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Börse Düsseldorf reformiert Anleihesegment

Die Börse Düsseldorf will den Markt für Mittelstandsanleihen mit einer Handelsplattform wiederbeleben. Die Stuttgarter Börse hatte Mittelstandsanleihen schon für tot erklärt.
Börse Düsseldorf

Die Börse Düsseldorf antwortet auf die zahlreichen Hiobsbotschaften vom Markt für Mittelstandsanleihen, die auch in Düsseldorf gelistete Emittenten geliefert haben, mit einer umfassenden Reform ihres Anleihesegments. Dafür etablieren die Düsseldorfer eigens ein neues Anleihesegment, den „Primärmarkt“, in dem künftig nicht nur Aktien und Genussscheine, sondern auch Anleihen gehandelt werden sollen. „Emittenten im Primärmarkt haben sich durch das Regelwerk der Börse dazu verpflichtet, besondere Publizitätsstandards einzuhalten. Diese Transparenz wollen wir bei Anleihen kleiner und mittelgroßer Unternehmen verbessern“, sagte Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf.   

Damit Privatanleger Risiken von Mini-Bonds künftig besser einschätzen können, werden drei Untersegmente für Unternehmensanleihen im Primärmarkt eingeführt. Für die Risikoeinordnung werden Anleihen danach klassifiziert, wie weit die Emissionsrendite einer Anleihe vom risikolosen Referenzzinssatz – dem Durchschnittszins der drei- bis fünfjährigen Bundesanleihen – entfernt ist. Auch Anleihen aus dem bisherigen Segment „Mittelstandsmarkt“ werden zukünftig über den Primärmarkt gehandelt. Dazu gehören beispielsweise die Mittelstandsanleihen von Seidensticker, Hahn Immobilien und dem Modehändler Hallhuber, der gerade von Gerry Weber übernommen wird.

 

Andere bekannte in Düsseldorf gelistete Emittenten wie Bastei Lübbe oder Underberg hingegen bleiben im Freiverkehr und wechseln nicht in das neue Segment.

Börse Düsseldorf glaubt an Unternehmensanleihen

Die Börse Düsseldorf will mit dem Aufbau der neuen Plattform wieder Vertrauen in kleine und mittelgroße Unternehmensanleihen aufbauen. Dieses hat schwer gelitten, was die Börse Stuttgart, die die Mittelstandsanleihen aus der Taufe gehoben hatte, dazu bewogen hat, sich aus dem Geschäft mit den Mini-Bonds zurückzuziehen – auch weil bei einigen Pleiten kriminelle Energie im Spiel gewesen ist, wie Christoph Lammersdorf, Chef der Börse Stuttgart, im Dezember zur Begründung sagte. Sein Urteil über Mini-Bonds fiel verheerend aus: „Der Markt ist tot.“

Die Börse Frankfurt hingegen, inzwischen marktführender Handelsplatz für Mittelstandsanleihen, geht einen ähnlichen Weg wie jetzt die Börse Düsseldorf. Die Deutsche Börse setzt weiterhin auf das Konzept.

Deutsche Börse nennt Best Practices für Anleiheemittenten

Um die Transparenz für Anleiheemittenten und Anleger zu erhöhen, brachte die Deutsche Börse bereits im vergangenen Jahr einen Best Practice-Guide heraus, der Unternehmen als Handwerkszeug für die erfolgreiche Platzierung ihrer Anleihen dienen soll. Darin sind vor allem Kennzahlen festgehalten, die Anlegern als Richtschnur für die solide Finanzierung eines Emittenten dienen soll.

Die Börse Düsseldorf meidet die Nennung von Zahlen. Die Stoßrichtung ist eher die Schaffung von Transparenz. Dort gelistete Emittenten müssen Halbjahres- und Jahresberichte vorlegen und sich zu den Ad-hoc-Pflichten bekennen. Ihre Finanzkennzahlen liefern die in Düsseldorf gelisteten Unternehmen künftig nach dem Standard gemäß „DVFA Bondkommunikation“. Zudem verlangt die Börse Düsseldorf genaue Angaben zu Sicherheiten, Garantien und Covenants. Im Gegenzug entfällt allerdings die Verpflichtung für ein Rating.

Die meisten Emittenten, die bislang im Mittelstandsmarkt gelistet sind, wechseln in den neuen Primärmarkt.

anna.wulf(*)finance-magazin(.)de

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