EU-Behörde in Brüssel: Das Frankfurter Fintech Creditshelf bekommt Mittel aus dem Juncker-Plan.

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14.11.19
Finanzierungen

Durchbruch für Creditshelf?

Der Europäische Investitionsfonds EIF will über Creditshelf 30 Millionen Euro in deutsche Mittelständler pumpen. Ziehen noch mehr Investoren mit, würde dies die Kreditplattform in eine neue Größenordnung katapultieren.

Dem Fintech Creditshelf ist ein Coup gelungen, der den Durchbruch für die Firmenkreditplattform bedeuten könnte. Der Europäische Investitionsfonds (EIF) wird „Cornerstone-Investor“ eines neuen Kreditfonds, der in Kredite investieren soll, die von Creditshelf an deutsche Mittelständler vermittelt werden.

Der EIF stellt dem Fonds 30 Millionen Euro zur Verfügung, der Rest soll von dritten Investoren kommen. Creditshelf hofft, mit diesem Fonds bis zu 150 Millionen Euro einsammeln zu können. Im Vorfeld hatte die EIF eine lange Due Diligence von Creditshelf durchgeführt, die letztlich in dem Investment mündete.  

Creditshelf ist kleiner als der Fonds

Erreicht der Fonds tatsächlich seine angepeilte Größe, könnte er die finanzielle Schlagkraft der Creditshelf-Plattform erheblich erweitern und sie dadurch ins Blickfeld von mehr potentiellen Kreditnehmern rücken. 

In Relation zu den aktuellen Zahlen von Creditshelf wird die Dimension des Projekts deutlich: So wurden über die Kreditplattform im Jahr 2018 KMU-Kredite mit einem Volumen von knapp über 50 Millionen Euro arrangiert. Nach den ersten neun Monaten des laufenden Jahres steht ein arrangiertes Kreditvolumen von 51,7 Millionen Euro zu Buche. Das ist Stand Ende September zwar ein Wachstum von über 70 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2018, bedeutet aber auch: Selbst im gesamten Jahr 2019 dürfte Creditshelf noch deutlich weniger Kreditvolumen bewegen, als der Fonds groß werden soll.

„Wir versprechen uns eine erhebliche Signalwirkung für andere potenzielle Anleger, mit denen wir unsere institutionelle Refinanzierungsbasis massiv ausbauen können“, sagt Creditshelf-CFO Fabian Brügmann. Gegenüber FINANCE berichtete er, dass „auch erste private Investoren schon festes Interesse an einer Teilnahme an dem Fonds signalisiert“ hätten. „Das Fundraising abzuschließen, genießt jetzt hohe Priorität“, so Brügmann.

Über 150 CFOs könnten Nutznießer werden

Zahlreiche CFOs könnten Nutznießer dieses Private-Debt-Projekts werden. „Unseren Darlehensnehmern werden mehr Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen,“ erklärt Finanzchef Brügmann. Erreicht der Fonds sein Zielvolumen von 150 Millionen Euro, soll „in über 150 Kredite an deutsche KMUs investiert werden“, so lautet die Vorstellung des EIF. 

FINANCE-Köpfe

Fabian Brügmann, Creditshelf AG

2006 startet Fabian Brügmann seine Berufslaufbahn bei Goldman Sachs in Frankfurt und London. Von 2012 bis 2016 ist er in den Bereichen Konzernentwicklung und Corporate Finance der Commerzbank aktiv. Anschließend wechselt Brügmann als Direktor in die Investor-Relations-Abteilung der Bank, wo er Ansprechpartner für Aktionäre, Fixed-Income-Investoren und Sell-Side-Analysten ist. Im Januar 2019 tritt er seinen ersten CFO-Job an: Er wird der erste Finanzchef der Kreditplattform Creditshelf, die im Jahr davor an die Börse gegangen ist. 

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In den ersten drei Quartalen dieses Jahres lag die durchschnittliche Ticketgröße der Creditshelf-Kredite bei 728.000 Euro. Das Maximalvolumen reicht aber bis zu 5 Millionen Euro. Den größten Teil der Creditshelf-Kredite nutzen die Unternehmen, um damit ihr Working Capital zu finanzieren. Gerade bei bonitätsschwächeren Mittelständlern haben sich die Banken aus diesem Geschäftsfeld weit zurückgezogen und eine Lücke hinterlassen, die Creditshelf, aber auch andere Fintechs schließen möchten. 

Juncker-Plan hilft Creditshelf

Bislang stammen die investierten Gelder ausschließlich von institutionellen Investoren, die an die Kreditplattform von Creditshelf angeschlossen sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um Banken und Versicherer. Ein großer Investor in die Kredite ist aber auch der Privatinvestor und Ex-TAG-Immobilien-Chef Rolf Elgeti, der mit 39 Prozent auch der größte Aktionär des börsennotierten Frankfurter Fintechs ist – noch vor den beiden Gründern Tim Thabe und Daniel Bartsch, die beide jeweils knapp unter 20 Prozent halten. Creditshelfs Börsenwert beträgt aktuell knapp 70 Millionen Euro.

Creditshelf – und die Kreditnehmer des Fintechs – werden damit zu Profiteuren des so genannten „Juncker-Plans“. Ziel dieses Projekts ist es, mit Hilfe von EU-Geldern private Investitionen anzustoßen. Ein Fonds des Juncker-Plans sichert die EIF-Millionen ab. Das Investment „stärkt den alternativen Kreditmarkt in Deutschland, der im Vergleich zu anderen EU-Ländern immer noch zu wenig ausgeprägt ist“, sagt EIF-Direktor Pier Luigi Gilibert.  

Diese Hoffnung ist auch der Kern der Geschäftsstrategie von Creditshelf. Das Frankfurter Fintech peilt an, „mittelfristig“ eine halbe Milliarde Euro im Jahr an Mittelstandskrediten auszureichen – sechsmal so viel wie im vergangenen Jahr. „Der Fonds ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin“, unterstreicht CFO Brügmann die Bedeutung der heutigen Mitteilung.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de