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Gea verknüpft Aktienrückkauf mit ESG-Komponente

Gea verknüpft Aktienrückkauf mit ESG-Komponente. Foto: Gea.
Gea verknüpft Aktienrückkauf mit ESG-Komponente. Foto: Gea.

Nachhaltigkeit und Aktienrückkauf – das sind zwei Dinge, die auf den ersten Blick nichts gemein haben. Der Maschinen- und Anlagenbauer Gea hat sich davon jedoch nicht beirren lassen und eine Verknüpfung gewagt: Das jüngst abgeschlossene Aktienrückkaufprogramm über insgesamt rund 300 Millionen Euro ist an eine ESG-Komponente gekoppelt – nach Angaben von Gea eine Premiere am Finanzplatz Deutschland.

Genaugenommen handelt es sich dabei um die im Juli 2022 gestartete zweite Tranche mit einem Volumen von knapp 170 Millionen Euro: Gea hat sich verpflichtet, einen Teil der garantierten Outperformance der gemeinnützigen Organisation Viva con Agua im Rahmen einer dreijährigen Partnerschaft zur Verfügung zu stellen. Konkret spendet der Düsseldorfer Industriekonzern einen zuvor festgelegten Betrag in Höhe von 250.000 Euro für eine Regenwassersammelanlage in Tansania, die unter anderem drei Schulen mit sauberem Wasser versorgen wird.

„Durch das Programm unterstützen wir ein Projekt, welches durch den Bau von Nebelfangnetzen Wasser gewinnt, und so rund 1.000 Kindern den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht”, erläutert Nadine Sterley, Chief Sustainability Officer bei Gea. Durch das Regenwassersammelsystem könne zudem zusätzliches Wasser gewonnen werden, um weiteren 6.000 Menschen aus umliegenden Gemeinden mit sauberem Wasser zu versorgen.

BNP Paribas begleitet das Programm

Für besagte garantierte Outperformance zeichnete die den Aktienrückkauf begleitende BNP Paribas verantwortlich. Bei deren Einhaltung dürfte der französischen Großbank die Baisse in der zweiten Jahreshälfte 2022 nicht ungelegen gekommen sein. Darauf deutet auch das Fazit von Gea-CFO Marcus A. Ketter hin: „Trotz des volatilen Marktumfeldes ist es uns gelungen, die Aktien zu einem durchschnittlichen Kaufpreis unterhalb des aktuellen Kurses zurückzukaufen.“

Im Detail hatte der Durchschnittskurs für die erste, vom 16. August 2021 bis 17. Februar 2022 absolvierte Tranche bei 41,18 Euro gelegen. Die zweite Tranche (6. Juli bis 30. Dezember 2022) startete zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von nurmehr 34,06 Euro. Das ESG-Feature selbst spielte bei der Preisfindung für den Aktienrückkauf also keine Rolle, wie Gea auf Anfrage von FINANCE erklärte. Dass das Instrument dennoch seine Daseinsberechtigung hat, ist die feste Überzeugung von Bernd Becker, Senior Vice President Treasury & Corporate Finance bei Gea: „Das Konzept wird hierzulande Nachahmer finden. Im Ausland ist es vereinzelt bereits etabliert.“

Das Aktienrückkaufprogramm ist Teil der im September 2021 von Gea vorgestellten Strategie „Mission 26“ und zahlt auf das Ziel „Akquisitionen“ ein. Vor diesem Hintergrund werden die Aktien auch nicht eingezogen.

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.