Volocopter mit Sitz in Bruchsal hat im zweiten Signing der Serie E 182 Millionen Euro eingetrieben. Neom und Gly Capital Management erweitern den diversen Investorenkreis des Start-ups. Das Signing der E-Serie-Finanzierungsrunde bleibt weiterhin offen, denn Volocopter erhofft sich, weiteres frisches Kapital einsammeln zu können. Wie das Unternehmen mitteilt, seien weitere Investoren im Gespräch, die bereits in der Due-Diligence-Phase sind.
Flugtaxis für die geplante Megastadt am Roten Meer
Bei dem Neuinvestor Neom handelt es sich um eine geplante Smart City im Nordwesten Saudi-Arabiens am Roten Meer, die der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman für mehrere Millionen Menschen bauen möchte. Volocopter und Neom hatten bereits im Dezember 2021 ein Joint Venture gegründet.
Dieses sollte Volocity Flugtaxis und Volodrones in Neoms Mobilitätssysteme eingliedern und die voll-elektrischen öffentlichen Flugrouten in der Region für die ersten sieben Jahre nach Einführung betreiben.
Investor aus Hongkong ist ein alter Bekannter von Volocopter
Gly wird von der Geely Holding, einem langjährigen Partner von Volocopter, als Ankerinvestor unterstützt. Der Gly New Mobility Fund ist ein globaler mid-to-late-stage Private-Equity-Fonds mit Sitz in Hongkong. Dieser investiert in Start-ups aus der Transportbranche. Schwerpunkte sind Elektrifizierung, Smart Cars, Smart Cities, Mobility as a Service (MaaS) und Materialien.
Insofern passt das Profil von Volocopter zu beiden Investoren. Die Bruchsaler sind nach eigenen Angaben führend in der UAM-Industrie mit mehr als 1.500 durchgeführten Flugtests und haben ambitionierte Ziele.
182 Millionen Euro für elektrische Flugtaxis und Routen
So sollen die eingenommen 182 Millionen Euro in die Zertifizierung des elektrischen Flugtaxis Volocity und in die Eröffnung der ersten kommerziellen Routen fließen. Diese sollen bereits ab dem Jahr 2024 in Städten wie Singapur, Rom, Paris und Neom fliegen. Doch Volocopter kämpft auch mit einigen Herausforderungen. So mussten die Bruchsaler etwa den geplanten SPAC-Börsengang im Dezember 2021 absagen, nach Unternehmensangaben wegen schlechter Marktbedingungen. Und auch im Vorstand musste Volocopter häufiger personell umbauen.
Ex-CFO Griemens zieht es in die USA
CFO René Griemens suchte sich eine neue Herausforderung in den USA und verließ Volocopter im Februar 2022. Bei Mighty Buildings, einem 3D-Druck-Unternehmen für den Hausbau, leitet er seit März 2022 die Finanzen.
Einen Nachfolger für Griemens bei Volocopter konnte das Unternehmen bisher nicht finden. Die Stelle soll extern besetzt werden, aber „wir konnten niemanden finden, der zu 100 Prozent passt“, erklärte eine Konzernsprecherin gegenüber FINANCE. Interimistisch hat Chief Commercial Officer Christian Bauer im März 2022 zusätzlich die Rolle des CFO übernommen. Eine langfristige Lösung soll dies laut der Sprecherin aber nicht sein.
Volocopter hat juristische Probleme mit Crowdinvestoren
Volocopter kann auf eine Liste diverser und namhafter Investoren wie Mercedes Benz, DB Schenker, Blackrock, Continental oder Intel verweisen. Aber auch 750 Kleinanleger haben in das Flugtaxi-Unternehmen über die Crowd-Investment-Plattform Seedmatch investiert, mit Nachrangdarlehen mit Beträgen zwischen 250 und 10.000 Euro. So kamen 1,2 Millionen Euro zusammen.
Für den Fall, dass Volocopter bis Ende 2020 weder Gewinne erzielt noch gewinnbringend verkauft oder an die Börse gebracht wurde, konnte Volocopter die Nachrangdarlehnsverträge mit den Crowdinvestoren kündigen und ihnen ihr Geld stattdessen mit einer Ein-Prozent-Verzinsung pro Jahr zurückzahlen.
Investoren wollen Gewinnbeteiligung
Den geplatzten Börsengang interpretiert laut dem „Handelsblatt“ ein Teil der Investoren als Trick des Unternehmens, durch den sie um ihre Gewinne gebracht werden sollen. 177 der Investoren fühlen sich hintergangen und haben als „Anlegergemeinschaft Volocopter“ eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, wie die Zeitung berichtete.
Volocopter erklärte gegenüber FINANCE: „Die Darlehen wurden von Volocopter ordnungsgemäß gekündigt und einschließlich der vertraglich vereinbarten Verzinsung zurückgezahlt.“ Eine Verpflichtung zur Bonuszahlung bestehe nicht, da die vertraglichen Voraussetzungen hierfür nicht eingetreten seien, insbesondere innerhalb der Laufzeit kein Exit-Ereignis eingetreten sei. Aufgrund der Verschwiegenheitsklausel sei es nicht möglich, detailliertere Aussagen zum Vertrag zu treffen.
Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.
