarden Euro an „gezeichnetem Kapital“ bilanztechnisch 920 Millionen Euro als „Kapitalrücklage“ umgebucht. Während die Anzahl der Aktien unverändert bei 590 Millionen Euro bleibt, sinkt das Grundkapital der Tui von 2,56 Euro auf 1 Euro je Aktie.

Als zweites stimmten die Aktionäre einer verwässernden Kapitalerhöhung über rund einer halben Milliarden Euro zu. So will der Tourismusgigant 509 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 1,07 Euro anbieten. Der größte Tui-Aktionär Unifirm, die zypriotische Zwischenholding des russischen Milliardärs Alexej Mordaschow, hatte bereits angekündigt und vertraglich zugesichert, sein gesamtes Bezugsrecht ausüben und seinen bisherigen Anteil von bislang knapp 25 Prozent ausbauen zu wollen.

Bereits am Montagabend hatte die Finanzaufsicht Bafin mitgeteilt, dass Mordaschow und seine Familie ihren Anteil auf mehr als 30 Prozent erhöhen dürfen, ohne wie üblich den restlichen Tui-Aktionäre ein Pflichtangebot machen zu müssen. Sollte der russische Oligarch dies nutzen, könnte er seine Beteiligung für maximal 266 Millionen Euro auf bis zu 36 Prozent aufstocken.

Unklar ist, ob und in welcher Höhe die zwei weiteren Großaktionäre, der ägyptische Tourismus-Geschäftsmann Hamed El Chiaty und die spanische Hoteldynastie Riu, ihre Bezugsrechte nutzen werden.

Tui-Aktionäre erlauben Staatseinstieg

In der dritten Abstimmungsrunde gaben die Aktionäre grünes Licht für eine größere staatliche Beteiligung. Ebenfalls am Montagabend hatte die EU-Kommission die deutschen Staatshilfen von bis zu 1,25 Milliarden Euro für die Tui genehmigt. Laut dem Beschluss darf der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) seine in Aussicht gestellte stille Einlage an Tui von 420 Millionen Euro fortan jederzeit in Unternehmensaktien umwandeln, was ebenfalls eine verwässernde Wirkung hätte.

Sollte der WSF diese Option ausüben, könnte der Staat auf eine Beteiligung von mehr als 25 Prozent kommen. Dann würde er eine maßgebliche Rolle bei Entscheidungen zu neuen Kreditaufnahmen oder M&A spielen. Allerdings sei laut Aussagen von Tui-CEO Fritz Joussen bereits vertraglich geregelt, dass die Marke von 25 Prozent plus einer Aktie nicht überschritten werde.

Indes dürfte der WSF künftig auf der Tui-Hauptversammlung zumindest über ein Vetorecht verfügen. Gleichzeitig kündigte Tui-Aufsichtsratschef Dieter Zetsche an, dass zwei Personen aus dem staatlichen Fonds in das oberste Kontrollgremium einziehen werden. Welche Aufsichtsratsmitglieder für sie weichen müssen, sagte er nicht.

Land Niedersachsen für Tui das Zünglein an der Waage

Neben den 420 Millionen Euro vom WSF umfasst das Finanzpaket eine ebenfalls wandelbare Anleihe im Wert von 150 Millionen Euro, für die bereits im Spätsommer 2020 die wesentlichen Bedingungen geklärt worden waren. Die restliche Summe kommt in Form einer nicht wandelbaren stillen Beteiligung in Höhe von bis zu 680 Millionen Euro. Die genaue Ausschöpfung der letzten Teilsumme ist unter anderem davon abhängig, ob das Land Niedersachsen für eine Summe von bis zu 400 Millionen Euro bürgen wird. Innerhalb des Bundeslandes laufen die Verhandlungen darüber noch. Die nächste reguläre Sitzung des Haushaltsausschusses ist erst für den 12. Januar angesetzt.

Sollte das Land Niedersachsen seinen Teil erfüllen, würden insgesamt 4,8 Milliarden Euro seit Beginn der Pandemie an Stabilisierungsmaßnahmen in den Hannoveraner Konzern geflossen sein. Die Aktionäre nahmen die Maßnahmen gefasst auf: Ging der Kurs zunächst um wenige Prozentpunkte nach unten, hat er sich inzwischen auf 5,53 Euro wieder etwas erholt.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Info

Wie der Konzern versucht, die Coronakrise zu überstehen, können Sie auf unserer Themenseite zu Tui nachlesen.

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