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Drohender Brexit sorgt für Flaute am IPO-Markt

Wie wird sich Großbritannien entscheiden? Die Sorgen um den Brexit sind in London groß. Die Unsicherheit ist in Europa am IPO-Markt deutlich zu spüren.
AndreyKrav/iStock/Thinkstock/Getty Images

Zwar kommt es im ersten Quartal meistens zu weniger Börsengängen. Doch in diesem Jahr war die Stille unheimlich: Das globale Emissionsvolumen ist auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. In Europa gab es in den ersten drei Monaten des Jahres 35 Börsengänge halb so viele wie im Vorjahr. Das zeigt das aktuelle IPO-Barometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Auch der deutsche Markt sieht blass aus: Lediglich zwei Unternehmen haben sich aufs Parkett gewagt. Als erstes schaffte das Biotech-Unternehmen Brain im Februar den Sprung. Danach folgte der Windanlagenbauer Senvion. Die PE-Eigentümer des Unternehmens machten zunächst einen Rückzieher. Die offizielle Begründung war die hohe Volatilität. Marktbeobachter spekulierten jedoch über ein zu geringes Investoreninteresse. Senvion setzte den Börsengang kurz darauf in deutlich kleinerem Umfang durch.

IPO-Rückzieher auf Rekordniveau

Mit dem kurzzeitigen Rückzug vom IPO lagen die Senvion-Eigentümer im Trend. Bis Ende März wurden in diesem Jahr bereits 17 Börsengänge zurückgezogen. Das entspricht etwa 10 Prozent aller Börsengänge im ersten Quartal, bei denen die Preise festgelegt wurden. Noch nie wurden proportional so viele Börsengänge abgeblasen wie in diesem Jahr. Mit 12 Deals handelt es sich bei der absoluten Mehrheit davon um IPOs aus den USA.

Im vergangenen Jahr hatten auch einige deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel das Immobilienunternehmen Corestate Capital und das Modehaus CBR Fashion, ihre Börsengänge wieder abgesagt. Sie stehen deshalb in diesem Jahr auf der Liste der möglichen IPO-Kandidaten, auch wenn sich das Umfeld kaum gebessert hat. Die überraschende Insolvenz der Modekette Steilmann könnte Mode- und Einzelhandels-Investoren zusätzlich misstrauisch machen.

Optimismus für den deutschen IPO-Markt

Martin Steinbach, der bei EY den Bereich IPO und Listing Services leitet, gibt sich optimistisch: „Auch im vergangenen Jahr brauchte der deutsche IPO-Markt etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen und sich dann im weiteren Jahresverlauf durchaus zufriedenstellend zu entwickeln“. Im Vordergrund dürften dabei seiner Ansicht nach Technologieunternehmen, Unternehmensabspaltungen und Portfoliounternehmen von Finanzinvestoren stehen.

Zu den Spin-Offs, die in diesem Jahr den Sprung an die Börse schaffen könnten, gehört zum einen Uniper. Die Abspaltung des E.on-Konzerns, die das Gas- und Kohlegeschäft des Konzerns umfasst, soll im zweiten Halbjahr an die Börse. Auch RWE will die Ausgliederung des Geschäfts mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb bis Ende 2016 aufs Parkett bringen.

Fraglich ist, wie aktiv die Start-up-Schmiede Rocket Internet am IPO-Markt sein wird. Nach dem holprigen Börsengang von Zalando steht in diesem Jahr Delivery Hero in den Startlöchern. Der Essenslieferant wird mit 3,1 Milliarden Euro bewertet. Auch das Portfoliounternehmen Hello Fresh sollte bereits im vergangenen Jahr an die Börse gebracht werden, hat den Schritt bisher aber nicht gewagt.

Unsicherheitsfaktor Brexit

Insgesamt rechnet EY-Experte Martin Steinbach 2016 mit rund 15 deutschen Börsengängen, also mit ebenso vielen wie 2015. Das vergangene Jahr war seit 2007 das stärkste IPO-Jahr in Deutschland. Er schränkt jedoch ein, dass dies nur der Fall sei, „sofern keine externen Schocks eintreten.“

Ein Schock, der Europa in diesem Jahr erschüttern könnte, ist der Austritt Großbritanniens aus der EU. Einige IPO-Kandidaten, wie zum Beispiel die Allied Irish Bank, sagen deutlich, dass ihre Pläne vom Ausgang des Referendums im Juni abhängen. Damit ist die Bank nicht alleine – der IPO-Markt in Großbritannien ist ebenfalls deutlich zurückgegangen, auch wenn er innerhalb Europas immer noch der stabilste ist.

Stimmen die Briten für einen Verbleib in der EU, könnte das London zu einer lebhafteren zweiten Jahreshälfte am IPO-Markt verhelfen. Tritt das Land aber aus der Staatengemeinschaft aus, bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen der Investoren.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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